Schadenersatz

29. April 2019 14:41; Akt: 29.04.2019 16:54 Print

Airlines verlieren Millionen wegen Boeing 737 Max

von Dorothea Vollenweider - Durch das Grounding der Boeing 737 Max entgehen Airlines Hunderte Millionen Dollar. Drohen Boeing Schadenersatzklagen?

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Boeing-Konzernchef Dennis Muilenburg stellt sich am Montag erstmals seit dem Grounding des 737 Max den Aktionären in Chicago. Noch ist unklar, was den Flugzeugbauer nach den fatalen Flugzeugabstürzen der Boeing 737 Max 8 an Schadenersatzklagen erwartet. Der Reisekonzern TUI rechnet mit einem Einmaleffekt von ungefähr 200 Millionen Euro, sollte die 737 Max 8 bis Mitte Juli wieder fliegen dürfen. Das wären rund 3 Millionen Euro pro Woche. Wird das Grounding bis September verlängert, kämen nochmals 100 Millionen Euro dazu. Boeing präsentiert in seinem Werk nahe Seattle ein Update der umstrittenen Steuerungs-Software MCAS. Aus den Quartalsergebnissen geht hervor, dass Boeing das 737-Max-Desaster bisher knapp 1,8 Milliarden Dollar gekostet hat. Der Flugzeugbauer musste nicht nur die Auslieferungen stoppen, sondern auch die Produktion der 737 Max herunterschrauben. (5. April 2019) Neben dem Software-Update will Boeing die Sicherheit der Unglücksflieger der 737-Max-Serie mit weiteren Alarmfunktionen im Cockpit und zusätzlichem Training für Piloten erhöhen. «Wir arbeiten mit Kunden und Regulierern weltweit zusammen, um das Vertrauen in die Industrie wieder herzustellen», sagte Boeings Entwicklungschef Mike Sinnett am 27. März 2019 zu den Medien. Boeings MCAS-System spielte laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Absturz einer 737 Max 8 Ende Oktober in Indonesien. Auch beim jüngsten Crash einer baugleichen Maschine in Äthiopien gilt die Software als eine mögliche Ursache. Vertreter der US-Luftfahrtbehörde FAA mussten in Washington dem US-Senat Rede und Antwort stehen und sich starker Kritik der Abgeordneten stellen.

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Boeing-CEO Dennis Muilenburg wird sich heute an der jährlichen Hauptversammung in Chicago zum ersten Mal seit dem Grounding des 737 Max den Aktionären stellen. Was droht dem Flugzeugbauer nach den fatalen Flugzeugabstürzen der Boeing 737 Max 8 der Lion Air in Indonesien am 29. Oktober 2018 und der Ethiopian Airlines am 10. März 2019?

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«Der Schaden für die Airlines und für Boeing ist derzeit unmöglich abzuschätzen», sagt Aviatik-Experte William Agius von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW zu 20 Minuten. Verschiedene europäische und amerikanische Airlines rechnen damit, dass ihnen durch das Startverbot des Maschinentyps Hunderte Millionen von Dollar entgehen. So rechnet der Reisekonzern TUI mit einem Einmaleffekt von ungefähr 200 Millionen Euro (228 Millionen Franken), sollte die 737 Max 8 bis Mitte Juli wieder fliegen dürfen. Das wären rund 3 Millionen Euro pro Woche. Wird das Grounding bis September verlängert, kämen nochmals 100 Millionen Euro dazu.

Umsatzeinbussen und Auslieferungsstopp

Die Fluggesellschaft Norwegian Air Shuttle rechnet mit einem finanziellen Schaden von rund 500 Millionen norwegischen Kronen, was knapp 59 Millionen Franken entspricht. Zudem konnte die Fluggesellschaft Auslieferung von 14 Maschinen hinauszögern, die für 2020 und 2021 geplant waren.

Die American Airlines warnten am Freitag, dass das Ergebnis wegen des Boeing-Groundings um rund 350 Millionen Dollar (357 Millionen Franken) tiefer ausfallen werde. Die Billigfluggesellschaft Southwest Airlines rechnet damit, dass die Effekte des Groundings sowie des US Government Shutdown und andere Faktoren dazu führen, dass die Airline 200 Millionen Dollar (204 Millionen Franken) an Einnahmen einbüssen werde.

Was sind die Folgen für Boeing?

Noch ist unklar, ob die betroffenen Airlines Schadenersatzforderungen an den Flugzeugbauer stellen werden. Nicht zuletzt, weil es derzeit laut Angaben der Fluggesellschaften noch sehr schwierig ist, den Schaden abzuschätzen. Noch immer ist unklar, wann die 737 Max 8 wieder in die Luft dürfen. Aviatik-Experte Agius hält es auch für möglich, dass die Airlines auf Spar-Deals oder Vergünstigungen von Boeing eingehen, um weitere finanzielle Einbussen zu verhindern.

Klar ist: US-Aktionäre haben eine Klage gegen Boeing eingereicht. Sie beschuldigen das Unternehmen, Sicherheitsmängel vertuscht zu haben. Zudem muss sich der Flugzeugbauer mit Klagen auseinandersetzen, die im Namen von Dutzenden von Opfern der beiden Abstürze eingereicht wurden.

Grosser finanzieller Schaden

Aus den Quartalsergebnissen geht hervor, dass Boeing das 737-Max-Desaster bisher umgerechnet rund 1,8 Milliarden Franken gekostet hat. Boeing wird vorerst keine Maschinen vom Typ 737 Max mehr ausliefern. Die Produktion des Maschinentyps wurde zudem von 52 Flugzeugen pro Monat auf 42 pro Monat heruntergefahren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • beat am 29.04.2019 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Boeing muss zahlen

    Wie regulierten die US-Gerichte den Diesel-Skandal? Die Volkswagenwerke mussten alle Fahrzeuge zurückkaufen und die Betroffenen entschädigen. Wollen wir doch hoffen, dass auch vor den US-Gesetzen alle gleich sind.

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  • s.p am 29.04.2019 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schaden

    der grösste Schaden sind die Menschenleben, die ausgelöscht wurden.

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  • Northern_lights am 29.04.2019 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fokus setzen

    alles Geld der Welt wiegt die Menschenleben nicht auf, die wegen mangelhaftem Verantwortungsbewusstsein ausgelöscht wurden. DAS ist der Verlust.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Air Plane am 30.04.2019 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch Profitdenken für Aktionäre

    Boeing hat das Problem vieler US Firmen, welche nur Gewinn abwerfen und Aktionäre befriedigen müssen, zudem werden dem Kader hohe Löhne bezahlt. Derweil wurden Produktionsstandorte mit gutem Personal und Gewerkschaften geschlossen und neue Standorte in anderen US Bundesstaaten eröffnet, wo branchenfremdes Personal die Flieger zusammenschraubt. Möglichst viel wurde "ausgesourct" um Kosten zu sparen. Boeing baut das Zeug noch zusammen und macht Boeing-Kleber drauf. Auf Youtube gibts interessante Bereichte von Boeing Mitarbeitern, welche selber sagen, sie würden nie mit 373 oder 787 fliegen!

  • Peter V. am 30.04.2019 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Bedauern

    Wenn Airlines halt das preisgünstigere Muster beschaffen, von welchem der Grundentwurf aus den 60igern entstammt, sollte nicht erstaunt sein, dass es am Ende teurer kommt. Denn die MAX wurde unter Zeit- und Spardruck entwickelt (da Airbus bereits viel weiter war mit der A320-Familie)! Tragisch ist an dieser Geschichte, dass unter dem Wissen des Herstellers über 350 Menschen ihr Leben lassen mussten. Ich kann nur hoffen, dass auch die (weltweit) tätigen Zulassungsbehörden aus diesen Fehlern lehren ziehen und umsetzen. Boeing auf jeden Fall gehört die Zulassung für die MAX dauerhaft entzogen!

  • igor am 30.04.2019 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    zu Billig

    Fliegen ist zu Billig und Zerstört die Natur und Menschenleben.

  • Tourist am 30.04.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Todesmaschinen

    wieder einmal ein Beweis, dass Geld über Allem steht, Boeing hätte nach dem 1. Absturz ihre Flieger grounden müssen.. ich werde nie mehr in ein Boeing Flugzeug einsteigen

    • J.o am 30.04.2019 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tourist

      Dann verdient ja Boeing nichts mehr. :/

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  • Landru am 29.04.2019 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hohe Strafe gefordert!

    Als Vielflieger meide ich seit längerer Zeit Flüge mit Boing Flugzeugen. Was bedeutet, dass ich auf andere Fluggesellschaften ausweichen muss. Hier geht es auch um das Prinzip. Ich unterstütze keinesfalls Unternehmen, die vorsätzlich hohe Risiken eingehen und somit viele Menschenleben aufs Spiel setzten. Ich hoffe, dass Boing hoch bestraft wird! Auch wenn dies den Untergang für Boing bedeutet. Hier muss ein Exempel statuiert werden um solche Machenschaften zu unterbinden. Die Verantwortlichen Personen sollen zudem mit hohen Büssen und langen unbedingten Haftstrafen verurteilt werden.