Bayer

27. April 2019 01:57; Akt: 27.04.2019 01:57 Print

Aktionäre verpassen Chef eine Ohrfeige

Ein herber Rückschlag für den Konzernchef des Chemieriesen: 55 Prozent der Anteilseigner stimmten gegen eine Entlastung der Führungsspitze.

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Die Aktionäre von Bayer haben der Führungsspitze des Agrarchemie- und Pharmakonzerns das Misstrauen ausgesprochen. Auf der Generalversammlung am Freitag in Bonn stimmten 55,5 Prozent des anwesenden Grundkapitals gegen eine Entlastung.

Das ist ein herber Rückschlag für Konzernchef Werner Baumann: 2018 war die Konzernführung noch mit rund 97 Prozent entlastet worden. Das Votum hat zwar keine direkten Folgen, darf aber als schallende Ohrfeige für die Geschäftsleitung verstanden werden.
Baumann hatte die umstrittene Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto im vergangenen Jahr durchgezogen - aus Sicht zahlreicher Grossaktionäre war dies eine schlechte Entscheidung, auch weil wegen einer Klagewelle in den USA hohe Schadenersatzzahlungen drohen.

Novum in Deutschland

Für die Entlastung der Bayer-Geschäftsleitung wurden am Freitag nur 44,48 Prozent der Aktionärsstimmen abgegeben. Dem Verwaltungsrat sprachen zwar auf der mehr als zwölf Stunden dauernden Generalversammlung 66,38 Prozent des anwesenden Kapitals das Vertrauen aus. Üblich sind in Deutschland aber Zustimmungsraten von 95 Prozent und mehr.

Die Aktien des Traditionsunternehmens sind seit langem im Keller, durch die Kursverluste haben Aktionäre oftmals Vermögenseinbussen hinnehmen müssen. Baumann verteidigte den Schritt zur Übernahme des US-Konkurrenten für rund 63 Milliarden Dollar auch auf der Generalversammlung erneut als richtig und betonte, dass sich der Kauf auf lange Sicht auszahlen werde. Die Geschäftsleitung habe die Chancen und Risiken des Zukaufs sorgfältig abgewogen, betonte er am Freitag. Verwaltungsratschef Werner Wenning entschuldigte sich dafür bei den Anteilseignern: «Das bedauern wir sehr.» Das heutige Aktionärstreffen sei «keine Routine-Hauptversammlung».

Grösseres Chaos

Die Sorgenfalten der Aktionäre konnte er damit nicht glätten - manche von ihnen befürchten sogar, dass Bayer selbst aufgekauft und zerschlagen werden könnte.

Ob Baumanns Stuhl nun wackelt, ist offen. Viele Kritiker hatten zwar die Entlastung verweigert, verstanden dies aber eher als Denkzettel. Aktionärsvertreter Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka etwa wies trotz seiner Kritik am Monsanto-Deal darauf hin, dass ein Stühlerücken an der Konzernspitze «das Chaos noch vergrössern» würde.

Ausserordentliche Sitzung

Der Verwaltungsrat stärkte noch in der Nacht auf Samstag dem Management nach dem Misstrauensvotum durch die Aktionäre den Rücken. Das Kontrollgremium stehe geschlossen hinter der Geschäftsleitung, erklärte Bayer.

Zuvor kam der Verwaltungsrat kurzfristig zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammen. Bei dieser sei dem Konzernvorstand einstimmig das Vertrauen ausgesprochen und der Strategie des Unternehmens erneut ausdrücklich zugestimmt worden. «Wir nehmen das Abstimmungsergebnis der Hauptversammlung sehr ernst», erklärte Aufsichtsratschef Werner Wenning weiter. Das Gremium werde den Vorstand dabei unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre in das Unternehmen und seine Strategie «schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen».

(roy/sda)

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michailow am 27.04.2019 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie Schweizer Demokratie

    Ist schon lustig, es wurde Nein gestimmt, aber es hat keinen direkten Einfluss...

  • giorgio1954 am 27.04.2019 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auswechseln

    Was muss den eigentlich passieren, dass hier die schlechte Mannschaft ausgewechselt wird?

    einklappen einklappen
  • marko 34 am 27.04.2019 04:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grossartig

    Grossartig

Die neusten Leser-Kommentare

  • Büetzer am 27.04.2019 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Aktionäre

    sind weiter als die Herde Schafe in der Schweiz, die erfolglosen Chefs horrende Almosen zugestehen. Wenn schon Abzocke, dann als Bsnkheini bei CS oder UBS

  • werner o. am 27.04.2019 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konzernleitung 21

    Es sehr spannend wenn sich Konzerne selber schrotten. Was das modern Management so alles lernt und leistet?!

  • leser am 27.04.2019 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kabum

    in amerika gefeiert mit monsanto und co!! sobald verkauft.. anklagen anklagen anklagen geld machen illegal gift etc!!!! . terrorstaat usa 3 november seatle anschlag!??

  • nico basler am 27.04.2019 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pervers

    Da bauen diese Nonvaleur einen Riesenflop und bekommen dafür noch einen höheren Bonus. Perverser geht s nicht mehr.

  • L. Octite am 27.04.2019 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sachen packen und gehen...

    Das Signal ist ja eindeutig. Eigentlich sollte der Anstand gebieten, in Demut die Konsequenzen zu ziehen und die Posten zu räumen. Aber die Vorstandsriege ist ja mit Superkleber mit ihren Sesseln verbunden und werden nicht freiwillig gehen. Verständlich, denn es lassen sich ja praktisch beliebige Gehälter erzielen, ohne dafür auch nur ansatzweise Verantwortung übernehmen zu müssen...