«Plan B»

15. Februar 2011 20:28; Akt: 16.02.2011 20:16 Print

Aktionäre wollen Nokia-Chef stürzen

Der finnische Handyhersteller dürfe nicht zum Zulieferer von Microsoft werden. Dies verlangt eine Gruppe besorgter Aktionäre und ruft übers Internet zum Widerstand auf.

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Dem Nokia-CEO, Stephen Elop, weht ein eisiger Wind entgegen. Die angekündigte Kooperation mit Microsoft stösst auf erbitterten Widerstand. (Bild: Keystone)

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Eine Gruppierung, die sich selbst als neun junge Nokia-Aktionäre bezeichnet, will die geplante Kooperation des finnischen Handyherstellers mit Microsoft nicht akzeptieren. Dies berichtet das deutsche Nachrichten-Portal golem.de. Die Forderungen der Gruppe «Nokia Plan B», die auf einer eigenen Website und auf Facebook veröffentlicht wurden, lesen sich wie eine Kriegserklärung an die Adresse der bestehenden Nokia-Führung:

- Stephen Elop soll mit sofortiger Wirkung von seinen Posten als Präsident und CEO von Nokia enthoben werden. Neben dem von Elop sollen weitere Köpfe rollen.

- Die angekündigte Allianz mit Microsoft soll reduziert werden und sich primär auf den nordamerikanischen Markt konzentrieren. Nur wenn das erste Windows-Phone-7-Smartphone tatsächlich ein Erfolg wird, soll das Bündnis auf Europa ausgedehnt werden.

- MeeGo soll die bevorzugte Smartphone-Plattform sein. Das Betriebssystem biete überlegene Möglichkeiten und Anwendungen gegenüber Apples iOS und Android.

- Das bisherige Betriebssystem Symbian soll mindestens für fünf Jahre weitergeführt werden.

- Forschung und Entwicklung soll sich auf Finnland sowie einen einzigen weiteren, noch zu bestimmenden Standort beschränken. Auf das Auslagern von Entwicklungsarbeit sei zu verzichten.

Die Gruppe «Nokia Plan B» setzt sich gemäss eigenen Angaben aus ehemaligen Nokia-Mitarbeitern zusammen. Die Zusammenarbeit mit Microsoft werde man an der Generalversammlung am 3. Mai 2011 anfechten. Die anderen Aktionäre werden aufgefordert, sich ebenfalls gegen die Kooperation mit Microsoft zu wehren, indem die Gruppe ins Aufsichtsgremium gewählt wird. Dadurch könne man einen Strategiewechsel erzwingen.

Noch keine Stellungnahme

Nokia hat zu den publik gemachten Forderungen der vermeintlichen Aktionärsgruppe noch nicht Stellung genommen. Am vergangenen Freitag hatte das Unternehmen angekündigt, in Smartphones als Betriebssystem künftig Windows Phone 7 einzusetzen, um nach eigener Aussage mehr Innovation und eine grössere globale Reichweite zu erzielen. Kurz nach Bekanntgabe der Pläne hatten Nokia-Mitarbeiter aus Protest ihren Arbeitsplatz früher verlassen. Der Kurs von Nokia stürzte um 14 Prozent ab.

Laut golem.de fordert die finnische Gewerkschaft Ammattiliitto Pro 100 000 Euro Abfindung für jeden entlassenen Nokia-Arbeitnehmer. Der Gewerkschaftsboss erwartet, dass Nokia wegen des Bündnisses mit Microsoft in Finnland 5000 Arbeitsplätze abbaut. Der Konzern hat 19 840 Mitarbeiter in Finnland, davon rund 6500 in der Forschung und Entwicklung. Ammattiliitto-Pro hat nach eigenen Angaben 5000 Mitglieder bei Nokia.

Nokia-CEO verteidigt sich

Nokia-Chef Stephen Elop sieht sich nach der geplanten engen Kooperation mit dem US-Konzern Microsoft mit der geballten Kritik von Angestellten und Investoren konfrontiert. Bei der weltweit grössten Mobilfunkmesse in Barcelona, die am Montag ihre Pforten öffnete, verteidigte Elop die geplante Zusammenarbeit mit Microsoft. So werde der Deal Nokia Milliarden einbringen, erklärte Elop, der früher bei Microsoft arbeitete.

Mit Blick auf die künftige Situation der Angestellten von Nokia sagte Elop der Nachrichtenagentur AP: «Jeder Angestellte ist auf einer emotionalen Reise. Diese ist derzeit schwierig, weil die Veränderungen so einschneidend sind.»

Elop hatte die Mitarbeiter schon auf den bevorstehenden Einschnitt vorbereitet. Firmenintern soll er erklärt haben, Nokia gleiche einer brennenden Ölbohrinsel, und Angestellten geraten haben, abzuspringen und sich einen sichereren Ort zu suchen.

Die firmeninterne Mitteilung sorgte unter Analysten für Aufsehen. Nokia sei nun von der brennenden Ölbohrinsel in Eiswasser gesprungen, sagte Richard Windsor, Analyst bei Nomura Securities. Dennoch sei aber nicht sicher, ob das Rettungsboot angesichts zahlreicher Raubfische wieder an die Wasseroberfläche komme.

Sinkende Marktanteile

Nokia ist mit 432 Millionen verkauften Geräten im Jahr 2010 immer noch der weltweit grösste Handyhersteller. Allerdings ging der Marktanteil von 41 Prozent im Jahr 2008 auf 31 Prozent im letzten Quartal von 2010 zurück.

Zuletzt hatte Nokia seine dominante Führung eingebüsst. So haben vor allem bei den populären Smartphones mit Apple und Google längst andere das Sagen.

Microsoft konnte mit Windows Phone 7 erst im Oktober vergangenen Jahres ein konkurrenzfähiges Betriebssystem präsentieren, das sich am Markt noch gegen das iPhone von Apple und Googles Android-System durchsetzen muss. Analysten zufolge profitiert Microsoft aber mehr von der Kooperation als Nokia.

Update 16. Februar:
Die Gruppe «Nokia Plan B» hat anscheinend bereits wieder aufgegeben. Die ablehnenden Reaktionen von institutionellen Anlegern wie Kreditinstituten, Investmentgesellschaften sowie Investmentfonds seien der Grund, berichtet golem.de. Tatsächlich sind sowohl die entsprechende Website wie auch die Facebook-Seite nicht mehr erreichbar. «In den letzten 36 Stunden haben uns hunderte Aktionäre mit 10 bis 400 000 Anteilen kontaktiert und ihre Unterstützung angeboten. Doch die Reaktionen der institutionellen Anleger waren nicht ermutigend», gab die Gruppe gemäss Übersetzung von golem.de bekannt. «Das war es dann von uns.»

(dsc/ap)