Grossmacht

28. Juni 2013 07:28; Akt: 28.06.2013 07:28 Print

Aldi und Lidl schliessen bald zur Nummer drei auf

von S. Spaeth - Die Harddiscounter haben ein Jahr mit enormen Wachstumsraten hinter sich. Schon bald könnten Aldi und Lidl hinter den beiden Grossverteilern zur drittstärksten Kraft im Schweizer Detailhandel aufsteigen.

storybild

Der Überflieger des Detailhandelsjahres 2012: Lidl erreichte ein Wachstum von 13 Prozent. Der Gesamtmarkt nahm lediglich um 0,5 Prozent zu. (Bild: Keystone/urs Flueeler)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Detailhandelsriesen Migros und Coop sind nicht zu beneiden. In ihrem ursprünglichen Geschäft waren die Umsätze im vergangenen Jahr rückläufig: bei Migros um rund ein Prozent, bei Coop um 0,2 Prozent. Die Einbussen erfolgten trotz Flächenausbau: Bei der Migros kamen laut der neusten «Detailhandel Schweiz»-Studie sechs neue Verkaufstellen hinzu, bei Coop sogar deren sieben. «Der Umsatzrückgang ist die Folge des Preiskampfs», sagt Studienautor Thomas Hochreutener.

Umfrage
Kaufen Sie regelmässig bei Aldi oder Lidl ein?
44 %
56 %
Insgesamt 5219 Teilnehmer

Hochstimmung herrscht hingegen bei den Harddiscoutern. Aldi Suisse erreichte 2012 ein Wachstum von 9,3 Prozent. Die GFK-Experten schätzen den Umsatz des deutschen Detailhändlers sieben Jahre nach seinem Schweizer Markteintritt auf 1,6 Milliarden Franken. Im Schweizer Detailhandelsranking reicht dies für Rang 5 (siehe Grafik). Noch eindrücklicher ist das Wachstum bei Lidl. Hier kletterten die Umsätze um 13 Prozent auf 680 Millionen Franken (Rang 16). Dass Herr und Frau Schweizer die Harddiscounter ins Herz geschlossen haben, zeigt dies: 56 Prozent der Schweizer Konsumenten kauften 2012 mindestens einmal in einer Schweizer Aldi-Filiale ein, 37 Prozent waren bei Lidl.

Expansionstempo nimmt ab

Das grosse Wachstum der Harddiscounter ist vor allem auf deren Flächenexpansion zurückzuführen. Aldi eröffnete 2012 zehn neue Filialen und zählt aktuell 163 Standorte. Bei Lidl kamen sogar 14 Standorte hinzu (aktuell 89 Filialen). Zusammen führen die beiden Harddiscounter nun bereits über 250 Filialen. Gehen die Expansionspläne von Aldi und Lidl im geplanten Stil weiter, rechen die GfK-Experten im Jahr 2015 damit, dass Aldi und Lidl zusammen die Marke von drei Milliarden Franken Umsatz erreichen. Damit rückten die Harddiscounter der aktuellen Nummer drei im Schweizer Detailhandel, Migros-Tocher Denner, arg auf die Pelle. Sie erreichte letztes Jahr 3,1 Milliarden Franken Umsatz.

Ob die Flächenexpansion der Billiganbieter allerdings im einst geplanten Tempo weitergeht, ist unklar. «Die Harddiscounter wollten in diesem Jahr ursprünglich je 10 bis 15 Verkaufstellen eröffnen», sagt Hochreutener. Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Bei beiden kamen im laufenden Jahr bisher erst zwei Standorte hinzu. Das verlangsamte Expansionstempo liegt einerseits an der schwierigeren Suche nach geeigneten Standorten. Andererseits gehe es laut Hochreutener um die Frage der Rentabilität: «Bei jeder Neueröffnung findet eine Kannibalisierung statt – sprich eine bestehende Filiale verliert einen Teil des Umsatzes», so der Experte.

Aldi und Lidl: Enormer Marktanteil in Deutschland

Bei Lidl betont man, an der Expansionsstrategie festzuhalten. «Für uns vor allem die individuelle Standortqualität und nicht die Gesamtanzahl der Filialen entscheidend», sagt Lidl-Sprecherin Cheryl Zwicker. Konkreter wird Aldi: «Bis Ende Jahr gehen wir von einer Anzahl von gegen 170 Filialen aus», sagt Sprecher Alain Bollschweiler. Das entspräche einem Wachstum von acht Filialen.

Mit dem Erreichen der drei Milliarden-Marke in zwei Jahren hätten die Harddiscounter laut GfK einen Anteil von rund 3 Prozent am gesamten Schweizer Detailhandel. Betrachtet man lediglich den Lebensmittel-Sektor, wäre es etwa 5 Prozent. Zum Vergleich: In unserem Nachbarland Deutschland – in dem die «Geiz ist Geil»-Mentalität äusserst ausgeprägt ist und Aldi behauptet, eine 100 Jahre alte Traditionsfirma zu sein, kommen Aldi, Lidl und weitere Harddiscounter auf einen gemeinsamen Marktanteil von gegen 50 Prozent.

Hitiliste des Schweizer Detailhandels aus Konsumentensicht

Quelle: GFK

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arnold am 28.06.2013 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Migros und Coop gehören etwas mir.

    Als Mitbesitzer von Migros und Coop (je 10 Fr. Anteilschein) sehe ich nicht ein, warum ich die reichsten Europäer (Albrecht) unterstützen soll. Wenn Migros und Coop Pleite gehen, verliere ich mein Geld.

  • Herbert am 28.06.2013 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Aldi teurer

    Ich machte dieses Jahr einen Testkauf im Aldi, etwa 9 von 10 Artikeln erhält man im Coop oder Migros günstiger und das erst noch in besserer Qualität

  • Damaris am 28.06.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich erinnere mich noch gut ...

    an einen Artikel zum Thema Aldi & Co., der vor vielen Jahren in einer Schweizer Publikation erschien und sich so ein wenig herablassend über diese potentiellen Konkurrenten äusserte ... "Superbillig im Teuerland" ist mittlerweile hochwillkommene Realität in der Schweiz und hat endlich dazu geführt, dass die Preise im Detalhandel gesunken sind. Danke ALDI und Lidl. Ohne euch hätten Migros und Coop munter weiter an der Preisschraube nach oben gedreht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Brigitte123 am 01.07.2013 00:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Einkäufen bei MIGROS u. Cooper- Läden. 

    Wundere mich auf gar nichts, wenn MIGROS u. Cooper Filialen weniger Kunden zum Einkäufen verlieren. Bei solch blödem Kassensystem, wie das Self- Scanning, gehen auch Wir Senioren lieber zum Einkaufen, wo wir mit den Kassiererinnen Kontakt haben u. Au zur Beratung greifen können!

  • Arnold am 28.06.2013 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Migros und Coop gehören etwas mir.

    Als Mitbesitzer von Migros und Coop (je 10 Fr. Anteilschein) sehe ich nicht ein, warum ich die reichsten Europäer (Albrecht) unterstützen soll. Wenn Migros und Coop Pleite gehen, verliere ich mein Geld.

  • Timo Zürich am 28.06.2013 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Parkgebühren

    Zu den Parkgebühren bei COOP etc...Aldi und Lidl zahlen wahrscheinlich pauschal an die Gemeinden und wälzen das nicht auf den Verbraucher ab...oder eventuell indirekt über die Preise. Ist mir allerdings lieber als jedes Mal 1 CHF in die Parkuhr zu versenken...

  • Martin Schiegg am 28.06.2013 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Aldi und Lidl!

    Dank Aldi und Lidl sind Migros und Coop gezwungen worden die Preise zu senken! Schonmal aufgefallen? Kaum waren die ersten Geschäfte eröffnet wurde Migros und Coop günstiger. Aldi und Lidl tut der Schweiz sehr gut! Qualität und Preis tiptop.

  • Ca Mau am 28.06.2013 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf!

    Aldi und Lidl, ebenso Spar haben hier in der Schweiz nichts verloren habe, so wie die die Angestellten mit Füssen treten müssten solche Läden konsequent verboten werden! Wir haben hier Migros, Coop und Denner und viele Kleinläden, die man unterstützen sollte, wirklich günstiger sind sie nicht, ausser man kauft Billigware, von denen man nicht weiss was für Gift die drin haben. Wenn ich Crevetten zu Schleuderpreise sehe, will ich nicht wissen woher die kommen, genauso das Fleisch. Es braucht nur in der CH geschlachtet zu werden um es als CH Fleisch zu deklarieren + gefüttert wurde es mit Schrott