Ausverkauf vorbei

19. Juli 2018 07:58; Akt: 19.07.2018 08:37 Print

Alle OVS-Läden machen am Samstag für immer zu

Jetzt ist wirklich Schluss für OVS: Sämtliche noch offenen Läden haben am Samstag den letzten Verkaufstag. Die Mitarbeitenden müssen nun um ihren Lohn kämpfen.

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Die Totalliquidation ist in vollem Gang: Auch die Schaufensterpuppen stehen zum Verkauf. Am Samstag ist allerdings der letzte Verkaufstag von OVS. Einige Kunden haben bereits zugegriffen. Die Kartonschachteln sind immerhin gratis. Damit will die Firma wohl die Entsorgungsgebühr sparen. Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht. Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. Die Marke OVS habe sich nicht wie gewünscht im Schweizer Markt positioniert. Die anhaltend ungenügenden Umsätze hätten daher zu massiven finanziellen Engpässen geführt, so das Unternehmen. Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert. Damals schrieb Vögele rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich. Stefano Beraldo, der CEO von OVS, sagte bei der Übernahme aber, er werde das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wolle in der Schweiz zum Marktführer werden. Stattdessen steht der Händler hierzulande jetzt vor dem Aus. OVS dürfte den Schweizer Markt unterschätzt haben. Nur weil die Markenvielfalt kleiner sei als in den umliegenden Ländern, dürfe man nicht auf ein weniger umkämpftes Umfeld schliessen, sagt CS-Analyst Sascha Jucker zu 20 Minuten. Für ein schwächelndes Unternehmen ist es zudem schwer, in einem gesättigten Markt wieder zu wachsen. Und der Schweizer Markt war schon vor der OVS-Übernahme weitgehend gesättigt. Das Unternehmen soll laut Medienberichten im April Vermieter seiner Filialen kontaktiert und teils massive Reduktionen gefordert haben. Es scheint, als hätte OVS den teuren Standort Schweiz unterschätzt. Auch der Wechsel vom Namen Vögele zu OVS war riskant: «Ein Rebranding birgt immer das Risiko in sich, dass mehr Stammkunden der alten Marke zur Konkurrenz abwandern, als dass Neukunden gewonnen werden können», erklärt CS-Experte Jucker. Um OVS war es in der Schweiz in Sachen Werbepräsenz relativ ruhig. Charles Vögele warb früher mit prominenten Markenbotschaftern wie Penélope Cruz ... ... und Til Schweiger. Zwar half das nicht direkt gegen die roten Zahlen, immerhin dürfte heute aber vielen der Name Charles Vögele noch geläufiger sein als OVS. OVS hatte es bereits 2000 in der Schweiz versucht. Das Unternehmen, das damals noch Oviesse hiess, zog sich wenige Jahre später aber wieder aus dem Land zurück. Weniger als zwei Jahre sind seit der Übernahme durch OVS vergangen – die vollständige Umstellung von Vögele auf OVS dauerte bis Ende 2017. Das sei normalerweise nicht genug Zeit, um einen Händler wie Vögele aus den roten Zahlen zu hieven, sagt Jucker dazu.

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Am Samstag, den 21. Juli, ist der letzte Verkaufstag für alle noch offenen OVS-Filialen in der Schweiz. Das geht aus einem Schreiben an OVS-Mitarbeiter hervor, das 20 Minuten vorliegt. Der Abverkauf der Waren sei grossflächig abgeschlossen, heisst es darin.

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Ein Sprecher von Sempione Fashion, dem Unternehmen hinter der Schweizer OVS-Marke, bestätigt auf Anfrage, dass die Firma zusammen mit dem Sachverwalter beschlossen hat, dass der Samstag der letzte Verkaufstag sein wird. Im Anschluss würden die Filialen geräumt, die Ware abgeholt und die Schlüssel der Filialen an die Vermieter retourniert, steht im Schreiben an die Mitarbeiter weiter. Bisher hiess es seitens Sempione Fashion, Ziel sei, bis 27. Juli abzuschliessen.


20 Minuten hat mit Schnäppchenjägerinnen im OVS gesprochen. (Video: 20M)

Offene Forderungen

In einem separaten Brief, der 20 Minuten vorliegt, informierte das Unternehmen die Angestellten zudem, wie sie mit offenen Forderungen umzugehen haben. So sind etwa Entlöhnungen für Pikettdienste im Mai noch offen. Das Gleiche gilt für den Anteil des 13. Monatslohns und für Überstunden. Die OVS-Mitarbeiter müssen diese Forderungen der Arbeitslosenkasse des Kantons melden.

Sollte der Sachverwalter für Sempione Fashion einen Schuldenruf publizieren, müssen die ehemaligen Angestellten ihre Forderungen zudem auch ihm melden. Im Falle eines Konkurses würde es an den Mitarbeitern selbst liegen, das Handelsamtsblatt regelmässig zu prüfen und sich darüber zu informieren, wie und bis wann sie ihre Ansprüche geltend machen können.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 19.07.2018 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opfer sind die Angestellten

    Ueble Sache für die Angestellten.

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  • Lardo am 19.07.2018 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Haftung für ausländische Firmen

    Ausländische Firmen sollten mit ihrem ganzen Konzernvermögen haften, wenn sie in der Schweiz Niederlassungen haben. Kann nicht sein, dass die hier hin kommen um abzukassieren und dann Schweizer Arbeitnehmer am Ende blöde da stehen, nur weil man sich auf das Vermögen der im HR eingetragenen Schweizer Niederlassung beschränken muss.

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  • gh am 19.07.2018 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr

    Ja wenn das die Zukunft bedeutet dann gute Nacht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Shopper am 20.07.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diversity

    Ich fand es extrem schade als Vögele geschlossen wurde. Leider konnte er das altmodische Kleidung Image nicht loswerden obwohl ganz tolle Markenkleider angeboten wurden. OVS war nicht annähernd der gleichen Qualität. Bringt Peek & Cloppenburg... es braucht mehr Geschäfte mit verschiedenen Angeboten von kleinen Grössen bis grossen Grössen.

  • Fabienne am 19.07.2018 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gruempelladen

    Ich koennte mir ganz gut Primark, Takko, Kik oder Drogeriemarkt vorstellen als neue Geschaefte. Mir tun nur die Angestellten leid aber war gerade heute im OVS Romagna Center (naehe Bellaria/Italien) und muss sagen dass es auch hier nicht besser ist und derselbe Menschenleere Gruempelladen. Dazu auch noch verhaeltnismaessig teuer. Logisch gehen die Italiener dort einkaufen wo sie fuer weniger Geld mehr Auswahl und Qualitaet kriegen.

    • Supermario am 20.07.2018 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      Relativ

      Na ja, auch andere Detaillisten benötigen doch wieder VerkäuferInnen.

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  • Erika Staubli am 19.07.2018 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drogeriemarkt

    Hoffe in die leeren Läden kommen Drogeriemärkte rein. Da kommen viele Menschen und die Läden werden wieder voller. Es gibt auch wieder Arbeitsplätze.

    • Scherberger am 19.07.2018 18:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Erika Staubli

      Das wären dann aber schon etwas sehr grosse Drogeriemärkte...

    • Marianne am 20.07.2018 11:58 Report Diesen Beitrag melden

      Standortweise

      Soviel Drogerieangebote braucht es nicht. Es muss aber auch nicht sein, dass alle Ladenlokale an die gleiche Nachfolge gehen. Es sollte Standortweise überprüft werden, was sinnvoll ist! Dann ist auch die Kundenfrequenz einigermassen sichergestellt. Das wäre eine sinnvolle Aufgabe für die Vermieter.

    • max62 am 20.07.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erika Staubli

      In Luzern werden das sicher alles Uhrengeschäfte.

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  • EIn Leser am 19.07.2018 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Weisheiten

    Es ist doch offensichtlich, dass Firmen abkassieren können, dann die Hintertür nehmen und keine Verantwortung nehmen müssen. Als Privatperson wäre man schon lange insolvenz und zum Scheiterhaufen verurteilt. Ein Leben lang abgestempelt.

  • Peter H. am 19.07.2018 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach tragisch

    Ich hoffe Microsoft wird gleich enden wie OVS. Das ist auch ein Saftladen ohne Ende. Leid tun mir die Angestellten. Viel Glück bei der suche.