Konkurs

26. Juni 2018 07:58; Akt: 26.06.2018 10:16 Print

Alle OVS-Mitarbeiter erhalten heute Kündigung

Der in Geldnot steckende Kleiderhändler OVS ist in der Schweiz definitiv am Ende: Alle Mitarbeiter haben am Dienstag die Kündigung im Briefkasten.

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Die insolvente Modekette Charles Vögele Austria hat einen neuen Investor gefunden. Sie wird vom deutschen Finanzberater und Sanierer GA Europe übernommen. Ein Viertel der insgesamt rund 100 Filialen sollen geschlossen werden. Charles Vögele Austria beschäftigte zuletzt noch über 700 Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte Ende Juli Insolvenz erklären müssen, nachdem der Mutterkonzern Sempione Fashion in Geldnot geriet, den Neustart von Charles Vögele in der Schweiz unter der italienischen Marke OVS als gescheitert erklärte und Konkurs anmeldete Im Juni war klar: OVS ist in der Schweiz am Ende. Alle Mitarbeiter wurden bis Ende Juni entlassen. Die Massenentlassung hatte das Unternehmen ihnen bereits per eingeschriebenem Brief angekündigt. Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht. Die Marke OVS habe sich nicht wie gewünscht am Schweizer Markt positioniert. Die anhaltend ungenügenden Umsätze hätten daher zu massiven finanziellen Engpässen geführt, so das Unternehmen. Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert. Damals schrieb Vögele rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich. Stefano Beraldo, der CEO von OVS, sagte bei der Übernahme aber, er werde das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wolle in der Schweiz zum Marktführer werden. Stattdessen steht der Händler hierzulande jetzt vor dem Aus. OVS dürfte den Schweizer Markt unterschätzt haben. Nur weil die Markenvielfalt kleiner sei als in den umliegenden Ländern, dürfe man nicht auf ein weniger umkämpftes Umfeld schliessen, sagt CS-Analyst Sascha Jucker zu 20 Minuten. Für ein schwächelndes Unternehmen ist es zudem schwer, in einem gesättigten Markt wieder zu wachsen. Und der Schweizer Markt war schon vor der OVS-Übernahme weitgehend gesättigt. Das Unternehmen soll laut Medienberichten im April Vermieter seiner Filialen kontaktiert und teils massive Reduktionen gefordert haben. Es scheint, als hätte OVS den teuren Standort Schweiz unterschätzt. Auch der Wechsel vom Namen Vögele zu OVS war riskant: «Ein Rebranding birgt immer das Risiko in sich, dass mehr Stammkunden der alten Marke zur Konkurrenz abwandern, als dass Neukunden gewonnen werden können», erklärt CS-Experte Jucker. Um OVS war es in der Schweiz in Sachen Werbepräsenz relativ ruhig. Charles Vögele warb früher mit prominenten Markenbotschaftern wie Penélope Cruz ... ... und Til Schweiger. Zwar half das nicht direkt gegen die roten Zahlen, immerhin dürfte heute aber vielen der Name Charles Vögele noch geläufiger sein als OVS. OVS hatte es bereits 2000 in der Schweiz versucht. Das Unternehmen, das damals noch Oviesse hiess, zog sich wenige Jahre später aber wieder aus dem Land zurück. Weniger als zwei Jahre sind seit der Übernahme durch OVS vergangen – die vollständige Umstellung von Vögele auf OVS dauerte bis Ende 2017. Das sei normalerweise nicht genug Zeit, um einen Händler wie Vögele aus den roten Zahlen zu hieven, sagt Jucker dazu.

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Es gebe bedauerlicherweise keine Möglichkeit, das Unternehmen in der jetzigen Form weiterzuführen, schreibt die Charles-Vögele-Nachfolgerin am Dienstag in einer Mitteilung an die Angestellten. Seit Anfang Juni steckt Sempione Fashion, die die OVS-Läden in der Schweiz betreibt, in Nachlassstundung. Am heutigen Dienstag haben alle Mitarbeitenden einen eingeschriebenen Kündigungsbrief erhalten.

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Die normalen Kündigungsfristen gelten in einem Konkursfall nicht unbedingt. Die rund 1200 Mitarbeitenden können durch den Konkursverwalter gestaffelt frei gestellt werden, je nach dem, wann die einzelnen Filialen geschlossen werden.

Das Konsultationsverfahren mit den Sozialpartnern war schon eingeleitet worden. Die Frist für die Einreichung von Vorschlägen ist vor knapp einer Woche abgelaufen. Die OVS-Direktion habe eine Verlängerung abgelehnt, schrieb die Gewerkschaft Unia letzte Woche in einer Mitteilung. Die Mitarbeitenden hätten eine Reihe von Vorschlägen und dringenden Forderungen bei der OVS-Leitung eingegeben und verlangten einen Sozialplan.

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Unia schrieb von «unhaltbaren Zuständen», unter denen die Mitarbeitenden arbeiten müssten: Unterbesetzung, fehlendes Material, abgeschaltete Klimaanlage, mangelnde Planung und unklare Anweisungen gehörten zu ihrem Alltag.

Gespräche mit potentiellen Interessenten

In der internen Mitteilung schreibt Sempione Fashion nun, das Management sei bestrebt, wenn immer möglich Lösungen für die Belegschaft zu finden. Es würden dafür diverse Gespräche mit potentiellen Interessenten geführt. Zudem hätten diverse Schweizer Detailhändler Interesse an qualifiziertem Verkaufspersonal angemeldet.

Die Unternehmensleitung will den Mitarbeitern zeitnah ein Zwischenzeugnis beziehungsweise Abschlusszeugnis ausstellen. Auch Wünschen nach einem frühzeitigen Abgang würden möglichst entsprochen, «sofern der weitere Geschäftsbetrieb sichergestellt ist.» Laut Angaben von Anfang Juni beschäftigt Sempione Fashion 1'200 Mitarbeitende.

(kko/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.N. am 26.06.2018 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kopf hoch!

    Ich wünsche allen entlassenen Mitarbeiter/innen viel Kraft und baldmöglichst wieder eine neue Stelle.

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  • Heidi am 26.06.2018 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz im Ernst

    mit dieser "Mode" reisst man ja auch niemanden vom Stuhl.... war ja NOCH schlimmer als Vögele. Aber ja: um die Mitarbeiter tut es mir echt leid.

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  • Peter am 26.06.2018 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Das Management

    wird wohl in erster Linie dazu schauen seine eigenen Profite ins trockene zu bringen, die Mitarbeiter und der en Schicksale sind da schon längst egal. Und Ende der Woche kann dann die Allgemeinheit weiter für diese Leute aufkommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rinaxo am 01.07.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch Meldung

    Die Medien haben erzählt/geschrieben das alle unsere Läden am 30. Juni schliessen, dies ist falsch! wir haben noch geöffnet und ab Montag ist alles um 70% reduziert jedoch wissen wir noch nicht wann wir schliessen! ich habe aber schon einen neuen Job :) ciao ovs!!! #stronzo #ciao

  • Geronimo99 am 27.06.2018 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Jeder der mitarbeiter tut mir leid!!!!

  • Unbekannt am 27.06.2018 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ovs

    Ich habe bei ovs gearbeitet.ich habe aber bereits in der umbauphase gemerkt das sich das unternehmen langfristig nicht auf dem schweizermarkt behaupten kann.das Management war sehr kaotisch und unorganisiert.die mitarbeiter wurden gar nicht vorbereitet und eingearbeitet.und das lässt der markt nicht ohne konsequenzen.ovs soll jetzt verantwortung übernehmen.

    • Manu J. am 29.06.2018 00:26 Report Diesen Beitrag melden

      Bestätigt !

      Jup, irgendwie fällt doch am Ende ALLES was noch nie so ganz funktionierte

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  • kalauer am 27.06.2018 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ferien

    Wieso gehen die nicht gleich? Die können doch sicher Ferien einziehen!

  • .. am 26.06.2018 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mitgefühl

    Für alle Mitarbeitenden von OVS tut es mir wahnsinnig leid und ich hoffe, dass sie bald eine für sie passende Ersatzanstellung finden. Was ich nicht verstehen kann ist, dass Sempione die Vögele-Gruppe kaufen konnte, obwohl die finanzielle Lage von Sempione wohl nicht wirklich toll war! Und ich frage mich, was da bei der Übernahme schiefgelaufen ist!!??

    • Manu J. am 29.06.2018 00:29 Report Diesen Beitrag melden

      Jup, so nen Schmarrn !

      WIR ALLE !!!! ;) Die Geschäftsleitung mir allerdings nicht! Die sollen mit ihrer Fahrlässigkeit vor die Hunde gehen

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