Schrumpfkurs

27. März 2018 05:41; Akt: 27.03.2018 11:50 Print

Was der Alpiq-Ausverkauf für die Steuerzahler heisst

von Dominic Benz - Der angeschlagene Konzern will sich mit dem Verkauf einer Sparte retten. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Der Schweizer Energiekonzern Alpiq trennt sich von seinem Industriegeschäft und verkauft die Gebäudetechnik-Tochter Alpiq Intec und die deutsche Kraftanlagen Gruppe für 850 Millionen Franken. Abnehmer ist der französische Baukonzern Bouygues. 20 Minuten hat die wichtigsten Fragen rund um den Deal zusammengestellt.

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Was halten Sie vom Sparten-Verkauf von Alpiq?

• Warum verkauft Alpiq das Geschäft?
Laut eigenen Angaben gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen fehlen dem Konzern die finanziellen Mittel, um das Geschäft weiterzuentwickeln. Zum anderen will der Konzern mit dem Schritt das Kerngeschäft mit der Stromproduktion in der Schweiz sowie die internationalen Aktivitäten mit Kraftwerken, erneuerbaren Energien und Energiehandel stärken.

• Wer ist der Käufer?
Die Geschäftsteile von Alpiq übernimmt der französische Baukonzern Bouygues. Er setzte im letzten Jahr umgerechnet rund 40 Milliarden Franken um und beschäftigt etwa 115'000 Mitarbeiter. 1280 Angestellte arbeiten bei Bouygues Energies & Services in der Schweiz. Mit dem Zukauf wird Bouygues hierzulande mit einem Schlag zur Nummer eins in der Gebäudetechnik.

• Ist der Verkauf die Rettung von Alpiq?
Der Konzern war stark verschuldet und stand zuletzt mit 700 Millionen Franken in der Kreide. Das ändert sich jetzt. «Der Konzern hat dringend Geld gebraucht und steht nun finanziell deutlich besser da», sagt ZKB-Energieexperte Sven Bucher auf Anfrage. Alpiq hatte jüngst vergeblich versucht, sein Wasserkraftportfolio zu verkaufen. Daher stand der Konzern unter Zugzwang. «Alpiq musste etwa verkaufen, um die Schulden zu reduzieren», so Bucher. Auch an der Börse kam der Schritt gut an. Die Aktien von Alpiq notierten am Montag teilweise rund acht Prozent im Plus.

• Was sagen die Kritiker?
«Der Verkauf ist eine logische Folge der Fehler aus der Vergangenheit», sagt Felix Nipkow von der Schweizerischen Energie-Stiftung SES. Alpiq habe zu lange an der Atomenergie festgehalten. «Man hat den Ausbau von erneuerbaren Energien verschlafen», so Nipkow. Nun kriege Alpiq die teuren AKW und die Wasserkraftwerke nicht mehr los. «Das hat zusammen mit der Verschuldung nach Geld gerufen.» Wie «Handelszeitung»-Stromexperte Sven Millischer in einem Kommentar schreibt, ist der Verkauf «das letzte Kapitel dieses wirtschaftlichen Trauerspiels». Vom einstigen Stromriesen mit Umsätzen und Gewinnen in Milliardenhöhe sei nur noch ein «kümmerlicher Rest» übrig.

• Was passiert mit den Angestellten?
Vom Verkauf sind 7650 Mitarbeitende betroffen. Bei Alpiq selber verbleiben noch rund 1300. Sven Bucher von der ZKB rechnet nicht mit einem grossen Stellenabbau. «Für die Angestellten ist der Verkauf wahrscheinlich besser», sagt er. Sie seien nun einem neuen Gebilde angeschlossen, das sich weiterentwickeln könne. Zudem sei die Unsicherheit weg. Alpiq sagt auf Anfrage: «Langfristig muss die Frage von der neuen Eigentümerin beantwortet werden.»

• Wohin fliesst jetzt der Erlös?
Das Neugeld soll laut Alpiq für den Abbau der Schulden gebraucht werden. «Wenn wir die Mittel erhalten haben, entscheiden wir je nach Kapitalmarktsituation über eine allfällige Refinanzierung oder Tilgung von Verbindlichkeiten», teilte der Konzern mit.

• Was bedeutet das für den Steuerzahler?
Alpig gehört zum grössten Teil dem französische Staatskonzern EDF, dem Finanzinvestor Martin Ebner und Schweizer Kantonen. Zu den Aktionären gehören etwa Solothurn, Freiburg, Waadt, Zug, Bern, Wallis und diverse Gemeinden. Sie könnten beispielsweise von einer Dividende profitieren, was auch dem Steuerzahler zugute käme. Eine Dividende soll es aber auch in diesem Jahr nicht geben. «Es wäre sicher der falsche Moment, jetzt Geld auszuschütten», sagt Nipkow von der SES. Mit der Tilgung der Schulden könnte immerhin eine Dividende wieder in die Nähe rücken.

• Was bedeutet das für die Zukunft von Alpiq?
Alpiq ist mit dem Verkauf jetzt praktisch ein reiner Stromkonzern. Doch der Verkauf von Strom ist wegen der tiefen Preise ein Verlustgeschäft (siehe Box). «Alpiq ist jetzt abhängiger von der Entwicklung der Strompreise. Diese sind jüngst aber auf tiefem Niveau deutlich angestiegen», sagt Sven Bucher. Der Konzern bleibt hohen Risiken ausgesetzt. Erst wenn die Preise weiter steigen, kann Alpiq auch wieder Geld mit Strom verdienen. Kommt dazu, dass der Konzern weiter auf den AKW sitzt. Deren Unterhalt ist teuer. Zudem wird Geld benötigt, um den Rückbau dieser Kraftwerke voranzutreiben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Genialdilletant am 27.03.2018 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Besser wie die Bauern

    Der Strom ist zu Billig? Ich bezahle immer mehr und habe von dem Billigstrom noch nie etwas gesehen. Da füllen sich irgendwo Taschen. Weiss einer wo?

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  • Otto am 27.03.2018 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es nervt

    Zuerst schlägt die Alpiq mit Geld um sich und wenn dann die grossen Absahner nicht mehr gleichviele Millionen kriegen geht schon das geheul los. Die sollen sich mal zurücknehmen und auf Wirtschaftlichkeit und nicht auf Abzocke srbeiten.

  • Pessimist am 27.03.2018 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Auswegslose Situation

    Ich lasse mich überraschen, wie Alpiq in 10 bis 30 Jahren den Rückbau ihrwe AKWs finanzieren will. Aus heutiger Sicht kostet das pro AKW 2 Milliarden in Deutschland. In der Schweiz und in 10 Jahren könnte das gut und gerne doppelt so teuer werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 28.03.2018 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrumpfen

    Das ist das Anfang von Ende

  • Peter Huber am 28.03.2018 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hexerei

    Und ich habe immer geglaubt, Anna Göldi sei die letzte Hexe in der Schweiz gewesen. Irrtum!

  • noldi am 28.03.2018 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenpower

    Verkaufen damit genug geld fuer bonus zahlungen da ist. Ziel erreicht.

  • Schluckspecht am 27.03.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Es drängen sich Fragen auf.

    Das Neugeld soll laut Alpiq für den Abbau der Schulden gebraucht werden. Man lasse diese Aussuge auf sich wirken und kommt so zur zentralen Frage: Wieviel Schulden hat Alpiq beim Management? Wird, wenn sich da jeder bedient hat, noch etwas übrigbleiben? Oder wird jetzt verkauft und verkauft, bis der ganze Zaster umgelagert ist? Ich finde, wenn ein Unternehmen sich so retten muss, dann hat das Management Misswirtschaft betrieben und sollte subito zum Teufel gejagt werden. Nur - eine Krähe hackt der andern kein Auge aus.

  • Pagenschnitt am 27.03.2018 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    eieieiei

    ein voll Erfolg für den Frauenanteil in der CEO position. Schuldig sind die die einer solchen Person die chance geben sich in so einer position zu verwirklichen.