Knappheit

25. März 2019 03:25; Akt: 25.03.2019 03:25 Print

Alpiq-Chef sieht Risiko von Blackout steigen

Jens Alder kritisiert die Schweizer Energiepolitik. Die Versorgungssicherheit des Landes sei gefährdet, sagt er in einem Interview.

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Import ohne gleichberechtigten Zugang zur europäischen Strombörse hält der Alpiq-Verwaltungsratspräsident und CEO, Jens Alder, für «hochriskant», wie er im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Montag sagte. «Wir fahren eine Importstrategie mit Ländern, die im Winter auch zu Nettoimporteuren werden. Das geht hinten und vorne nicht auf.»

Wenn man eine Importstrategie fahre, müsse dies in einem Staatsvertrag geregelt sein. Das Stromabkommen sei wegen des fehlenden Rahmenabkommens aber blockiert. «Die Versorgungssicherheit der Schweiz ist ohne Stromabkommen nicht mehr gewährleistet.» Wenn man die Regulierungen der umliegenden Länder sehe, dürfe mach sich keine Illusionen machen. «Wenn es knapp wird, werden zuerst die eigenen Konsumenten versorgt und erst dann Strom ins Ausland exportiert.»

«Das Risiko eines Blackouts ist klar gestiegen und wird in den kommenden Jahren weiter steigen», sagte Alder. Wenn Deutschland alle AKW abgestellt habe und anfange, aus der Kohle auszusteigen, würden grosse Kapazitäten wegfallen. Man könne sich gut vorstellen, dass es wie vor zwei Jahren einen kalten Winter gebe, dass in der Schweiz ein oder zwei AKW ausfielen und gleichzeitig auch in Frankreich mehrere stillstehen würden. «Für solche Konstellationen haben wir keine Lösung.»

Bau von Gaskraftwerken «uninteressant»

Als Schweizer Staatsbürger mache er sich Sorgen, sagte Alder. Als Chef der Alpiq mache ihm das aber weniger aus, denn Verknappung bedeute steigende Preise.

Am Bau von Gaskraftwerken als Kompensation für den Wegfall der Kernkraft hat Alpiq laut Alder derzeit kein Interesse. «Unter dem heutigen Regulierungsregime ist Stromproduktion in der Schweiz unternehmerisch uninteressant, auch Gaskraftwerke. Solche Abenteuer gehen wir nicht ein.»

Alder forderte die Landesregierung auf, bei der Liberalisierung des Energiemarktes vorwärts zu machen. «Der Bundesrat muss dafür sorgen, dass es sich in der Schweiz wieder lohnt, mit privatem Kapital in Produktionskapazität für Strom zu investieren.» Die volle Marktöffnung, die zurückgetretene CVP-Energieministerin Doris Leuthard im Herbst eingeleitet habe, sei ein wichtiges Element dazu. Der Bundesrat müsse sie vorantreiben.

Der frühere Swisscom-Präsident Jens Alder ist seit 2015 Verwaltungsratspräsident bei Alpiq. Anfang Jahr übernahm der Elektroingenieur zudem die operative Führung im Unternehmen. Alpiq produziert rund einen Fünftel des inländischen Stromverbrauchs.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • V8-Fahrer am 25.03.2019 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektroautos ohne Strom?

    Woher soll denn der Strom für die Elektroautos kommen, die wir bald nur noch fahren sollen?

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  • Dr Waggis am 25.03.2019 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War vorauszusehen

    Die Auswirkungen der Energiewende und der CO2 Hysterie machen sich langsam bemerkbar.

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  • Pegasus77 am 25.03.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch...

    Ich teile die Meinung, das es Probleme mit der Versorgung geben wird, ich bin aber der Auffassung, dass Güter des allg. Bedarfes wie: Energie, Wasser uvm. vom Saatsaufgaben wären und NICHT privatisiert werden sollten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Trackhawk am 26.03.2019 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Was für Neuigkeiten! Dies haben wir ja schon vor Jahren gesagt, das der Atomaustieg der Schweiz die Versorgungssicherheit der Schweiz gefährdet. Deutschland steigt aus Atom und Kohle aus, niemand weiss wie die Deutschen über die Winterzeit mit wenig Wind ohne geringer Sonneneinstrahlung kommt. In der Schweiz müssen noch mehr Pumpspeicherwerke gebaut werden und der Atomausstieg muss verschoben werden. Mit und ohne Rahmenabkommen wird der Strom knapp.

  • Sack Zement am 25.03.2019 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kalte Winter?

    Nein, nein Herr Alder. Gemäss hochkompetenter Politiker sind 97% aller Klimawissenschaftler sicher , dass sich die Erde rasend erwärmt. Falls es doch mal kalt wird, liegt es an dieser Erwärmung und bestätigt somit die Aussagen der Klimaexperten

  • Strombine am 25.03.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Last euch nicht "Verseckle"

    Klartext: Der der mir den Strom verkauft sagt das es in Zukunft zu wenig hat und möchte mir so den Strom Teurer verkaufen ! Jagenau...

  • Peter Graber am 25.03.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht den Strom ?

    Was wir, die Bevölkerung, Privat an Strom brauchen, steht in keinem Verhältnis was die Wirtschaft an Strom braucht! Aber klar, für alles ist das Volk schuld mit seinen Handeln.....

  • Kritiker am 25.03.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Strom ist kein Problem,

    sondern da ist noch viel fundamentaleres: lest den ersten Abschnitt und überlegt euch was mit dem Rest der 3 Millionen Menschen geschieht die unser Land NICHT SELBST ernähren kann wenn die Grenzen zugehen oder rundherum ein Notstand ausbricht. Essen kommt LANGE LANGE vor Strom! Das Wort "Versorgungssicherheit" ist ein WITZ in diesem Land!