Der Reichste

03. Dezember 2010 16:57; Akt: 03.12.2010 17:47 Print

Alter Schwede – grosser Geizhals

von Sandro Spaeth - Der reichste Mann der Schweiz ist Ikea-Gründer Ingvar Kampard. Er ist medienscheu und gilt als äusserst sparsam. Von Ranglisten der Superreichen hält er wenig.

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(Bild: Keystone)

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Bei den Reichen lernt man sparen – diese Volksweisheit trifft bei ihm exakt ins Schwarze. Der 84-jährige Kamprad, dessen Vermögen auf 39 Milliarden Franken geschätzt wird, fährt noch immer einen alten Volvo. Kamprads Sparsamkeit ist legendär: Seiner Frau Margaretha soll er zu Weihnachten einst lediglich ein Abo der Lokalzeitung geschenkt haben und in der Migros zückt er auch bei Kleinstbeträgen stets die Cumulus-Karte. Selbst beim Bäcker in seinem Wohnort Epalinges (VD) markiert Kamprad gerne den Sparfuchs und ergattert sich gerne kurz vor Ladenschluss ein Brot zum halben Preis.

Sein Hang zu Geiz hat dem kauzigen Kamprad eine unglaubliche Karriere und den Aufstieg zu Schwedens Volksheld ermöglicht. Kamprad, ein Bauernsohn, hat sich alles von Grund auf selbst erschaffen – im Gegensatz zu beispielsweise Ernesto Bertarelli, der vor allem erbte oder zu russischen Oligarchen, die wegen undurchsichtiger Privatisierungen von Staatseigentum zu ihrem Vermögen kamen und in die Liste der 300 Reichsten aufstiegen.Im Alter von 17 Jahren startete Kamprad auf dem elterlichen Bauernhof in Schweden mit einem Versandhandel. Sein Name: IKEA – zusammengesetzt aus dem Anfangsbuchstaben seines Namen (I und K) sowie den Anfangsbuchstaben des Bauernhofs seiner Eltern, Eltramyd, und dem ersten Buchstaben des Heimatdorfes Agunnaryd.

Vom Schreibwaren- zum Möbelhändler

Der Junge Kamprad versuchte sein Glück im Versandhandel anfänglich mit Waren aller Art: von Schreibblöcken über Kugelschreiber bis zu Gemüsesamen. Erst Ende der Vierzigerjahre setzte er auf die Karte Möbel. Später entwickelte Kamprad ein Verfahren, um schwere Tische, Schränke und Stühle in handliche Kartons zu verpacken – es war die Geburt von Ikea als Möbelhaus, das heute in 38 Ländern vertreten ist.

Kamprads Möbel haben Generationen von Menschen geprägt. Millionenfach stehen sie in aller Welt, das Klippan-Sofa oder das bekannte Billy-Regal, welches die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg sogar für einen internationalen Kaufkraft-Index – den Billy-Index – inspirierte. Vom schlichtem Büchergestell Billy aus Spanplatten wurde bisher gegen 45 Millionen Stück verkauft.

Kratzer am Image wegen «Enthüllungsbuch»

Aktiv Einfluss aufs Möbeldesign oder die Verkaufszahlen nimmt der heute 84-Jährige nicht mehr. Bereits 1986 zog er sich offiziell aus der Konzernleitung zurück, ist aber über seine drei Söhne, die sich alle drei Jahre im Vorsitz der Geschäftsleitung abwechseln, stets mit der Chefetage verbunden. Kamprad wird bei Ikea heute als Senior Advisor geführt. Seine Tätigkeit: Er besucht an rund 30 Tagen im Jahr Ikea-Märkte in aller Welt und erkundigt sich bei den Angestellten, was der Konzern besser machen könnte.

Das Image als volksnaher Patron erlitt vor einem Jahr aber arge Kratzer. Kamprads ehemaliger persönlicher Assistent Johan Stenebo rechnete in einem Buch mit dem Titel «Die Wahrheit über Ikea» gnadenlos mit seinem Chef ab. Der Tenor: Die Ikea-Mitarbeiter würden mit Stasi-ähnlichen Methoden überwacht. Zudem habe Kamprad keine Skrupel gehabt, für die Möbelproduktion billiges Holz aus geschützten chinesischen Wäldern zu verwenden. Der Autor sah selbst in Kamprads Geiz eine Masche: Sie habe vor allem die Sparkultur im Konzern rechtfertigen sollen und die Tatsache, dass niemand wirklich viel verdient.

Rankings sind Unsinn

Kamprad nahm zu den schweren Vorwürfen im Buch gegenüber den Medien nie Stellung. Ebenso äussert sich der Ikea Gründer auch nur wortkarg zu seinem «Titel» als reichster Mann der Schweiz – letztes Mal vor vier Jahren. «Ich mag diese Rangierungen nicht und halte sie für Unsinn. Sie verwirren den Leser», sagte Kamprad in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz», das 10 Jahre lang auf einen Interviewtermin mit dem Ikea-Gründer hat warten müssen.