Autokauf im Web

20. Februar 2020 04:49; Akt: 20.02.2020 04:49 Print

Garagisten zittern vor Online-Autohandel

von F. Pöschl - Der grösste Schweizer Autohändler Amag lanciert einen Onlineshop. Die kleinen Garagen befürchten Verdrängung.

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Der grösste Autohändler der Schweiz steigt ins Onlinegeschäft ein. Anfang März eröffnet Amag Retail im Zuge eines Relaunchs der Webseite ein Onlineverkaufsportal. Mit den Amag-Marken VW, Audi, Seat und Skoda kommen auf einen Schlag einige der meistverkauften Brands in der Schweiz ins Web. Der Shop soll 6500 Lagerfahrzeuge, Vorführwagen und auch Occasionen bieten.

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Der Onlineshop des Branchenriesen provoziert Reaktionen. Zwar halten sich die meisten angefragten Autohändler bedeckt, manche scheinen eingeschüchtert vor dem Grosshändler. Ein Garagist, der anonym bleiben will, befürchtet eine Verdrängung der kleinen Anbieter. Er sagt aber auch, dass Erfolg von Philosophie und Mitarbeitern eines Unternehmens abhängt und nicht vom Onlineshop. Ein weiterer Händler sagt: «Schlechter kann es uns ohnehin nicht mehr gehen, die Marge ist schon jetzt kaputt.»

«Das Auto ist emotional»
Einige Garagisten glauben, dass die Amag mit dem eigenen Onlineshop in erster Linie unabhängiger von Plattformen wie Autoscout werden will. Die meisten glauben ohnehin nicht an den Onlinetrend beim Autokauf. «Das Auto ist emotional, das wollen Kunden in der Schweiz vor dem Kauf sehen und riechen», sagt ein Händler, der anonym bleiben möchte. Modelle ab Stange könnten Kunden problemlos online kaufen, doch sobald sie Anpassungen wünschten, werde es online zu komplex.

Markus Aegerter, Geschäftsleiter des Autogewerbeverbands AGVS, sieht den Schritt von Amag positiv: «Ich finde es gut, dass Amag mit dem Onlineshop einen zusätzlichen Verkaufskanal ausprobiert.» Es gebe Händler, die Respekt vor Amags Shop hätten. Aegerter sagt aber auch, dass die grosse Mehrheit der Schweizer Kunden sehr treu zu ihrem Garagisten ist. Auch der Verband freier Autohandel Schweiz VFAS «begrüsst die Onlinekonkurrenz, die das Geschäft belebt». Der Schweizer Händlerverband der Volkswagen-Konzernmarken hofft, von den Erfahrungen, die Amag mit dem Onlineshop macht, profitieren zu können.

Bequeme Alternative zum stationären Handel

Die Amag will mit dem Onlineshop laut Sprecher Dino Graf eine zusätzliche, bequeme Alternative zum klassischen Handel anbieten. Der ganze Kaufprozess soll sich online abwickeln lassen, das Auto soll fixfertig zu Hause eintreffen.

Doch der Shop ist auch ein Risiko für Amag. Bisher kaufen Kunden in der Schweiz neue Autos bevorzugt beim Autohändler vor Ort. Der Onlineanteil am Neuwagenverkauf betrug im vergangenen Jahr nur knapp 2 Prozent, wofür vor allem Tesla verantwortlich zeichnet. Der US-Hersteller verkauft seine Autos nur online. Auf das Nachfragepotenzial angesprochen verweist Graf auf den Onlinetrend beim Autokauf in den USA und Asien.

Online ist nicht mehr wegzudenken

Der deutsche Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen glaubt an den Autoverkauf im Internet. «Online ist nicht mehr wegzudenken und im Gebrauchtwagenhandel schon heute Standard», sagt Dudenhöffer. Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssten Autohändler ihr Vertriebsmodell neu definieren. Sie sollen stärker auf Werkstattdienste setzen. Denn die Konkurrenz wird laut Dudenhöffer noch grösser: «Grosse Unternehmen wie Amazon werden auch in den Autovertrieb einsteigen.»

Um online erfolgreich Autos zu verkaufen, muss das Angebot laut dem Experten günstiger als im stationären Handel sein. Weil online kaum Personal etc. nötig ist, wären deutlich tiefere Preise möglich. Dudenhöffer schätzt, dass Autohändler mit etwa 17 Prozent Marge arbeiten. 10 Prozent Marge bräuchten sie, um die Kosten im stationären Handel zu decken, online bräuchten sie nur 2 Prozent. Ob der Amag-Onlineshop günstiger als der stationäre Handel sein wird, beantwortete Amag-Sprecher Graf nicht.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Macht nur so weiter, den Partner sucht man ja auch schon übers Internet. Die Welt wird immer oberflächiger und der gesunde Menschenverstand geht verloren. – Salvi

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mimmi am 20.02.2020 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Direkt im Ausland bestellen

    Wenn ich mir das Fahrzeug schon online bestelle um Geld zu sparen, dann mach ich das bestimmt nicht in der Schweiz, sondern direkt im Ausland, dann spare ich direkt etwa 40%. Die Zollpapiere sind heute keine Hexerei mehr! Und da ich meine Autos Bar bezahle ist das such kein Problem. Mein Volvo hat onöine in Schweden bestellt die Hälfte gekostet!! Und das mit besserer Ausstattung!! Denn damit ist ein höherer Preis in der CH nicht mehr gerechtfertigy!!

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  • Heinz am 20.02.2020 05:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kaufe nie ein Fahrzeug in der Schweiz!

    Ich kaufe meine neuen Autos nur noch über meinen Garagisten via direkt Import durch ihn selber. Er verdient so daran und beim letzten Wagen habe ich 10000 Fr. eingespart. Garantie ist übrigens in der Schweiz genauso gewährleistet wie bei einem normalen Kauf! Jetzt überlegt mal wer die 10000 Fr. Einkassiert!

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  • Corvette am 20.02.2020 05:46 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Wir können ja alles über die Online-Portale kaufen und bestellen. Aber bitte schön, soll doch jeder mal daran denken das auch Job und Familie bei einer Garage, Detailisten, Kaufhäuser und'' Tante Emma Laden'' damit verbunden sind. Was machen all jene wenn ihre Jobs wegrationalisiert sind????? Nur weil jeder beim Online-Handel etwas Geld sparen kann!!! Bitte nicht immer alles über Online. Denkt doch bitte auch mal an die, die damit Ihre tägliche Brötchen verdienen. Danke

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Die neusten Leser-Kommentare

  • p.burri am 21.02.2020 23:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regional

    Mein Auto kaufe ich stets beim Garagisten im Dorf. Leben und leben lassen

  • Peter am 20.02.2020 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verarschung

    Mein Auto bei der Amag online kaufen?dann kann ich mein Geld auch zum Fenster rauswerfen bescheissen kann ich mich selber!

  • Cavi33 am 20.02.2020 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles viel zu teuer

    Das Auto zuerst Probefahren , wo ist denn da das Problem. Das kann man ganz einfach bei der Garage machen und nachher online bestellen. Sofern man keines eintauschen will, ansonsten wird es doch etwas komplizierter. Wenn ich den Stundensatz bei meiner Garage sehe kommt es mir vor wie beim Rechtsanwalt.

    • Nik Titanik am 21.02.2020 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cavi33

      Findest du das in ordnung, probefahren und dann online kaufen, der berater hat sich mühe gegeben und das beste gemacht. Verliert evtl. Potenzielle Kunden wegen dir und hat keinen Rappen verdient. Was machst du wenn du probleme hast mit dem Auto, an wenn wendest du dich dann bitte. Der Verkäufer merkt,du hast ihn Hintergangen. Meinst du im allem ernst er wird dich herzlich und Ehrlich beraten und Helfen dann. Online Handel ist ok für kleine Sachen und Gegenstände. Ein Auto,Motorrad, Fahrrad oder Haushaltsgerätezu kaufen ist ein Risiko für den Kunden. Vorallem wenn es um Problem behebung geht.

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  • Ben am 20.02.2020 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer glaubt den Quatsch?

    Alles nur ein Marketing Gag von Amag. Diese Restposten wurden auch vorher schon im Netz angeboten

  • direkt bezogen werden. am 20.02.2020 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VW, Audi usw. können nicht von Garagisten

    Autohändler? Generalimporteur wäre die richtige Bezeichnung.