Deutschland

29. November 2019 08:00; Akt: 29.11.2019 08:00 Print

Amazon-Angestellte streiken am Black Friday

Bis und mit Cyber Montag legen Beschäftigte des Online-Versandhändlers ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaft Verdi kämpft um einen Tarifvertrag.

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Amazon-Beschäftigte in Deutschland streiken – ausgerechnet an den wohl umsatzstärksten Tagen des Jahres – von Black Friday bis Cyber Monday. Die Gewerkschaft Verdi kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. Der Onlineriese Amazon weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets zurück und bezeichnet sich als «fairen Arbeitgeber». Detailhändler müssen einiges unternehmen, damit der Black Friday zu ihrem umsatzstärksten Tag wird: Die Planung für den Black Friday beginnt für die Händler nicht erst ein paar Wochen vor dem Event. Sie kaufen bei den Herstellern im Voraus Produkte in grossen Quantitäten ein, um selber von Rabatten profitieren zu können. In den vergangenen Jahren sind bei den Händlern rund um den Black Friday immer wieder Websites zusammengebrochen, weil sie dem plötzlichen Ansturm der Schnäppchenjäger nicht gewachsen waren. Damit das nicht mehr passiert, fahren die Händler vor dem Black Friday ihre Serverkapazität hoch. Händler wie Manor, Interdiscount und Galaxus bestätigen gegenüber 20 Minuten, dass rund um den Black Friday mehr Personal im Einsatz steht. Dieses wird beispielsweise in den Lagern oder im Verkauf eingesetzt. Die Besetzung sei oft ähnlich wie an einem Samstag. Seit der Black Friday 2015 das erste Mal in der Schweiz von ein paar wenigen Händlern ausgerufen wurde, ist viel geschehen: «Heute beteiligen sich Hinz und Kunz am Black Friday: vom Coiffeursalon bis zum Schönheitsdoktor. Ohne eigene Werbung hat eine Firma nur geringe Chancen, wahrgenommen zu werden», sagt Retail-Experte Julian Zrotz von Blackfridaydeals.ch. Manche Läden und Shoppingcenter lassen ihre Türen am Black Friday länger offen. So schliesst das Shoppi Tivoli am 29. November erst um 22 Uhr statt wie sonst am Freitag um 20 Uhr. Die grosse Rabattschlacht am Black Friday steht kurz bevor. Laut Schätzungen von Blackfridaydeals.ch dürften Schweizer Händler innert 24 Stunden einen Umsatz von 450 Millionen Franken erzielen. Eigentlich gilt der Black Friday als Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Dieses Jahr lancierte aber bereits der Singles' Day am 11. November den Weihnachtsverkauf in der Schweiz. Firmen bieten nicht nur Deals auf typische Produkte wie Fernseher oder Kleider, sondern auch zunehmend Abos und Dienstleistungen. Sogar beim Coiffeur gibts Black-Friday-Rabatt. Die Zahl der Geschäfte, die zum Black Friday spezielle Deals machen, steigt immer weiter. Sogar Globus ist dabei, obwohl die Firma dem Black Friday gegenüber bisher eher skeptisch war. Der Anteil an Onlinekäufen am Black Friday dürfte in der Schweiz mit einem Umsatz von 95 Millionen Franken bei über 20 Prozent liegen. Konsumenten sparen auf den Black Friday hin, wie Julian Zrotz von Blackfridaydeals.ch zu 20 Minuten sagt: «Das Interesse am Black Friday ist bereits im Vorfeld riesig.» Schweizer können am Black Friday auch direkt von Rabatten in den USA profitieren: Die US-Firma Big Apple Buddy ermöglicht es Online-Shoppern, bei Händlern aus dem Heimatland des Black Friday zu bestellen. Die Spezialangebote von Black Friday und Singles' Day klingen manchmal besser, als sie in Wirklichkeit sind. Der Black Friday ist eine US-Tradition. Inzwischen etabliert sich das Phänomen auch in der Schweiz. In den USA warten die Kunden oft schon um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden auf die Öffnung der Geschäfte, um das beste Schnäppchen zu ergattern. Teilweise harren sie dabei auch in der Kälte aus ... ... und freuen sich dann, wenn sie zum Beispiel einen günstigen Fernseher abstauben können.

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Am Schnäppchentag Black Friday streiken Amazon-Beschäftigte an allen Standorten in Deutschland für einen Tarifvertrag. Die mehrtägigen Streiks hätten in der Nacht zum Freitag begonnen, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit.

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Betroffen seien die Standorte Leipzig in Sachsen, Bad Hersfeld in Hessen, Koblenz in Rheinland-Pfalz, Rheinberg und Werne in Nordrhein-Westfalen und Graben in Bayern.
Gute Arbeit sei nicht «zu Schleuderpreisen zu haben», erklärte Verdi. Die Beschäftigten forderten einen Tarifvertrag für «existenzsichernde Löhne und gute und gesunde Arbeit». Die Streiks dauern bis einschliesslich Cyber Monday, einem weiteren Rabattaktionstag.

Amazon weist Vorwürfe zurück

Die Gewerkschaft Verdi kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden.

Der Onlineriese Amazon weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets zurück und bezeichnet sich als «fairen Arbeitgeber». «Wir bezahlen am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist und überprüfen jährlich unsere Löhne», erklärt das Unternehmen. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Zusatzleistungen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rohni7 am 29.11.2019 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so

    Richtig so. Diese Ausbeuterei durch Unternehmungen muss endlich ein ende haben. Für jede 100% Tätigkeit sind Löhne zu bezahlen, wo man davon Leben kann ohne dass der Staat Zuschüsse zahlen muss. Und mir ist es egal, um welche Jobs es sich handelt. Genau mit solchen Aktionen lernen es die Manager und Grossaktionäre.

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  • Chusik am 29.11.2019 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Fairer Arbeitgeber"

    Da musste ich kurz lachen.

  • Bettydotty am 29.11.2019 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es fehlt die

    Antwort kaufe nur was ich wirklich brauche und das nicht bei Amazon..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • holderer am 30.11.2019 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Umschreibung

    der Löhne.Fantasie kommt nie zu kurz bei den Senkrechtstartern/Mrd.-Abschöpfern.Eigentlich sollte jedem bewusst sein,bei solchen Machenschaften dass seine tollen Schnäppchen die Sozialwerke belastet,die er hintenrum mitfinanzieren muss.Den Streik find ich zeitlich gut gewählt,fehlt nur noch das überrannte Ladenpersonal.

  • Dietmar Nigsch am 29.11.2019 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechner

    Brauche überhaupt kein Black Friday , der Handel soll endlich Korrekt werden , nicht immer 200% Gewinn und 50% mit 50% Rabatt blenden

  • Blerim am 29.11.2019 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Super! Kann ich nur unterstützen! Der Chef kassiert Milliarden und die Angestellten schuften für einen Hungerlohn! Darum bestell ich nie dort!

  • Herrmann am 29.11.2019 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Niemand wird gezwungen, unter dem Preis arbeiten zu gehen. Wenn die Arbeitgeber keine Lohnsklaven mehr finden können, müssen sie die Löhne anheben. So einfach ist das. Aber Nein - Chef, ich mache es billiger, Chef. Selber schuld.

    • JJ. Fad am 30.11.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      Traurig aber war

      Sie können auswählen zwischen Dumpinglöhne oder Harz 4.

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  • S@m.W am 29.11.2019 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Das finde ich eine tolle Entscheidung