Abhörung

12. April 2019 09:10; Akt: 12.04.2019 09:10 Print

Jetzt hats Alexa auch für die Konkurrenz verdorben

von R. Knecht - Bei Alexa hören teils Amazon-Mitarbeiter mit. Das dürfte allen Anbietern von Smart Assistants künftig das Leben noch schwerer machen.

Beim Amazon Echo hören auch Amazon-Mitarbeiter zu. (Video: 20M)
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Was viele befürchteten, hat sich bewahrheitet: Bei Amazons digitaler Assistentin Alexa hören auch Menschen mit. Um der künstlichen Assistentin beim Lernen zu helfen, wird ein Teil der Sprachaufnahmen an Amazon-Mitarbeiter weitergeleitet, die das Gesagte dann mittippen.

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Beim Gehörten handelt es sich aber nicht nur um Sprachbefehle: Einige Mitarbeiter berichten, Aufzeichnungen von Duschgesang und sogar sexueller Gewalt abgehört zu haben. «Früher hatte man Angst, Wanzen im Haus zu haben, heute kauft man sich die Dinger ein», kommentiert ein 20-Minuten-Leser die Enthüllung.

Vertrauensbruch

Amazon bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass die Firma Aufzeichnungen abhören lässt. Ein Sprecher betont aber, dass es sich nur um «extrem kleine Mengen» handle und die Daten anonymisiert seien.

Aus Konsumentensicht sei das aber egal, sagt Ralf Beyeler, Digitalexperte vom Preisvergleichsdienst Moneyland, zu 20 Minuten. Tatsache sei, dass Menschen mitgehört haben, und das sei ein Vertrauensbruch: «Für die meisten Menschen ist es schrecklich, sich vorstellen zu müssen, dass in der Wohnung geführte, darunter auch persönliche und intime Gespräche mitgehört werden.»

Auch Konkurrenten in Mitleidenschaft gezogen

Die Enthüllung dürfte nicht nur für Amazons Smart-Assistenten einen Image-Schaden zur Folge haben. Nicht einmal Konkurrenten profitieren – Beyeler rechnet damit, dass die ganze Branche künftig Schwierigkeiten haben dürfte, im gleichen Masse wie bisher derartige Geräte zu verkaufen: «Die Smart Assistants dürften jetzt noch schlechter laufen als bisher.»

Die Geräte hätten jetzt schon Schwierigkeiten, sich auf dem Markt zu etablieren: «Viele Konsumenten wissen gar nicht, was sie mit einem Smart Assistant anfangen sollen.» Gerade auch im deutschsprachigen Raum dürften die Folgen laut Beyeler verheerend sein, da Deutsche und Schweizer auf solche Enthüllungen noch stärker reagierten als andere Nationalitäten.

Digitale Assistenten brauchen Lehrer

Lernende Systeme brauchen grundsätzlich manuelle Unterstützung, sagt Michael Klaas, Leiter der Fachstelle Digital Marketing an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Das sei wie beim menschlichen Lernen, wo es einen Lehrer braucht, der sagt, wie etwas richtig zu verstehen ist. «Problematisch ist aber, dass die Kunden nicht darüber informiert wurden», sagt Klaas zu 20 Minuten.

Anfragen an Apple und Google, ob die Sprachdaten ihrer Assistenten auch abgehört werden, blieben bisher unbeantwortet. In einem Security-Dossier von Apple heisst es allerdings, dass zur Verbesserung und Entwicklung von Siri Aufzeichnungen gespeichert und genutzt werden. Google schreibt in einem Q&A, dass Audio transkribiert werde. Ob das durch Menschen oder Algorithmen geschieht, ist aber unklar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Guschti Brösmeli am 12.04.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schwiegermutter in der Wohnung

    So ein Ding in der Wohnung, ist wie wenn die Schwiegermutter 24 Stunden anwesend wäre. Nein danke! Wer sowas installiert, muss nicht ganz dicht sein.

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  • Supriese am 12.04.2019 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tadaaa

    Naja überrascht sind wir alle nicht. Wäre ja nicht so das man das schon immer befürchtet hat gell.

  • LibTech am 12.04.2019 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handy

    Das war ja wohl klar. Man wird überall abgehört und Überwacht.. Das ist auch beim Handy so

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nico aus Bern am 14.04.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Recht auf freie Meinungsäusserung

    Privatssphäre ist nicht zum Schutz der mächtigen Unternehmen, Institutionen und Regierungen, Privatssphäre ist zum Schutz des verwundbaren wehrlosen Bürgers. Transparenz und Überwachung ist nicht für uns Bürger, sehr wohl aber für die mächtigen Unternehmen, unser Staat und dessen Institutionen - Zitat Julian Assange. Keine Überwachung des Bürgers. Transparenz für die Grossen. Wenn Julian fällt, fallen wir alle...............

  • Leser das Original am 13.04.2019 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind die Gedanken noch frei?

    Als die Schweiz ihre "Fichen-Affäre" hatte, hätte ich selbst in meinen "grössten Albträumen" nie gedacht, dass die "freie Menschheit" sich jehmals unter dem "Pseudo-Vorwand" der Sicherheit und Bequemlichkeit, in eine derartige und totale Überwachung und Kontrolle aller Bereiche des Lebens freiwillig begibt. Aber das sollte bereits bei der Kreditkarte allen klar sein. Wenn das System zu jederzeit jeden Kauf oder Verkauf mit Betrag, Datum, Uhrzeit und Ortschaft nachprüfen kann, dann finde ich so etwas nicht mehr "gut". Wer dann auch noch glaubt, dass dadurch die Kriminalität verunmöglicht wird, muss wirklich sehr naiv sein. Denn die "ganz bösen Buben ( und Mädchen) brauchen kein Bargeld um kriminell zu sein. Die totale Überwachung und Kontrolle, ist nur noch ein "Wimpernschlag" von der Realität entfernt.

  • grml am 13.04.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rigoros durchgreifen

    Tja, würde man endlich mal Gesetze dagegen erlassen dass mitgehört oder persönliche Infos über die Konsumenten gespeichert werden könnte man das lösen. Es ist auch stossend dass Geschäftsleitung und Verwaltungsräte nicht persönlich belangt, sondern sich hinter der Firma verstecken können. Nur wenn diese Leute enteignet und 3 Jahre in den Knast gesteckt werden für sowas wird sich was ändern.

  • Anonym am 13.04.2019 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datensammelwut

    Wer sagt eigentlich, dass FB und Whats app nicht mithören? Die haben ja auch Zugriff auf Kamera und Mikrofon. Ich glaube kaum, dass das nur die Sprachassistenten sind. Digitales Stalking und Spionage muss ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden.

  • joker92 am 13.04.2019 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mir egal

    ich nutze alexa seit 2 jahren. brauche sie fürs licht, musik und tv. als kalender für erinnerungen für die einkaufsliste und sonst so. funktioniert super und vom sofa aus das licht mit der stimme zu dimmen ist super ;-) wenn jemand hören will was ich zu sagen habe ist mir das egal. ist ja nicht so dass ich mafia treffen oder so abhalten würde?!? es ist eine nette spielerei und in der heutigen zeit mit cookies und dem ganzen personalisierten internet, was spielts da eine rolle. wir werden eh überwacht