Verletzungen und Obdachlosigkeit

31. Juli 2018 19:02; Akt: 31.07.2018 20:05 Print

Amazon erntet Kritik für Arbeitsbedingungen

von R. Knecht - Amazon soll die eigene Produktivität wichtiger sein als das Heil der Angestellten. «The Guardian» hat Arbeiterschicksale gesammelt.

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Amazon behandle die Angestellten in seinen US-Lagern sehr schlecht, schreibt «The Guardian». Eine Untersuchung der Zeitung habe ergeben, dass viele Mitarbeiter am Schluss arbeitslos, arbeitsunfähig oder sonst ohne Einkommen seien.

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Das Hauptbeispiel im Bericht ist Vickie Shannon Allen. Die 49-Jährige verletzte sich im Oktober 2017 bei der Arbeit, weil der Arbeitsplatz nicht mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet war. Die Rückenverletzung führte dazu, dass sie nicht mehr schnell genug arbeiten konnte. Sie kam weiterhin täglich zur Arbeit, wurde aber jeden Tag unbezahlt nach Hause geschickt.

Sie lebt im Auto auf dem Amazon-Parkplatz

Nach einiger Zeit sei dann die Arbeiterversicherung eingesprungen und Allen ging in die Physiotherapie. Als sie drei Monate nach ihrer Verletzung wieder zur Arbeit zurückkehrte, verletzte sie sich prompt noch einmal an der gleichen Stelle – die nötigen Sicherheitsvorkehrungen fehlten immer noch. Wegen unzähliger unbezahlter Absenzen lebt Allen mittlerweile in ihrem Auto auf dem Parkplatz vor dem Amazon-Lager. Von dort postet sie auch gelegentlich Videos auf Youtube:

Anfang Juli 2018 traf sich die Angestellte mit dem Management des Lagers. Laut dem Bericht haben die Chefs ihr einen Buy-out angeboten: Sie hätte 3500 US-Dollar erhalten und dafür nichts Negatives über Amazon sagen dürfen. Sie lehnte das Angebot ab, um über die Missstände reden zu können.

Weitere Kritik von anderen Angestellten

Allen ist nicht die Einzige mit negativen Erfahrungen. Bereits im April verklagte Bryan Hill aus dem US-Staat Florida Amazon. Die Firma soll ihn gefeuert haben, weil er sich bei der Arbeit verletzte und das zwar gemeldet, danach aber ein bestimmtes Formular für die Versicherung nicht ausgefüllt habe.

Ein weiterer Arbeiter berichtet laut «The Guardian», er sei ebenfalls kurz nach seiner Verletzung entlassen worden. Die Versicherung habe ihm nur 5 statt 26 Wochen Verletztengeld bezahlt.

Gefährlichste Arbeitsplätze in den USA

Amazons Lager gehören laut dem amerikanischen National Council for Occupational Safety and Health zu den gefährlichsten Arbeitsplätzen in den USA. Grund dafür ist laut der Organisation etwa, dass Amazon Produktivität und Effizienz mehr schätze als die Sicherheit und der Lebensunterhalt der Angestellten.

Eine Amazon-Sprecherin sagt zu 20 Minuten, Amazon halte den Bericht nicht für eine zutreffende Darstellung. Die Sicherheit der 560'000 Angestellten sei für das Unternehmen die höchste Priorität. «Wir ermutigen jeden, an einer Tour in unseren Fulfillment Centers teilzunehmen und sich selbst davon zu überzeugen», fügt die Sprecherin hinzu.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Özil am 31.07.2018 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Money - and the world is going crazy

    Nein, echt? Produktivität und Umsatz soll tatsächlich wichtiger sein, als das Wohl der Arbeitnehmenden? Das ist ja mal ganz was Neues. Dieser Missstand ist übrigens eher die Regel, nicht die Ausnahme.

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  • anonym am 31.07.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltweites Problem

    Leider nicht nur bei Amazon der Fall. Menschen werden inzwischen wie ersetzbare Maschinen betrachtet.

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  • Cavi33 am 31.07.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderne Sklaverei

    Wo sind da die Anwälte, sonst steht doch immer einer vor dem Eingangstor um die Firma einzuklagen. Wundert mich nicht dass der CEO so viel Kohle scheffeln kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bennj am 20.08.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Diebe

    Jeder, der reich ist, hat das Geld indirekt gestohlen. Klar, er hat das Recht, das Geld zu behalten, das seine Firma verdient. Allerdings warum soll er Geld anhäufen, wenn er ebensogut seinen Angestellten mehr bezahlen könnte. Sich hinter der "üblichen Bandbreite" zu verstecken, ist nur ein Machtinstrument. Bezon könnte jedem Angestellten 2000 mehr pro Monat bezahlen, und er hätte immer noch genug. Oder er könnte die Gebühren von Amazon vierteln, dann hätte er halt nur 25 Milliarden anstatt 100. Ui nei ... Zu guter Letzt: Nein, es ist nicht der "Neid der Mittellosen", sondern Gerechtigkeit

  • Bartli am 06.08.2018 05:08 Report Diesen Beitrag melden

    Das freudige Erwachen

    Habe gerade ein Buch gelesen über den deep staat und wie deren Kreise wirken. Man kann nun was man da zu lesen bekommt, glauben oder nicht. Tatsache ist, dass vieles auf dieser Welt zu einer riesigen Kloake verkommt. Man findet sich teils in Zeiten wieder, die wie viele glauben, längst Vergangenheit sind. Offenbar gibt es allen Grund, jene Menschen zu überwachen, welche diesen Kreisen auf den Schlips treten. Viele haben sicher den Katzenvirus, dank dem Erfog, Geld aber treiben Ausbeutung. Ich schau für mich und mein Wohl und das meiner Bekannten und Freunde. Mehr kann man als Normalo nicht tun

  • Shihuangdi am 04.08.2018 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Diktatorische Zustände

    Diesen globalen gesichtslosen Konzernen sind Mitarbeiter sowie Kunden auf Gedeih oder Verderb ausgeliefert. Wer mal erleben möchte, wie sich ein Untertane der chinesischen Kaiser inkl. heutiger Zustand fühlt ist hier richtig!

    • Bartli am 06.08.2018 05:17 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts ist ohne Ursachen

      Hat Sytem und ist kaum Zufall. Um aber fair zu bleiben darf gesagt werden, dass Konsumenten, egal für welche Produkte, merklich ihren Beitrag geleistet haben. ich wette dass sich dessen die wenigsten Bewusst sind. Unsere Gedanken kennt man mittlerweilen ja auch, seit Social Medien-Plattformen. Wer hätte das das je für möglich gehalten. Nur das wenigste kommt von ungefair.

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  • 667 Neighbour of the Beast am 04.08.2018 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Menschheit - wehr dich!

    Amazon ist das Paradebeispiel für einen menschenverachtenden ausbeuterischen Global-Konzern. So stellt man sich die Diktatur der Konzerne vor! Ekelhaft und abscheulich, hoffe Amazon, Facebook, Google und Konsorten werden zerschlagen und vernichtet!

  • Walter Portmann am 03.08.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Naivität hoch drei

    Das ist doch nicht Neues. Liebe Leute, wenn ihr alles gratis und billig haben wollt und erst noch in guter Qualität, was meint ihr denn, wo gespart wird !?!