Inflationsangst

31. März 2011 08:07; Akt: 31.03.2011 08:40 Print

Amerikaner trauen dem Dollar nicht mehr

von Sandro Spaeth - Inflationspanik treibt US-Politiker zu ungewöhnlichen Forderungen. Sie wollen Gold als Zahlungsmittel zulassen. Für die Notenbanker ein Schlag ins Gesicht.

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Das Vetrauen in den Dollar schwindet. Mehrere US-Bundesstaaten wollen Gold und Silber als offizielle Zahlungsmittel zulassen. (Bild: Keystone)

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Bald reicht ein Dollar womöglich nicht mal mehr aus, um beim Händler an der Ecke ein paar Gramm Jelly-Belly-Süssigkeiten zu kaufen. Die US-Bevölkerung fürchtet sich vor der Inflation – und dies nicht unbegründet. Das Haushaltsdefizit der USA hat im Februar mit 222,5 Milliarden Dollar einen monatlichen Rekordwert erreicht; der gesamte Schuldenberg beträgt mittlerweile mehr als 14,3 Billionen Dollar.

Wegen des Inflationsgespensts greifen US-Politiker zu ungewöhnlichen Massnahmen. So hat das Parlament im konservativen Bundesstaat Utah Gold und Silber als Zahlungsmittel legalisiert. Die Stimmung hat sich aber nicht nur im konservativen Mormonenstaat gegen den Dollar und die expansive Geldpolitik von US-Notenbankchef Ben Bernanke gewendet.

Bestrebungen für die Legalisierung von Gold und Silber als Währung gibt es in 13 Bundesstaaten, darunter Colorado, Oklahoma, Tennessee und Washington. Die Gesetzesentwürfe sind unterschiedlich, die Absicht dahinter ist dieselbe: Man traut der Notenbank und ihrer Geldmengenausweitung nicht mehr über den Weg und will sich auf eine eigene, harte Währung verlassen.

US-Geldpolitik unterwandert

«Die Bestrebungen nach der Einführung von Gold als Zahlungsmittel sind ein Schlag ins Gesicht des Fed», sagt ZKB-Währungsökonomin Susanne Toren zu 20 Minuten Online. Mit einer Parallelwährung würde die US-Geldpolitik unterwandert, eine vernünftige Geldpolitik sei danach fast unmöglich.

Verlangen Händler plötzlich, in Gold statt in Dollar bezahlt zu werden, tritt für die USA ein Worst-Case-Szenario ein. «Wegen dieses Vertrauensverlusts würde der Wert des US-Dollars massiv sinken», sagt Toren. Das dürfte das ganze Währungsgefüge durcheinanderwirbeln. US-Staatsanleihen, die vorab von China und Japan gehalten werden, würden massiv an Wert verlieren. Zudem müssten die USA für neue Anleihen plötzlich grosse Risikoaufschläge zahlen.

Silberlinge statt Bankkonto

Ob ein US-Bauherr sein Häuschen in Salt Lake City bald in Gold bezahlt, ist aber höchst ungewiss. Noch kann in Utah – wo das «Gold-Gesetz» am weitesten fortgeschritten ist – der Gouverneur sein Veto einlegen. Ein Teil der Einwohner hat die Vorbereitungen aber längst getroffen. Die «Salt Lake City Tribune» berichtete von einem Gold- und Silberrausch und wie Bewohner in ihren Häusern Silbermünzen versteckten, statt das Geld auf Bankkonten zu horten.

Für Währungsexpertin Toren ist klar, dass sich das Fed gegen die Tendenzen, Edelmetalle als offizielle Zahlungsmittel zuzulassen, wehren wird. «Die Anti-Inflationsbemühungen werden verstärkt», sagt Toren. Notfalls müsste das Fed seine expansive Geldpolitik eher und bestimmter als beabsichtigt zurückschrauben. Eine Inflationspanik hält die Ökonomin aber für übertrieben. Bis auf Weiteres übten die US-Löhne stark preisdämpfenden Einfluss aus.

Gold als heimliche Währung

Dass sich Gold zur heimlichen Währung mausern kann, zeigt das Beispiel Vietnam. Laut der Vietnam Gold Traders Association befinden sich in den Händen Privater 400 Tonnen Gold. Die Bürger horten das Edelmetall, weil sie das Vertrauen in ihre Landeswährung Dong verloren haben. Das kommt nicht von ungefähr: Im März erreichte die Teuerung mit über 12 Prozent ein Zwei-Jahres-Hoch.

Von solchen Werten sind die USA noch weit entfernt. Die US-Notenbank hat aber jüngst betont, die Teuerungsentwicklung genau im Auge behalten zu wollen. Der Grund: Die Inflationserwartungen sind jüngst auf 4,5 Prozent und darüber geschnellt. Die Befürworter von Gold und Silber als Zahlungsmittel dürften sich in diesen Prognosen bestärkt sehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • unity am 31.03.2011 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Welt-Währung

    Wir brauchen die Welt-Währung.

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  • tomtastic am 02.04.2011 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit für eine Wende

    Alle "namhaften" Währungen der Welt besitzen keinen inneren Wert. Und da es in einer Industriegesellschaft kaum noch echte Wertschöpfung gibt, gehen diese Währungen bald dem Ende zu. Dieser Zeitpunkt scheint sehr nah zu sein. Börse, Banken und Eliten sind natürlich nicht daran interessiert, denn ohne Wirt kein Parasit. Die "moderne" Diestleistungsgesellschaft ist ein Witz, wir schneiden uns gegenseitig die Haare oder erstellen Webseiten für "tolle" Firmen, die es morgen nicht mehr gibt. Ohne Armut der Massen kein Reichtum für Wenige.

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  • Bügi am 31.03.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    der endlose Teufelskreis

    Wie soll ein Geldsystem dass auf Schulden aufgebaut ist auch funktionieren? Wie bekannt kauft der Staat den Dollar gegen Staatsanleihen im gleichen Wert und mit Zins von der Notenbank. Das bedeutet, dass für jede 1'000'000 Dollar die der Staat sich "kauft" zahlt er einen gewissen Zins, was bedeutet dass die 1'000'000 mehr gekostet haben als was sie Wert sind. Was ebenfalls bedeutet, um die 1'000'000 & Zins zurück zubezahlen, muss sich der Staat noch mehr Geld&Zins leihen. Ein endloser Teufelskreis.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • fabe888 am 08.04.2011 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Goldstandard

    Nach alledem frage ich mich, ob es klug gewesen ist, den Goldstandard abzuschaffen. Damals hatte man noch einen 'realen' Gegenwert zur Währung.

  • Sam Migorwybeth am 04.04.2011 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Goldblase

    Irgendwann werden einige der grossen Goldhorter Millionen Unzen auf den Markt werfen und dann -ciao ! geht der Preis in den Keller. Alles schon da gewesen. Goldblase, Silberblase, you name it. Nicht ein Gramm von dem Zeug würde ich kaufen.

    • Supermario am 05.04.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      Gold, Silber, Getreide und anderes...

      Gold war schon immer ein Hort für schlechte Zeiten. Viel schlimmer find ich aber, dass die "cleveren" Investoren - via moderne Anlageinstrumente - beginnen auch andere Rohstoffe zu horten. Oel, Mais, Kaffee, Gummi und anderes ist mitterweile ebenfalls nicht mehr sicher vor solchen Auswüchsen. Solche Werte zu horten ist viel schlimmer als ein wenig Gold oder Silber und schlägt sich eins zu eins in den Preisen von Konsumgütern und anderem nieder!

    • Micha am 07.04.2011 17:13 Report Diesen Beitrag melden

      Du machst das schon richtig..;)

      Genau, mach das :D Dan bleibt mehr für mich. Schon gewusst, dass die Goldtrusts mehr Gold in Papierform verkauft haben als überhaupt total in den letzten 2000 Jahren gefördert wurde. Die Blase geht in die andere Richtung, Gold müsste noch viel teurer sein und wird künstlich tief gehalten. Silber dito

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  • "Guru" am 04.04.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Reales Gold fliesst nach Asien ab

    Dem Insider fällt auf: Amerikanische Hedgefunds drücken vorübergehend die Goldkurse nach unten und hoffen auf Geld für den nächsten Börsenhype. Schwache Hände steigen aus Gold kurzzeitig aus. Asiatien u.a. kaufen sofort auf. Russland stockt auf. Und zwar reales Gold. So verknappt sich das Gold-Angebot (z.B. Münzen, Barren) zusehends und der Wiedereinstieg wird immer teurer. Die fundamentalen Krisen schwelen weiter. Die Verschuldung steigt. Im ersten Moment von globalen Krisen fällt der Goldpreis, weil realisiert werden muss. Dann gehts wieder höher bei real kleinerem Angebot. Und so fort.

    • Supermario am 05.04.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      Mike Shiva oder was?

      Danke für die fundierte Chartanalyse. Wenn du so genau weisst, wie sich der Goldpreis entwickelt, musst du wohl auch nicht mehr arbeiten? Ich jedenfalls masse mir in Bezug auf zukünftige Preise keine diesbezüglichen Prophezeiungen an.

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  • tomtastic am 02.04.2011 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit für eine Wende

    Alle "namhaften" Währungen der Welt besitzen keinen inneren Wert. Und da es in einer Industriegesellschaft kaum noch echte Wertschöpfung gibt, gehen diese Währungen bald dem Ende zu. Dieser Zeitpunkt scheint sehr nah zu sein. Börse, Banken und Eliten sind natürlich nicht daran interessiert, denn ohne Wirt kein Parasit. Die "moderne" Diestleistungsgesellschaft ist ein Witz, wir schneiden uns gegenseitig die Haare oder erstellen Webseiten für "tolle" Firmen, die es morgen nicht mehr gibt. Ohne Armut der Massen kein Reichtum für Wenige.

    • Boit am 04.04.2011 20:02 Report Diesen Beitrag melden

      Naive Forderung

      Die moderne Dienstleistungsgesellschaft haben wir der Ära "Reagan - Thatcher" zu verdanken ... und sie funktioniert wirklich nicht. Das Problem besteht nur darin, dass die Reichen - sprich die Mächtigen- auch in der Krise profitieren. Die Quittung trägt immer das Volk. Somit ist die Forderung nach einer Wende die Forderung nach einer eigentlichen Umwälzung. Wir erleben soeben in Nordafrika was eine wirkliche Wende bedeutet - sie kommt vom Volk! Ich hoffe ehrlich gesagt nicht, dass ich Ähnliches erleben muss, zumal die Aussicht auf Besserung wohl ein frommer Wunsch bleibt.

    • Supermario am 05.04.2011 09:16 Report Diesen Beitrag melden

      Ohne Worte zur Definition

      Gemäss allgemeiner Definition ist Geld Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Wertmassstab. Mit was in aller Welt willst du denn die materiellen Werte sonst messen.

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  • Supie1234 am 01.04.2011 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    2 lügensätze übersetzt

    2 sätze mal auf richtige deutsche bedeutung übersetzt: Mit einer Parallelwährung würde die US-Geldpolitik unterwandert, eine vernünftige Geldpolitik sei danach fast unmöglich. = die spendierhosen sind ausgezogen bei der regierung = grund warum man auf keinen fall darauf verzichten kann, als FED sich dagegen zu wehren weil´s das geschäft mit den zinsen der regierung versaut. Bis auf Weiteres übten die US-Löhne stark preisdämpfenden Einfluss aus. = die grösste sauerei.... bedeutet, dass trotz steigerungen in der lebenshaltung keine ausreichenden lohnsteigerungen stattfinden.