LED-Weltneuheit

15. September 2011 18:01; Akt: 15.09.2011 18:19 Print

Andreas und die Wunderlampe

von S. Spaeth - Tüftler Andreas Grabher hat die wohl sparsamste LED-Leuchte erfunden. Sie leuchtet so hell wie eine 60-Watt-Birne. Bei Philips, Osram & Co. dürfte man sich die Haare raufen.

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Andreas Grabher ist eine Kombination aus Thomas Edison - der 1879 die Glühbirne erfand - und Daniel Düsentrieb. Edisons Herausforderung bestand vor über hundert Jahren darin, einen Draht zum Leuchten zu bringen. Grahers Aufgabe: Er wollte eine LED-Lampe erfinden, die den Eigenschaften der verbotenen 60-Watt-Glühbirnen in Nichts nachsteht. Sein Ziel war helles, warmes Licht aus effizienter Quelle. Die auf dem Markt erhältlichen LED-Lampen erinnerten den Tüftler aber an designmässig entartete Raketen - und Sparlampen hielt der «Edison 2.0» für zu teuer verkaufte Leuchtstoffröhrentechnologie, die die Umwelt zerstört.

Der 45-jährige Österreicher, der nur wenige Meter ennet der Schweizer Grenze aufwuchs und heute in Au (SG) wohnt, begann vor fünf Jahren in nächtelanger Arbeit Lampen auseinanderzunehmen, Pläne zu zeichnen und Muster zu bauen. Die Idee des Hobby-Ingenieurs: Im Gegensatz zu normalen LED-Lampen, die nur gegen eine Richtung abstrahlen, sollte Grabhers Leuchte abstrahlen wie Edisons Glühbirne, aber ohne dabei 95 Prozent der Energie in Form von Wärme zu verpuffen.

«Ein Spinner»

Grabher präsentierte seine Ideen bei traditionellen Leuchtmittelherstellern. «Hier hat man mich aber nicht ernst genommen. Die hielten mich für einen Spinner», erzählt der Tüftler und auch bei Schweizer Entwicklungsbüros stiess Grabher auf taube Ohren. Der umtriebige Österreicher liess sich aber nicht entmutigen und zog die Entwicklung alleine durch. Er glaubte an sein Projekt und an den dafür vorhandenen Markt. In England wurden jährlich 50 Millionen 60-Watt-Birnen verkauft, in der Schweiz 15 Millionen. Grabher war überzeugt, dass ihm das bevorstehende Glühbirnen-Verbot in die Hände spielen würde.

Sein ganzes Vermögen steckte der Tüftler in die Entwicklung der Lampe. «Ich kam manchmal finanziell an die Grenze», erzählt Grabher. Es hätte immer mal wieder Zweifel gegeben, wenn bei ihm oder den beauftragen Labors in Hongkong schier unüberwindbare Hürden auftraten. In solchen Situationen rief sich der Hobby-Ingenieur - der eigentlich Maschinenmechaniker lernte und danach Jura studierte - in Erinnerung, dass auch bei Edison so mancher Draht verglühte.

«Mein Baby»

132 Jahre nach Edison ist Grabher der Durchbruch gelungen. Dem umtriebigen Tüftler steht die Freude ins Gesicht geschrieben, wenn er mit Stolz seine neuartige Leuchte präsentiert. «Sie ist mein Baby - meine Frau hat sich damit abgefunden.» Seine 3D-Bulb genannte Erfindung gibt bei 9 Watt Leistung fast doppelt so viel Licht (800 Lumen) wie eine herkömmliche LED-Lampe. Grund dafür sind die in einem 7-Eck angeordneten LED-Module.

Auch in punkto Lebensdauer soll Grabhers Lampe die Konkurrenz übertreffen: Während eine «Vergleichslampe» von Philips 20 000 Schaltzyklen vorweist - das heisst: die Lampe kann 20 000 Mal an- und ausgeknippst werden, bevor sie den Geist aufgibt -, sind es bei der 3D-Bulb 1 500 000.

Die Birne ist ausserdem viel schwerer als eine alte Glühbirne, was mit dem metallenen Kühlkörper zu tun hat. Diesen liess Grabher verchromen: «Ich wollte, dass die Lampe edel aussieht», so der Erfinder.

Was denkt die Konkurrenz?

In den nächsten Tagen kommt Grabhers Erfindung in die Fachgeschäfte und ist Online erhältlich. Mit grossen Detailhändlern steht Grabher und sein Verkaufsteam im Gespräch. Damit die Konkurrenz das Schweizer Produkt nicht kopiert - auch wenn der Tüftler einen österreichischen Pass hat, sieht er die Lampe als «Designed in Switzerland» - hat Grabher seine Erfindung international schützen lassen und für Patentanwälte einen sechsstelligen Betrag ausgegeben. Für Osram, Philips oder Onlux sei damit ein grosses Marktgebiet sozusagen gesperrt. «Die werden sich ärgern», triumphiert Grabher und schmunzelt - die Retourkutsche eines einst Abgelehnten.

Was, wenn nun jemand zehn Millionen Franken für seine Erfindung bietet? «Da lachen wir und lehnen ab», so der Erfinder. Europa brauche jährlich 400 Millionen Lampen. Grabhers Verkaufsziel für erste Jahr liegt bei rund einer Million Stück. Es gehe ihm aber nicht hauptsächlich ums Geschäft, sondern auch darum, Energie zu sparen. «Würde nur schon jeder 500. Schweizer seine 60-Watt-Birnen mit einer 3D-LED-Bulb ersetzen, könnte man ein ganzes AKW abschalten», sagt Grabher.

2012 wird die Schweiz mit der 25-Watt-Birne auch dem letzten Vertreter der Generation Edisons den Garaus machen. Der Tüftler Grabher hat bereits Pläne für eine Alternative im Kopf und kritzelt für den Journalisten eine Birne auf einen Zettel. Ein rastloser Edison 2.0.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Skeptiker am 21.09.2011 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Naja. Aus eigener Erfahrung habe ich gelernt das etwas das zu schön klingt nicht immer hält was es verspricht. Speziell bei LEDs. Ich werde sicherlich die nächsten 1-2 Jahre interessiert Ihre Arbeit weiterverfolgen bevor ich mich zu einem Kauf Ihres Produktes entscheiden sollte. Bis dann sollte es mehr Berichte und vergleichbare Tests zu Ihren Produkten geben. Nichts für Ungut Herr Grabher, eines Tages werden vielleicht Ihre Lampen "mich" und meine Zimmer erleuchten. Bis es jedoch soweit ist, wünsche ich Ihnen dennoch viel Glück mit Ihrem Produkt.

  • Tina Beyeler am 20.09.2011 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Produkt

    Energiesparlampen mögen giftig sein und Elektrosmog verbreiten, was mich aber noch mehr nervt sind die extrem langen Vorlaufzeiten bis die Lampe genügend Licht abgibt. Meiner Meinung nach sind das nur Übergangsprodukte bis die LEDs die Giftschleudern endlich verdrängt hat. Gratulation an den Erfinder, ihr Produkt ist genau das, was ich eigentlich schon lange von Philips, Osram und Co. erwartet habe.

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  • eeyup.avi am 15.09.2011 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlecht, Herr Specht!

    800 lumen? Ich brauche aber 6500! Ich hoffe der man, bringt auch noch hochleistungs leds auf den markt. Bin immer bereit ein wenig strom zu sparen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cherokee am 11.10.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gibts doch alles schon...

    "von S. Spaeth - Tüftler Andreas Grabher hat die wohl sparsamste LED-Leuchte erfunden. Sie leuchtet so hell wie eine 60-Watt-Birne. Bei Philips, Osram & Co. dürfte man sich die Haare raufen." ??? die Lampen gibts doch schon von Osram und co... was daran soll erfunden sein? Ist halt ne Bastleraufgabe die gelöst wurde...

    • Martin Berchtold am 18.11.2011 10:17 Report Diesen Beitrag melden

      Philips, Osram & Co. dürfen sich raufen

      Habe die neue LED Birne bekommen! Habe die anderen Produkte im Einsatz! Ab nun heisst es hatte!

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  • Markus Meier am 24.09.2011 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Leute, wacht endlich auf!

    Wenn es um die neueste Uhr, das neueste Auto, den neuesten Fernseher geht, dann steht ihr ja auch in der 1. Reihe und der Preis ist zweitrangig. (Beim Iphone wird sogar vor dem Laden übernachtet!) Da ihr ja sonst auch immer mit dabei sein wollt, frage ich mich, warum wartet ihr noch? Ich habe meine Wohnung auf LED umgestellt. Es klappt! Sitze nicht im Dunkeln! Werde nun Versuche mit der "neuen" 3D-LED machen. Rein von der geometrieschen Anordnung der LED's verspreche ich mir viel. Nicht lametieren, macht endlich was!

    • Kritiker am 26.09.2011 18:52 Report Diesen Beitrag melden

      Warum denn?

      Kellertreppe, Heizung, Gang, Hauseingang, Keller, Abstellraum, es gibt sicher 20 Glühlampen (=1000 CHF LED Lampen!) im Haus die bei mir nur Minuten leuchten im Tag. Eine sogenannte Enerige"spar"lampe müsste man brennen lassen und eine LED Lampe ist bis Faktor 50 teurer. Eine Glühlampe ist kein Sondermüll, strahlt weder radioaktiv, UV oder magnetisch ist spottbillig, schaltfest und braucht kaum graue Energie. Die Glühlampe ist nach wie vor die unschlagbare #1 bei Anwendungen mit kurzer Nutzungsdauer; die neue Regelung vielleicht etwas für faule EU Bürger die keine Lichtschalter betätigen wollen

    • Lorenzo am 26.09.2011 20:57 Report Diesen Beitrag melden

      nicht immer das neueste

      eearm... ich hab immernoch n röhrenbildschirm als fernseher... der funktioniert einwandfrei. Hab in an einer ausschaltbahren Steckleiste (somit kein standby). Handy habe ich ein mittelklasse ding (ohne touchscreen und all das pipapoh... herrlich sag ich da nur.) Ich brauche nicht das neueste...warte meist ab ob es sich bewährt (siehe z.B. Bluray und HD DVD Geschichte) und mit dem Preis vergleiche ich immer Preis/Leistung.

    • Martin Berchtold am 18.11.2011 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      Energieeffizienz!

      @Markus Meier, und? Wie ist es nun? Ich habe den Schritt gewagt. Andere Hersteller können echt einpacken.

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  • andy am 24.09.2011 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    ein zitat welches mich heute

    noch begeistert, nachdem ich kommentare lese und teils gedanken mache... einstein stellte eine these auf... "es gibt nur 2 grenzenlose dinge in diesem universum! das erste ist das universum selbst, das zweite die dummheit des menschen." wobei beim ersten sei er sich eben nicht so sicher..."

    • Kritiker am 27.09.2011 07:08 Report Diesen Beitrag melden

      Dann bitte konkret

      Der Inhalt dieses Beitrags hat nicht gerade viel mit dem Thema zu tun, da hätte ich dann gern etwas konkretes gehört... ich würde zudem unterstellen dass es sich hier um den "Erfinder" handelt der hier einen ganz speziellen Bonus bei der Publikation geniesst im Gegenteil zu allen die sachlich belegen dass die Glühlampe auch ihre unschlagbaren Vorteile hat...

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  • Rechenkünstler am 22.09.2011 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein AKW abschalten

    «Würde nur schon jeder 500. Schweizer seine 60-Watt-Birnen mit einer 3D-LED-Bulb ersetzen, könnte man ein ganzes AKW abschalten» Ein kleines AKW = 300 000 000 W. Differenz 60W Lampe - 3D Bulb = 51W. Jeder 500ste Schweizer = 15 000 Personen. 15 000 x 51W Ersparnis = 765 000 W. Die Rechnung ist also mindestens um den Faktor 400 falsch. Wenn jeder Schweizer seine 60W Lampe 24h leuchten lässt... sonst muss er 400 davon besitzen und 24h leuchten lassen...

    • andy am 25.09.2011 23:16 Report Diesen Beitrag melden

      hmm, ok

      ok, dann gib einfach jedem schweizer eine bulb mit der ersparnis von 51 watt und du hast es auch... im grunde nach den verkaufszahlen der ehemaligen glühbirne ist das auch nicht viel...

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  • Fehlerkorrektor am 22.09.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    "Giftige Gase abgeben..."

    "Im Gegensatz zu Sparlampen - die beim leuchten teilweise giftige Gase abgeben..." Das Quecksilbergas tritt beim Zerbrechen des Leuchtkörpers aus und nicht beim Leuchten und bleibt wenn eingeatmet irreversibel im Körper und schädigt das Nervensystem. Deshalb bei einem "Unfall" mit Sparlampen Raum sofort verlassen, lüften und verbrauchte Lampen niemals zerbrechen. LED Leuchten enthalten übrigens auch einen ganzen Zoo von Schadstoffen