SNB-Entscheid

16. Januar 2015 09:08; Akt: 16.01.2015 10:28 Print

Angestellte müssen um ihren Arbeitsplatz fürchten

Der Entscheid der Nationalbank bereitet Unternehmern grosse Sorgen. Konjunkturforscher gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit steigen wird.

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Laut einer Sonderumfrage der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich sind die Umsätze im Maschinenbau, der Autozuliefer-Industrie, der Chemie- und Pharmaindustrie, der Hotellerie und des Textilgewerbes besonders betroffen von der Aufgabe des Mindestkurses. Mehr als 50 Prozent der Exporte der Schweiz gehen in die Euro-Zone.

Die UBS prognostiziert den Schweizer Exporteuren durch die Aufwertung des Frankens einen Verlust von 0,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Damit drohen der Schweizer Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt gravierende Folgen. Bei einer völlig unkontrollierten Aufwertung des Frankens verliere die Schweiz ungerechtfertigt an Wettbewerbsfähigkeit und viele Arbeitsplätze seien bedroht.

Das schätzt auch das Forschungsinstitut BAK Basel. Sie geht davon aus,dass die Arbeitslosigkeit ansteigen wird – auf 3,6 bis 3,8 Prozent anstelle von 3,1 Prozent.

Vor allem kleine Unternehmen bekommen Probleme

Betroffen sind vor allem kleine Unternehmen, die in der Schwiez produzieren und auch hier Löhne bezahlen, etwa das von Jean-François Rime, Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) und Besitzer eines Sägerei. Er sagte als einer der wenigen Politiker am Donnerstag, dass der SNB-Entscheid «gar keine gute Nachricht» sei.

Die Schweizer Waldeigentümer und Holzverarbeiter äussern sich ebenfalls sehr besorgt. Bereits der Kurszerfall des Euro auf CHF 1.20 habe in der Branche Probleme verursacht, die bis heute nicht überwunden seien. Schweizer Waldbesitzer, die unverarbeitetes Rundholz in die Euro-Nachbarländer exportieren, hätten seither einen wechselkursbedingten Ertragsausfall von 15 bis 20 Prozent zu beklagen, der sich mit der neuerlichen Abwertung nun zu verdoppeln drohe, heisst es in einem Communiqué.

Unternehmer Hansruedi Wandfluh ist Eigentümer der Wandfluh AG in Frutigen. Er erklärte gegenüber Blick: «Ich habe zwei Stornierungen von grossen Aufträgen im Umfang von 200'000 Franken bekommen», sagt er. Einige kämen da wohl noch hinzu.

Josef Maushart, der Chef von Fraisa, der Bellacher Hochpräzisionswerkezuge, sagt in der «Aargauer Zeitung»: «Letzlich wird es zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen».

Swissmem, der Verband der Industrieverbände, teilte in einem Communiqué mit: «Die Situation kann für viele Firmen existenzbedrohend wirken, mit entsprechenden Folgen für die Beschäftigung.»

Auch Christoph Blocher prophezeit Arbeitsplatzverluste

Christoph Blocher geht auch davon aus, dass die Aufhebung des Mindestkurses gravierende Folgen für den Schweizer Arbeitsplatz haben wird. «Die Arbeitslosigkeit wird zunehmen, schlecht aufgestellte Firmen werden eventuell sogar verschwinden», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Probleme bekämen nun Unternehmen, die mit einer sehr schwachen Marge Waren ins Ausland exportierten, sagte Blocher. «Solche Firmen müssen sich jetzt noch viel mehr anstrengen, sonst überleben sie nicht.»

Der Arbeitgeberverband gibt dem Milliardär aus Herrliberg recht. Er rechnet damit, dass die höhere Frankenbewertung «auf jeden Fall Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation» haben wird.

(cls)