Schwarzes Gold

07. Juni 2011 21:23; Akt: 07.06.2011 21:50 Print

Angolas Elite will mit Öl gross absahnen

Mit Hilfe ausländischer Ölmultis will Angola 2012 Nigeria als Nummer eins in Afrika ablösen. Gebohrt werden soll im Meer, der Gewinn geht an eine kleine Elite.

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Eine fünfteilige Ölplattform vor der Küste bei Cabinda in Angola. (Bild: Keystone)

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Das einst vom Bürgerkrieg zerrissene Angola ist auf dem Weg zum grössten Ölproduzenten Afrikas. Analysten zufolge verdankt die ehemalige Kolonie Portugals ihre Aufholjagd im Ölgeschäft vor allem den Bemühungen, die Ölfelder vor der Küste auszubauen und dabei in immer grössere Tiefen vorzudringen.

Die von Analysten erwarteten Fördermengen von mehr als zwei Millionen Fass (159 Liter) pro Tag dürften dabei nicht nur die Kassen des Staates füllen - sondern auch die Abnehmer in Asien und den USA beruhigen. Denn die Unruhen in der arabischen Welt hatten in diesem Jahr immer wieder die Sorge vor Lieferengpässen aufkommen lassen.

Von Libyen profitieren

Nachdem auch Libyen als drittgrösster Ölproduzent Afrikas infolge der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen ausgefallen ist, hatte sich Öl der Nordsee-Sorte Brent zeitweise auf bis zu 127 Dollar je Fass verteuert.

In Angola, wo von 1975 bis 2002 einer der blutigsten Bürgerkriege des Kontinents tobte, sind die Machtverhältnisse nach dem Wahlsieg der Regierungspartei MPLA 2008 dagegen vergleichsweise stabil.

Viel Gewinn für kleine Elite

Nach Einschätzung von Transparency International gehört das Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) aber zu den 15 korruptesten Staaten der Welt. Die Gewinne aus dem Ölgeschäft bleiben einer kleinen, regierungsnahen Elite vorbehalten.

Ein Grossteil der Öl-Produktion stammt derzeit noch aus der Exklave Cabinda, wo sich die um Unabhängigkeit kämpfenden Rebellen zuletzt dem immer stärker werdenden Druck angolanischer Truppen beugen mussten. 2010 war es in Cabinda zu einem Anschlag auf die Fussball-Nationalmannschaft Togos gekommen, bei dem mehrere Menschen starben.

Erinnerungen an die Katastrophe im Golf von Mexiko

Da auf hoher See weniger Zwischenfälle zu erwarten sind, ist der Ausbau der Offshore-Förderung für die Regierung in Luanda von zentraler Bedeutung. Öllieferungen machen über 90 Prozent der Exporte des Landes aus. «Die Tiefseebohrungen spielen eine wichtige Rolle in der angolanischen Öl-Industrie», sagt Justin Jacobs, Analyst von Business Monitor International.

Analyst Jacobs rechnet nicht damit, dass es bei der von Umweltschützern kritisierten Technik der Tiefseebohrung vor der westafrikanischen Küste ähnliche Gegenreaktionen geben wird wie in den USA. Im Golf von Mexiko hatte der Untergang der Offshore- Plattform «Deepwater Horizon» 2010 die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst.

Spannungen in Nigeria

Ähnlich wie Angola in Cabinda hat auch Nigeria, die bisherigen Nummer eins des Kontinents beim Ölexport, seit Jahren mit Spannungen im ölreichen Niger-Delta zu kämpfen. Dort fordert die Bevölkerung eine Beteiligung an den Gewinnen aus der Ölförderung sowie Entschädigungen für die von der Industrie verursachten Umweltschäden. Rebellen greifen in dem Gebiet immer wieder Förderanlagen und Mitarbeiter an.

Deshalb sehen Analysten in der starken Konzentration der Ölfelder an Land oder in seichten Gewässern als Nachteil für Nigeria. Obwohl Offshore-Anlagen ausgebaut werden sollen, stammen aktuell nur ein Viertel des in Nigeria geförderten Öls aus Tiefseebohrungen vor der Küste.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 07.06.2011 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Armut in Afrika

    Es ist immer wieder das Gleiche, Bodenschätze sind zwar vorhanden, aber die breite Masse bleibt arm, während ein paar wenige sich den ganzen Reichtum greifen. Schuld daran ist nicht der Westen, sondern das Problem liegt in diesen Ländern. Die einzige Möglichkeit für den Westen, den Reichtum dieser Länder in diesen Ländern gerechter zu verteilen wäre nämlich mit militärischen Mitteln und das kann es ja auch nicht sein. Ein Handelsstopp würde auch nichts bringen, dann wären höchstens noch mehr Leute dort arm.

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  • Paul D. am 08.06.2011 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Eine kleine Elite sahnt ab, und wir dürfen "Entwicklungshilfe" runterschicken. Afrika hat eigentlich genug Geld und Ressourcen, aber die Korruption zerstört alles. Und wir schicken und schicken ohne auch wirklich etwas zu bewirken. DAS sollte uns zu denken geben.

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  • Paul Reim am 07.06.2011 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und?

    Umweltauflagen und Korruption, wen interessierts? Solange wir unseren Lebensstandard halten können ist das doch egal. Nach uns die Sinnflut!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Isotop am 08.06.2011 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    "Unsere" Schuld

    Solange wir unseren Konzernen Afrika als Spielplatz zum Ressourcenabbau überlassen wird sich in dieser Beziehung auch nicht viel ändern.

  • Paul D. am 08.06.2011 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Eine kleine Elite sahnt ab, und wir dürfen "Entwicklungshilfe" runterschicken. Afrika hat eigentlich genug Geld und Ressourcen, aber die Korruption zerstört alles. Und wir schicken und schicken ohne auch wirklich etwas zu bewirken. DAS sollte uns zu denken geben.

    • simmi am 15.06.2011 07:36 Report Diesen Beitrag melden

      iap.

      genau so ist es! Afrika könnte der reichste/mächtigste Kontinent der Erde werde, wenn nur keine Korruption herrschen würde.

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  • Laredo am 07.06.2011 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    @Peschä

    Eine millitärische Intervention wäre auch nicht gerade gescheit, weil dann nicht nur der Rest der Welt auf die barrikaden geht wie hier schon des Öfteren, in dem man einfach den USA die Schuld gibt. Ein Boykott des Öls macht auch keinen Sinn, weil es genügend Abnehmer gäbe wie China u.a., die sich nicht darum scheren, wer kassiert u wer nicht. Das korrupte Problem kann nur vom Volk selbst gelöst werden, fragt sich nur, zu welchem Preis.

  • Markus Leuenberger am 07.06.2011 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso sollte es anders sein, als früher

    Die Schweiz wird sich da sicher auch , wie alle anderen hintenanstellen, wie immer, wenn's um Öl geht. Gaddafi war ja auch gut genug.

  • Peschä am 07.06.2011 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Armut in Afrika

    Es ist immer wieder das Gleiche, Bodenschätze sind zwar vorhanden, aber die breite Masse bleibt arm, während ein paar wenige sich den ganzen Reichtum greifen. Schuld daran ist nicht der Westen, sondern das Problem liegt in diesen Ländern. Die einzige Möglichkeit für den Westen, den Reichtum dieser Länder in diesen Ländern gerechter zu verteilen wäre nämlich mit militärischen Mitteln und das kann es ja auch nicht sein. Ein Handelsstopp würde auch nichts bringen, dann wären höchstens noch mehr Leute dort arm.

    • Philou am 08.06.2011 00:39 Report Diesen Beitrag melden

      Was nun?

      Weiterfahren wie bis anhin und JA NICHTS ändern? Und dann? Haben Sie auch einen konstruktiven Beitrag? Dass immer die Andern schuld sind, ist seit Jahrtausenden bekannt ("siehst Du nicht den Pfahl in Deinem Auge?") - Ich bitte um Ihren nutzbringenden Denkanstoss (es heisst, die Schweiz habe keine Bodenschätze aber graue Materie...) .

    • Peter Ryser am 08.06.2011 08:42 Report Diesen Beitrag melden

      Vorschläge ?

      Hallo Philou, und was ist DEIN Beitrag ? Andere kritisieren ist einfach, konstruktive Lösungen bringen etwas schwieriger, ich hab auch keine, kritisiere aber nicht.

    • Paul D. am 08.06.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig Peter

      @Peter: Genau so ist es. Die Weltverbesserer können nur diejenigen kritisieren die den Finger in die Wunde legen. Es ist doch sooooo einfach unsere Gesellschaft zu kritisieren und für alles schuldig zu machen. Hauptsache man hat seinen Job in einer NGO, kann von Spendengeldern und/oder Entwicklungshilfe leben und eine grosse Klappe haben. Eine Lösung für Afrikas Problem? Nun ja, warum sagen Afrikanische Gelehrte, dass sich die Entiwcklungshilfe aus Afrika zurückziehen soll, da sie nur die Korruprion fördert. Lasst es uns mal versuchen.

    • Lorenz Kummer am 08.06.2011 10:40 Report Diesen Beitrag melden

      Alle Zahlungen offenlegen

      Stimmt nicht ganz, der Westen könnte sehr wohl dazu beitragen, dass das Ölgeld nicht auf den Konten der Elite verschwindet: Indem er seine Ölfirmen verpflichtet, ihre Zahlungen an alle Regierungen klipp und klar offen zu legen. Das wäre das beste Mittel gegen Korruption, denn wenn die Menschen in Angola (und andernorts) wissen, wieviel Geld geflossen ist, können sie dafür von ihren Regierungen wengistens Rechenschaft verlangen.

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