Tiefer Euro

03. Februar 2015 15:02; Akt: 03.02.2015 19:13 Print

Anthroposophen kürzen Mitarbeitern die Löhne

von K. Wolfensberger & L. Frommberg - Der starke Franken fordert erneut einen Tribut: Die Mitarbeiter der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft müssen auf den 13. Monatslohn verzichten.

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Goetheanum in Dornach: Hauptsitz der Anthroposophen. (Bild: Charlotte Fischer)

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Tiefere Löhne und längere Arbeitszeiten: Nach dem Franken-Schock kündigen immer mehr Chefs an, dass auch Arbeitnehmer den Gürtel enger schnallen müssen. Nun trifft dieses Problem auch die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft. Die Organisation mit Sitz am markanten Goetheanum in Dornach (Kanton Solothurn) ist vor allem dafür bekannt, dass sie als ideologische Mutter für die Lehren der Steiner-Schulen steht.

Nächste Woche würden die rund 180 Mitarbeiter des Goetheanums einen Brief erhalten, bestätigt Mediensprecher Wolfgang Held. Darin werde ihnen nahegelegt, auf ihren 13. Monatslohn zu verzichten. «Von den Mitgliederbeiträgen an das Goetheanum kommen 90 Prozent aus dem Euroraum und von den Spenden 80 Prozent.» Um Entlassungen zu vermeiden, haben man sich daher zu dem Schritt entschlossen, erklärt Held.

Wer nicht will, dem wird gekündigt

Wer die Lohnkürzung nicht akzeptiert, dem wird eine Änderungskündigung aufgezwungen. Er erhält ein Angebot zur Wiedereinstellung zu schlechteren Bedingungen. Der neue Lohn dürfte so viel tiefer ausfallen, dass die Gesamtsumme einer Streichung des 13. Monatslohns entspricht.

Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft wurde 1923 von Rudolf Steiner gegründet. Neben den Steiner-Schulen gründen auch die Waldorf-Schulen in Deutschland ihre Lehren auf die Philosophie der Anthroposophen und ihres umstrittenen Lehrers Rudolf Steiner. Das Goetheanum – ein Gebäude ohne rechte Winkel – ist so etwas wie das Weltzentrum der Anthroposophen.

«Von Geld kann man nicht leben!»

Vielleicht beruft sich die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft denn auch einfach auf ihren Gründer. Rudolf Steiner sagte 1918 in einem Vortrag in Dornach: «Aber, meine lieben Freunde, von Geld kann man nicht leben! Geld ist nicht irgendetwas, wovon man leben kann.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • seiler am 03.02.2015 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Das Jammern zahlt sich aus.

    Frechheit! Wenn Arbeitgeber nur immer so rasch handeln würden, wenn es zu Gunsten der Arbeitnehmer geht!

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  • Hampi am 03.02.2015 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn niemand...

    die Lohnkürzungen akzeptiert, was würden sie dann machen. Genau es bleibt ihnen nichts anderes übrig als die Leute weiter zu beschäftigen! Aber bis die Büezer in der Schweiz merken, dass sie gemeinsam viel stärker sind als der reichste Manager vergehen noch ein paar Jahrtausende...

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  • Sarah am 03.02.2015 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie weiter

    Ich verstehe das nicht. Unsere Kosten in der Schweiz bleiben für uns Konsumenten gleich. Aber wir sollen weniger Lohn bekommen.... Miete,KK.....wird teurer. Was soll noch alles passieren?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arbeitnehmer 0815 am 04.02.2015 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ball schön flach halten!

    Mir wurde der Lohn auch mindestens eingefroren und ein Einstellungsstop verhängt. Abgänge werden nicht ersetzt. Zurecht! Das ewige Gejammer ist nun wirklich nicht mehr auszuhalten. Erfolgsbeteiligung wollen alle, Verlustbeteiligung niemand. Alternative zu 13. Lohn kürzen wäre Entlassung von Stellen. Ist das denn etwa besser? Lernt endlich, dass wir in einer Markt- und nicht Planwirtschaft leben. Im Moment beträgt die Euro bedingte Einbusse 12% auf die Erträge (Kurs 1.06). Und diese 12% müssen einfach kompensiert werden. Punkt.

  • Martial kohler am 04.02.2015 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande...

    Ich lasse kein gutes Haar auf die Anthroposophen. Eine Gesellschaft die mir noch nie klar war. Eine Lohnreduktion eines 13. Monatslohns, das ist nicht nur happig aber sau frech !

    • stefan Kröger am 04.02.2015 19:38 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort auf das GEjammere

      Ja und was die einfältige Hausfrau nicht versteht muß natürlich schlecht sein. Bezahlen Sie doch mit Ihrem Geld den Leuten das 13. Gehalt, mal nicht so geizig sein Frau Kohler.

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  • Kurt LeRoy am 04.02.2015 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ERPRESSUNG DER MITARBEITER

    Eine klare Erpressung. Offenbar versuchen diese Leute, einen Teil ihrer Mitarbeiter loszuwerden, warum auch immer. Eine Lohnkürzung in Höhe eines 13. Monatsgehaltes ist sehr viel Geld! Angesicht des erstarkendem Euros ist die Begründung dafür als sehr schwach und gesucht zu bezeichnen. Die Bemerkung, von Geld könne man nicht leben, hört sich extrem zynisch an. Offenbar sind die Anthrposophen-Bosse keinen Deut besser als andere miese Rappenspalter, Pfennigfuchser und Geizkragen. Wo sind nun eigentlich die Mitarbeitervertreter (SKV, Gewerkschaften, etc.)?

  • Diavolo am 04.02.2015 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    So eine Frechheit

    Da arbeiten die Leute im Goetheanum eh schon zu einem Hungerlohn (ausser dem Vorstand), zum Teil sogar mit mehr als 100% Arbeits- oder Präsentszeit. Und jetzt werden diesen auch noch rund 7% "gestohlen", oder es wird gekündigt. Wo ist da die Gerechtigkeit den Arbeitnehmern gegenüber?

  • toschi am 04.02.2015 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nullsummenspiel

    Verstehe dass das für gewisse Firmen nicht einfach ist. Nun werden da die Leute gezwungen weniger Lohn zu akzeptieren! Rein rechnerisch werden Sie aber dann auch wieder die Teuerung ausgleichen müssen. Wohnungsmiete, Krankenkasse, Lebensmittel, Versicherungen, Billig, TV, Telefon, Strom, Wasser usw werden ja grundsätzlich nicht billiger. Bei einem Einkommen von 6000.- komme ich da sofort auf Sandardausgaben von ca. 4000.- die bleiben. 6000.- > 90% =5400.- Anteil vorher 67%, Anteil neu 74%. Teuerung = 7% oder auf die Ausgaben gerechnet 10%. Dies müsste dann eigentlich wieder ausgeglichen werden