Polit-Aktion

02. Juni 2016 10:46; Akt: 02.06.2016 10:46 Print

Anti-Israel-Kleber auf Kartoffeln im Supermarkt

von K. Wolfensberger - In einer Coop-Filiale sind auf Kartoffeln aus Israel «Boycott Israel»-Kleber aufgetaucht. Der Detailhändler ist Ziel einer Kampagne geworden.

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20-Minuten-Leserin Bettina N.* hat in einer Coop-Filiale in Zürich eine unerwartete Entdeckung gemacht: Auf Frühkartoffeln mit Herkunft Israel prangte ein «Boycott Israel»-Kleber.

Für N. ein klares Zeichen von Antisemitismus und Rassismus, wie sie in einem E-Mail an die 20-Minuten-Redaktion mitteilte. Sie sei überrascht, dass der Schweizer Detailhändler sich zu einer solchen politischen Aktion hinreissen lasse. Bei einer Häufung solcher Aktionen sähen sich viele Juden gezwungen, das Land zu verlassen.

Die Kleber stammt jedoch gar nicht von Coop, wie Sprecher Ramon Gander auf Anfrage von 20 Minuten erklärt. «Wir betreiben keine eigene Aussenhandelspolitik und verhängen nicht eigenständig politisch motivierte Boykotte», betont Gander.

Coop lässt Kunden Wahlfreiheit

Coop respektiere die offizielle aussenpolitische Haltung der Schweiz und halte sich an staatlich verordnete Sanktionen, die jedoch nicht über Waren aus Israel verhängt sind. In einem solchen Fall sind nämlich entsprechende Produkte gar nicht erst im Supermarkt zu kaufen.

Weiter hält Gander fest: «Wir deklarieren unsere Waren korrekt, so hat der Konsument die Wahlfreiheit und kann entscheiden, ob er ein Produkt kaufen möchte oder nicht.»

Zu Aktionen wie der mit den «Boycott Israel»-Klebern auf den Kartoffeln komme es immer wieder. Wie Coop in solchen Fällen jeweils vorgeht, wollte der Detailhändler nicht kommentieren.

Urheber unklar

Wer hinter der Kampagne steckt, ist unklar. Im Internet fordern eine Reihe von Gruppierungen wie die Gesellschaft Schweiz-Palästina zu einem Boykott israelischer Produkte auf.

Auf einer Website mit dem Titel «Boykott, Desinvestition und Saktionen gegen Israel» (BDS) wird in einem Eintrag von Anfang März explizit zum Boykott israelischer Frühkartoffeln aufgefordert. BDS Schweiz erklärt gegenüber 20 Minuten: «Wir verschicken auf Anfrage von interessierten KonsumentInnen Informationsmaterial und Kleber mit der Aufschrift: ‹Boycott Apartheid made in Israel›.» Mit der Aktion könnten Konsumenten ihren Unmut über israelische Menschen- und Völkerrechtsverletzungen gegen Palästinenser zum Ausdruck bringen.

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) wollte die Aktion nicht kommentieren.

*Name der Redaktion bekannt.