Sinkende Arbeitszeit

24. Mai 2018 20:13; Akt: 24.05.2018 20:13 Print

Arbeiten wir tatsächlich weniger?

von Vanessa Sadecky - Die tatsächliche Arbeitszeit ist in der Schweiz gesunken, meldet der Bund. Viele Werktätige empfinden dies anders. Das sagen Experten zu den Ergebnissen.

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In den letzten fünf Jahren ging die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit bei Arbeitnehmern mit Vollzeitstelle durchschnittlich um 15 Minuten auf 41 Stunden und 7 Minuten zurück. Das vermeldete das Bundesamt für Statistik am Mittwochmorgen. Am längsten gearbeitet wird in Branchen wie der Land- und Forstwirtschaft.

Umfrage
Wie hoch war Ihre Arbeitszeit diese Woche?

Die Resultate der Studie beruhen auf einer repräsentativen Stichprobenerhebung von rund 120‘000 Personen pro Jahr, die über einen Zeitraum von 18 Monaten befragt wurden. Dafür wurden von den gemeldeten Arbeitsstunden Absenzen und Ferientage abgezogen und allfällige Überstunden hinzugerechnet.

Bei den Lesern von 20 Minuten sorgte die Meldung über die gesunkenen Arbeitsstunden für emotionale Kommentare. Viele Stimmen bemängeln, dass ihre Arbeitsstunden nicht abgenommen hätten oder höher als der Durchschnittswert seien.

Branchenwerte besser vergleichbar

Das Bundesamt für Statistik räumt auf Anfrage ein, dass bei der Erhebung der Arbeitszeit ein gewisser Spielraum besteht: «Die Daten beruhen auf telefonischen Fragen wie ‹Wie viele Arbeitsstunden haben Sie diese Woche tatsächlich geleistet?› Da könnte sein, dass ein Befragter es als Arbeitszeit rechnet, wenn er noch zu Hause ein paar Mails beantwortet und ein zweiter nicht», sagt eine Sprecherin des Amtes. Viel wichtiger sei allerdings, dass die Resultate Durchschnittswerte darstellen und man sich daher besser mit den Branchen-Resultaten statt Einzelwerten vergleichen sollte.

Anstieg von Absenzen

Abgezogen von der tatsächlichen Arbeitszeit werden konkret Absenzen, die durch Krankheiten, Militärdienst oder Mutterschaftsurlaub anfallen. Diese Absenzen haben gemäss der Umfrage in den letzten fünf Jahren minim zugenommen. Ob es einen Anstieg von Krankschreibungen auf Grund von psychischen Leiden gab, wurde nicht ermittelt. Im März hatte die «NZZ am Sonntag» gemeldet, dass Krankschreibungen bei Angestellten im psychischen Bereich um 20 Prozent zugenommen haben.

Die Arbeitspsychologin Barbara Körner von der Universität Zürich liefert noch eine weitere Erklärung für mögliche Unterschiede in der Wahrnehmung von Arbeitszeit: «Es könnte sein, dass man eine geringere Abgrenzung der Privat- und Arbeitszeit wahrnimmt. Dass das Smartphone suggeriert, dass man ständig erreichbar ist und sich vielleicht auch immer zuständig fühlt.»

Trend zu mehr Ferientagen

Konjunkturforscher Yngve Abrahamsen von der ETH Zürich bestätigt, dass die geleistete Arbeitszeit in der Schweiz in den letzten Jahren tendenziell leicht gesunken ist. Ausschlaggebend sei dafür vor allem, dass Unternehmen mehr Ferien gewähren und dass die Absenzen etwas zugenommen haben. Er gibt aber zu bedenken, dass in der Schweiz im internationalen Vergleich immer noch viel gearbeitet werde. Diese Einschätzung unterstreichen auch die Zahlen des Bundesamts für Statistik: Nur in Island wird pro Woche durchschnittlich 18 Minuten länger gearbeitet als in der Schweiz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 24.05.2018 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ich merke nichts

    Also ich arbeite mehr. Und verdiene dabei nicht mehr, denn die Krankenkassenprämien steigen immer und das frisst alles wieder auf. Ich weiss nicht wie man auf die Studie kommt, aber etwas weiss ich traue nie einer Studie die du nicht selber erfunden hast.

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  • T.dome am 24.05.2018 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Geld, die dümste Erfundung.

    Die Perfekte Versklavung 45 Stunden Arbeiten Für einen Nettolohn unter 4'000fr Wohnungsmieten werden immer Teurer. Krankenkasse jedes Jahr erhöhen und die löhne bleiben gleich. Immer mehr in die Pension einzahlen. Dazu möglichst schnell noch das Rentenalter erhöhen damit man bis man unfällt Arbeitet. Und sein eigenes Vermögen wo man hart erarbeitet hat mus man mit Risiko investieren damit es nicht von den banken gefressen wird. Zuerst den Lohn versteuern dan noch der erspaarte teil jahr für jahr für jahr Versteuern. Welcomme To The New World Order.

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  • 1 Tap am 24.05.2018 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke, nein Hilfe!

    Nein, ich mache definitiv viele Überstunden die mir zu einem niedrigen Tarif ausgezahlt werden. Doch wir sind ja all den Menschen in den Schweiz dankbar die vor Jahren gegen weniger Arbeitsstunden abgestimmt haben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • David Hänsler am 27.05.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Tricks der Sklaventreiber

    Der KMU-Betrieb in dem meine Schwester arbeitete, fertigte halbautomatisch Stanz- / Präge-Teile für einen Kunden. Ein akustischer Zeit-Geber gab den Arbeitstakt vor. Bei jedem "Tüt" des Gerätes musste von Hand ein Blechteil zur Bearbeitung in die Maschine eingelegt werden, sonst gab es Lohnabzug. Was der Arbeiter / die Arbeiterin nicht wusste: Von Zeit zu Zeit ging nach Feierabend der Meister durch den Betrieb und stellte die Zeit-Geber jeweils für die nächste Zeit stets um etwa 0,2 Sekunden schneller ein, das alle paar Tage. Merken tat diese geringe Zeitdifferenz keiner.

  • Scheff am 27.05.2018 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gring ache...

    Ich habe eine Firma in der Baubranche und 9 wertgeschätzte Mitarbeiter im Alter von 25-64. Wir halten zusammen und sind stolz darauf was wir bisher erreicht haben. Die Gesundheit meiner Mitarbeiter ist mir sehr wichtig! Es herrscht ein grosser Konkurrenzkampf, extremer Preisdruck und damit entsteht auch ein hoher Kostendruck. Es ist sehr schwer da allen Ansprüchen gerecht zu werden. Am Ende heisst es Gring ache u seckle... Leider! Und die Statistik? Kann ich nicht ernst nehmen. Es ärgert mich, dass ich für so einen Mist unsere Steuergelder ausgegeben werden!

  • Neumann am 27.05.2018 01:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichtssagend

    Wenn jemand am Arbeitsplatz anwesend ist, sagt das nicht aus, ob er viel oder wenig arbeitet. 8 Std am Arbeitsplatz und richtig bügeln ist nicht dasselbe wie 8 Std anwesend und sich mit fb, whatsapp oder seiner Manicure etc zu befassen. Ob einem der Job Spass macht oder nicht, hat auch grossen Einfluss auf die Produktivität.

  • unglaublich am 26.05.2018 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    aber wahr

    In Theorie vielleicht schon aber praktisch sind es noch mehr Std.!!!

  • Jeani am 26.05.2018 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statistiken???

    Diese ewigigen Statistiken belegen nur eines, dass sie " nicht stimmen und ernst zu nehmen sind"!

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