Lohndumping-Skandal

28. April 2019 13:08; Akt: 28.04.2019 13:08 Print

Neat-Arbeiter um Millionen geprellt

Auf der Baustelle des Ceneri-Basistunnels, der Ende kommenden Jahres eröffnet werden soll, herrschen katastrophale Zustände. Arbeiter schuften für Dumpinglöhne bis zu 17 Stunden.

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Ausgerechnet auf der Vorzeige-Bahnstrecke der Schweiz, der neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat), ist es zu einem der wahrscheinlich grössten Lohndumping-Skandale aller Zeiten gekommen. Das berichtet die «SonntagsZeitung». Im neuen Ceneri-Basistunnel, der Ende kommenden Jahres eröffnet wird, haben zwei italienische Gleisbaufirmen etwa 170 Mitarbeitern während Monaten unerlaubt zu tiefe Löhne bezahlt.

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Zudem mussten sie deutlich mehr arbeiten, als erlaubt. Ein Kronzeuge berichtete kürzlich in der Sendung «Falò» des Fernsehens der italienischen Schweiz, RSI, häufig hätten Arbeiter zwei Schichten hintereinander geleistet. Das bedeutet 16 bis 17 Stunden am Tag. Bezahlt wurde ihnen aber nur die erlaubte Arbeitszeit von 8 bis 9 Stunden.

«Hier geht es um systematische Missbräuche»

Wie hoch die Zahl der Betroffenen ist und um welche Geldsumme die betroffenen Arbeiter insgesamt geprellt wurden, ist aufgrund der Dokumentenlage schwierig einzuschätzen und Gegenstand von Ermittlungen der Tessiner Staatsanwaltschaft und des kantonalen Arbeitsinspektorats. Es dürfte mindestens um eine hohe einstellige Millionensumme gehen.

«Der Betrag ist sicher enorm», sagt Enrico Borelli vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund zur Zeitung. «Hier geht es um systematische Missbräuche. Wir erleben eine Lombardisierung des Tessins.» Denn italienische Firmen bezahlten nur auf dem Papier Schweizer Löhne, in Wahrheit würden diese umgangen oder etwa durch erzwungene Rückzahlungen auf italienisches Niveau gedrückt.

Angeschuldigte Unternehmen weisen Vorwürfe zurück

Auch Unia-Gewerkschafter Igor Cima, der viele Arbeiter getroffen hat, ist entsetzt: «Situationen dieser Art habe ich auf Grossbaustellen im Tessin noch nie vorgefunden», sagt er der «SonntagsZeitung». Die Unia-Vertreter sind überzeugt, dass sich die beiden Firmen nicht nur zivil-, sondern auch strafrechtlich schuldig gemacht haben. Von Urkundenfälschung, Nötigung und möglichem Wucher ist die Rede.

Die beiden angeschuldigten Unternehmen weisen alle Vorwürfe zurück. «Es gab weder exzessive noch doppelte Schichten», sagte Roberto Garilli, Baustellenleiter von GCF und Gefer, in der Fernsehsendung. Von Unregelmässigkeiten wollte er nichts wissen. Eine schriftliche Anfrage der «SonntagsZeitung» an die Unternehmensleitung in Rom blieb unbeantwortet.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 28.04.2019 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pfui

    Leider handelt Bern nicht. Dss hört erst auf, wenn die Strafen Existenzbedrohend sind und die Vorgesetzen persönlich mit ihrem Vermögen dafür haften.

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  • Krass am 28.04.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Wie schön wir es doch hier haben, Korruption en bloc. Das läuft übrigens bei diversen Baustellen von Kreiseln genau so.., Dauer 9 Monate für einen Kreisel, überlegend sie mal...

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  • N.Onsens am 28.04.2019 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mafiös

    Warum wundert mich das jetzt nicht ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfmann am 29.04.2019 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Beschaffungsregeln der EU

    Wieso vergibt man solche Arbeiten an italienische Firmen? Ah, die waren billiger und jetzt wissen wir sogar, wieso: Lohndumping. So muss es ja kommen, wenn man die Beschaffungsregeln der EU anwenden muss. Rahmenabkommen?

  • Markus im AG am 29.04.2019 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestandteil der NWO

    ist die sogenannte Kapitalistische Martktwirtschaft. Denkt jemand von Euch wirklich das sich Unternehmensbesitzer von der kleinen Schweizer Gesetzgebung einschränken lassen? Das würde ja bedeuten der eigene Gewinn wird kleiner und die mit den schmutzigen Händen erhalten mehr. Nein Nein so wird das Geld nicht verteilt.

  • Büezer am 29.04.2019 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Das gibt's überall!

    Heute wieder 11 Stunden, bezahlt werden 8. Jeden Tag gibt's Überstunden weil die Organisation unüberlegt ist und es Personal fehlt. Immer die gleichen Ausreden; Es wird bald besser! Das in der Elektro und Metallbau Branche.

  • Trauer am 29.04.2019 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Bin stolz auf die Schweiz. Da riskieren diese Männer ihr Leben, arbeiten unter widrigsten Bedingungen und gefährden noch ihre Gesundheit und erhalten nicht mal einen anständigen Lohn und die Regierung kümmert es nicht, obwohl sie vom Ausbau rege profitieren.

  • Bau Chnusti am 29.04.2019 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fachbegriffe

    Wass steckt den nun hinter dem Fachbegriff "Generalunternehmerhaftung"... es wird sich wohl zeigen. Denn gemäss diesem Fachbegriff wäre auch Alptransit (als "Schirmherrin") in der Verantwortung... jetzt scheint mir jedenfalls langsahm einzuleuchten, wesshalb die SBB den Gotthard- und den Ceneri-Tunnel an das Konstruckt "Alptransit" ausgelagert hatt...