Grafische Industrie

02. Dezember 2008 21:47; Akt: 02.12.2008 21:54 Print

Arbeitgeber signalisieren Ende des GAV-Konflikts

Im Konflikt über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) in der grafischen Industrie ist nach Darstellung der Arbeitgeber ein Durchbruch in Sicht.

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Die Sozialpartner hätten sich in wesentlichen Punkten geeinigt, meldete der Schweizerischer Verband für visuelle Kommunikation (Viscom) am Dienstagabend.

An der sechsten Verhandlungsrunde verständigten sich die Sozialpartner laut der Mitteilung auf eine substanzielle Anpassung der Minimallöhne. Diese sollen zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 1. Januar 2010 je nach Qualifikation der Mitarbeitenden um bis zu neun Prozent angehoben werden. Letzte Differenzen in der Ausgestaltung der Jahresarbeitszeit seien ausgeräumt worden. In der Frage des Anspruchs auf Lohnzahlung bei Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit einigten sich die Sozialpartner laut Viscom neu auf eine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber von 90 Prozent des Bruttolohnes während längstens 720 Tagen pro Fall.

Eine erste Annäherung sei auch bei der Neugestaltung der Zuschläge für Nacht- und Schichtarbeit erzielt worden. Viscom schlug laut eigenen Angaben eine stufenweise Rückbildung der heutigen Zuschläge von 100 auf 80, dann 70 und schliesslich 60 Prozent auf den 1. Januar 2011 vor, wobei die Unternehmen und die Arbeitnehmenden auch weiterhin Zuschläge bis 100 Prozent vereinbaren können. Unverändert sollen die Zuschläge von 100 Prozent bei den Zeitungsdruckereien bleiben. Die Sozialpartner manifestierten ihren festen Willen, an der nächsten Verhandlungsrunde vom 15. Dezember 2008 die Verhandlungen zu einem neuen GAV in der grafischen Industrie erfolgreich abzuschliessen, wie es in der Mitteilung heisst.

Am Vormittag hatte es noch nach einer Verhärtung der Fronten ausgesehen. Rund 300 Angestellte aus Druckereibetrieben der ganzen Schweiz protestierten in Bern gegen die drohende Verschlechterung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV), wie die Mediengewerkschaft comedia mitteilte. Die Kundgebung fand am Rande der Verhandlungsrunde statt. Die Protestierenden kritisierten, dass die Arbeitgeber unter anderem die bisherige Zulage für Nacht- und Schichtarbeit halbieren, die Arbeitszeiten im Rahmen eines weitgehenden Jahresarbeitszeitmodells weiter deregulieren und die Löhne real senken wollten. Den Teuerungsausgleich und eine generelle Lohnerhöhung habe Viscom in den laufenden Verhandlungen bisher kategorisch abgelehnt, hiess es.

(ap)