0,5 bis 1 Prozent mehr Lohn

18. Dezember 2017 09:44; Akt: 18.12.2017 09:47 Print

Arbeitgeber wegen Lohnrunde in der Kritik

0,5 bis 1 Prozent Lohnerhöhung sind den Arbeitnehmerverbänden nicht genug. Arbeitgeber und Politik müssten sich mehr für die Schweizer Angestellten einsetzen.

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Travail Suisse ist mit dem diesjährigen Lohnherbst nicht zufrieden. Der Hauptkritikpunkt des Arbeitnehmer-Verbands ist, dass Angestellte wenn überhaupt nur sehr geringe Erhöhungen erhalten, obwohl es der Schweizer Wirtschaft immer besser geht. Für einen Grossteil der Arbeitnehmer steigen die Löhne um 0,5 bis 1 Prozent, was laut dem Dachverband zu wenig ist.

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«Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und die Produktion brummt», sagte Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse, an der Pressekonferenz des Verbands. Das Seco, KOF und BAK Basel würden für das nächste Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu 2,4 Prozent rechnen. Doch von der positiven Entwicklung und den «blendenden Aussichten» hätten Arbeitnehmer bisher zu wenig profitieren können.

«Arbeiter werden nicht mehr Geld haben»

Laut Arno Kerst, Präsident der Gewerkschaft Syna, werden Arbeitnehmer mit diesen nominal vereinbarten Lohnerhöhungen nicht mehr Geld im Portemonnaie haben. Dies, weil auch die Preise in der Schweiz und die Krankenkassenprämien steigen.

Kerst kritisiert zudem die Politik. Sie würde den Arbeitsvertrag und den Gesundheitsschutz «frontal angreifen». Konkret befürchtet Kerst, dass durch eine Aufhebung der Arbeitszeiterfassung, wie sie die Initiative von Ständerätin Keller-Sutter für viele Schweizer Angestellte vorsieht, der ausbezahlte Lohn von der geleisteten Arbeitszeit getrennt wird. Die Folge wäre laut Kerst vor allem vermehrte Gratisarbeit.

Gratisarbeit würde die leichten Erhöhungen der Saläre allerdings im Nu rückgängig machen. Die gewährten Lohnerhöhungen würden schon durch wenige Minuten unbezahlter Überzeit pro Tag komplett ausgeglichen.

Verpasste Gelegenheit, Frauenlöhne zu erhöhen

Da die Lohnerhöhungen so bescheiden ausgefallen seien, hätte man wenigstens bei den Mindest- und Frauenlöhnen oder bei der Regelung zum Vaterschaftsurlaub ein Zeichen setzen können, wie Fischer von Travail Suisse sagt. Doch auch das hätten die Arbeitgeber versäumt.

Auf freiwilligem Weg sei die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern nicht zu erreichen. Fischer bezeichnete die Versprechen der Arbeitnehmer diesbezüglich als «heisse Luft». Darum appellierte er an die Politik: «Es ist höchste Zeit, dass sich das Parlament endlich mit der Botschaft der Revision des Gleichstellungsgesetzes befasst.»

Lohn und Pensionskassen sollen getrennt bleiben

Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident des Personalverbands Transfair, sprach ebenfalls scharfe Worte an der Pressekonferenz. Er betonte vor allem, dass die Pensionskassenproblematik nicht mit der Lohnfrage verknüpft werden dürfe. «Der Vorschlag des Bundesrates, die Abfederungsmassnahmen für die Pensionskassen an den Verzicht auf Lohnmassnahmen in der Bundesverwaltung zu binden, kommt einer Sünde gleich», so Müller-Altermatt.

Immerhin gibt es laut Travail Suisse auch Lichtblicke: Der Anteil genereller Lohnerhöhungen habe zugenommen. Das reiche aber nicht. Sollte die Inflation anziehen, müssten laut dem Verband flächendeckende generelle Lohnerhöhungen zur Norm werden. Derzeit dominieren aber noch die individuellen Lohnmassnahmen.


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(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verfasser am 18.12.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald ist Weihnachten wie schön.

    Die höheren KK Prämien und die anziehende Teuerung werden die bescheidenen Lohnerhöhungen wieder wegfressen. Jedes Jahr das selbe Spiel. Wie lange noch?

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  • Franz S. am 18.12.2017 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    wirklich

    Ich denke wir können alle froh sein, dass es nicht -0,5% oder -1% sind. Bei den 'ehrenwerten' und 'aufrichtigen' Leuten sind es wohl +15%

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  • Raphi am 18.12.2017 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sich wehren

    Ich habe vor kurzem meinen Job gekündigt, weil ich bei gleichbleibenden Lohn immer mehr arbeiten musste und das bei einem 3 Schicht Modell. Alle die hier Schreien und Schimpfen, solange Ihr nicht die Verantwortung übernimmt, ändert sich rein gar nichts. Wenn ich als einzelner Protestiere passiert auch nichts, ich werde einfach ersetzt. Es geht nur wenn alle zusammen sich zur Wehr setzten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hubert am 19.12.2017 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nein warum auch

    Lieber das Geld in eigener Tasche stecken als den Schweizer mehr Geld geben. Das ist das Motto unseren Parteien, SVP,FDP und co. Sowie deren COS. Man will das Land in ein Kastenland verwandeln. Man will nur noch die reichen die anderen sind nichts.

  • manuela am 19.12.2017 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lohnerhöhung

    unsere personalkommission konnte 0.7% verhandeln.. wow, dass sind satt 40.- mehr bei mir im monat. die krankenkasse erhöhung ist aber teurer als 40.- geworden! geht nicht ganz auf und wirds auch nie bei den "normalen arbeitern".

  • Ron am 19.12.2017 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Lohn

    Ja,der Lohn ist eigentlich gut,am Anfang des Lohnzettels.Aber was dann in der ersten Sparte passiert ist zum heulen,und dann sind noch nicht mal die Rechnungen und Krankenkasse bezahlt,verschweige was für die Steuern gespart.Und Lebensmittel sind auch nicht gekauft ,ah dann ist ja noch die überteuerte Miete für unsere Abzocker in der Immobilienbranche.Ja dann brauchts schon mehr Lohn.

  • Ein Wähler am 19.12.2017 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so

    Anfangs 2018 dürfen wir wieder die Boni abklatschen. Wählt weiterhin SVP oder FDP, dann läufts noch jahrelang so weiter

    • Auch Ein Wähler am 19.12.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ein Wähler

      Ok nur die kosten mich nichts im gegensats zu den flüchtlings und Imigrationskosten, und die Zahlen 80 Prozent der Steuereinahnen, also bitte Bilden Sie sich bitte.

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  • Dornen röschen am 19.12.2017 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erwacht

    Seit bald zwanzig Jahren dieses Gejammer der Wirtschaft und doch leben die oberen Kader immer mehr in Saus und Braus, während ihre Angestellten kaum die Kosten der Kr.Kasse , geschweige denn einen Zahnarzt bezahlen können. Das voll ist am verarmen. Dabei arbeiten wir hier 44-50 Stunden pro Woche. Also einen Viertel länger als die umliegenden Länder. Es MUSS etwas geändert werden. Oder soll das überschüssige Geld weiterhin verbetoniert werden ?