Januar-Zahlen

08. Februar 2011 07:45; Akt: 08.02.2011 10:02 Print

Arbeitsmarkt vom starken Franken noch unbehelligt

von Balz Bruppacher - Der starke Franken hinterlässt noch keine Spuren auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit nahm im Januar entgegen dem üblichen Muster nicht weiter zu.

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Bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren waren Ende Januar lediglich 148 Arbeitslose mehr als im Dezember registriert, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mitteilte. Das ist die schwächste Zunahme zum Jahresbeginn seit 16 Jahren. Mit insgesamt 148 784 Arbeitslosen verharrte die Arbeitslosenquote auf dem Stand des Vormonats von 3,8 Prozent.

«Der Rückgang der Arbeitslosigkeit hat sich weiter fortgesetzt», sagte der Leiter der Direktion Arbeit im Seco, Serge Gaillard, auf Anfrage von 20 Minuten Online und verwies auf die saisonbereinigten Zahlen. Unter Ausklammerung der saisonalen Fraktoren wurden im Januar 3548 Arbeitslose weniger registriert als im Dezember. Es handelt sich um den elften Rückgang in Folge und um den stärksten seit dem vergangenen Juli. Diese Entwicklung deutet laut Gaillard darauf hin, dass die Beschäftigung auch im laufenden Winter weiter zugenommen haben dürfte.

Einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote gab es bei den Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren, und zwar von 4,0 auf 4,1 Prozent. In absoluten Zahlen nahm die Zahl der jungen Menschen ohne Job allerdings nur geringfügig zu, um 123 auf 22 450 Betroffene. Im Vergleich zum Januar letzten Jahres ging die Jugendarbeitslosigkeit jedoch um einen Viertel zurück. Gaillard machte zudem darauf aufmerksam, dass die Zahl der arbeitslosen Lehr-, Schul- und Studienabgänger auch im Januar weiter gesunken ist.

Die regionale Verteilung der Arbeitslosigkeit zeigt ein minim gestiegenes Gefälle zwischen der stärker betroffenen lateinischen Schweiz und der Deutschschweiz. Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnet nach wie vor der Kanton Genf mit 6,9 Prozent; am tiefsten ist die Arbeitslosigkeit in den Kantonen Obwalden und Appenzell-Innerrhoden mit je 1,1 Prozent.

Die Zahlen zur Kurzarbeit und zu den offenen Stellen passen ebenfalls ins Bild des robusten Arbeitsmarkts. Im November fielen noch 393 320 Arbeitsstunden wegen Kurzarbeit aus. Das waren 11 Prozent weniger als im Vormonat und 84 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der offenen Stellen stieg im Januar um 2414 auf 17 921.

Gaillard geht aber weiterhin davon aus, dass die Aufwertung des Frankens zu einer deutlichen Konjunkturabschwächung führen wird. Vom kommenden Frühling an dürfte das auch auf dem Arbeitsmarkt zu spüren sein. Der SECO-Fachmann rechnet deshalb damit, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei 3,4 Prozent zum Stillstand kommt.

Sprunghafter Anstieg der Aussteuerungen im April erwartet

Die Zahl der Arbeitslosen, die ihre Berechtigung auf Unterstützung der Arbeitslosenversicherung verloren haben, stieg im November letzten Jahres auf 3110 und damit auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren. Mit dem Inkrafttreten der Leistungskürzungen der Arbeitslosenversicherung am kommenden 1. April werden die Aussteuerungen weiter ansteigen. Zehn bis zwölf Prozent der Arbeitslosen dürften die Berechtigung auf Taggelder verlieren. Das entspricht rund 16 000 Betroffenen.

«Wir hoffen aber nach wie vor, dass es weniger sein werden», sagte Gaillard und verwies auf die laufenden Informationsbemühungen der RAV. Rund 40 Prozent der potenziell Betroffenen seien junge Menschen. Bei ihnen sollten die verstärkten Anstrengungen, einen Job zu finden, am ehesten zum Erfolg führen. Der Arbeitsmarktspezialist im SECO widersprach ausserdem Angaben, wonach ein Drittel der Ausgesteuerten künftig Sozialhilfe beanspruchen werden. Verschiedene Studien zeigten, dass der Prozentsatz der Sozialhilfebezüger bei den Ausgesteuerten zwischen elf und 15 Prozent liege.