Rückgang

22. Dezember 2008 10:23; Akt: 22.12.2008 15:19 Print

Arbeitsproduktivität nimmt weiter ab

In der Schweiz hat die Arbeitsproduktivität im dritten Quartal 2008 weiter abgenommen. Der Grund: Trotz der Wirtschaftsflaute hielten sich viele Unternehmer beim Abbau von Arbeitsplätzen noch zurück.

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Die Konjunktur schwächelte zwar vom Juli bis September - gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft stagnierte das Bruttoinlandprodukt im Vergleich zum Vorquartal. Dennoch erhöhten die Unternehmen die Zahl der Beschäftigten noch stark (+2,0 Prozent zum Vorjahr).

Das führte zu einem deutlichen Rückgang der Produktivität, wie BAK Basel Economics am Montag mitteilte. Der im Auftrag der Nachrichtenagentur SDA ermittelte Stundenproduktivitätsindex sank zum Vorquartal um 0,3 Prozent auf 117,7 Punkte (1994 = 100).

Damit setzte sich der seit Anfang Jahr festgestellte Rückgang der Produktivität fort. Diese sank im ersten Quartal um 0,5 Prozent und im zweiten Quartal um 0,4 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Produktivität im dritten Quartal um 1,2 Prozent. Ein ähnlich starker Rückgang war zuletzt im ersten Quartal 2003 verzeichnet worden. Noch deutlicher fiel der Rückgang einzig im zweiten Quartal 1999 aus (-2,1 Prozent).

Von der Flaute überrascht

Der SDA/BAK-Index bestätigt ein Muster: Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hinkt der Konjunktur hinterher. Denn viele Unternehmen können - oder wollen - nicht sofort mit einem Abbau von Stellen auf eine nachlassende Nachfrage reagieren.

Das Muster war im dritten Quartal gemäss Einschätzung von BAK Basel Economics jedoch besonders ausgeprägt. Nach einem robusten ersten Halbjahr seien viele Unternehmen vom starken und schnellen Abschwung überrascht worden.

Zwar nahm im dritten Quartal die Kurzarbeit zu. Die Zahl der ausgefallenen Arbeitsstunden bewegte sich aber auf einem tiefen Niveau. Die dem SDA/BAK-Index zugrunde liegende Schätzung des Arbeitsvolumens wurde von der Kurzarbeit nur minimal beeinflusst.

Mit höheren Arbeitspensen

Wesentlich stärker machte sich indes bemerkbar, dass Arbeitspensen aufgestockt wurden. Das ist laut BAK Basel Economics ein Indiz dafür, dass viele Unternehmen immer noch Schwierigkeiten hatten, Personal zu finden.

Die Unternehmen reagierten mit einer Erhöhung der Arbeitszeit auf die Engpässe. Die durchschnittliche Arbeitszeit je Beschäftigten nahm im dritten Quartal im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent zu - trotz erhöhter Kurzarbeit.

Optimismus fehl am Platz

Angesichts der in den letzten Wochen regelrecht eingebrochenen Konjunktur besteht aber kein Anlass für Optimismus: BAK Basel Economics erwartet, dass die Unternehmen ihre Beschäftigungspolitik zunehmend den revidierten Absatz- und Ertragsaussichten anpassen.

Das heisst: Die Kurzarbeit nimmt zu, es dürfte auch vermehrt zu einem Stellenabbau kommen. BAK Basel Economics erwartet für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts um 0,7 Prozent. Das dürfte die Arbeitsproduktivität auch in den kommenden Quartalen drücken.

(sda)