Banken unter Druck

11. Juli 2016 11:14; Akt: 11.07.2016 11:14 Print

Auch Sie müssen mit Negativzins rechnen

von Isabel Strassheim - Als Folge des Brexit drohen noch tiefere Negativzinsen. Und sie könnten nicht nur Banken und grössere Unternehmen, sondern auch Privatleute treffen.

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Werden Sparer bald mit Negativzinsen bestraft, wenn sie ihr Geld auf die Bank bringen? (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Nach dem Entscheid der Briten gegen die EU erwartet ein Teil der Ökonomen wegen der sich verschärfenden Wirtschaftslage eine weitere Zinssenkung: Europäische Zentralbank und in Folge auch die Schweizerische Nationalbank könnten im September die Zinsen noch tiefer ins Minus drücken. Und dann könnten auch private Sparer der Bank fürs Hüten ihrer Guthaben eine Gebühr zahlen müssen.

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Was würden Sie tun, wenn Ihre Bank Ihnen Negativzinsen belastet?
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Chefökonom Karsten Junius von der Basler Bank J. Safra Sarasin geht davon aus, dass der Zins in der Schweiz auf minus ein Prozent fällt, wie er gegenüber 20 Minuten betont. Das heisst, die Banken werden für das Geld, das sie über einem bestimmten Freibetrag hinaus bei der Zentralbank deponieren, noch stärker zur Kasse gebeten.

Druck auf Banken steigt

Damit steigt der Druck, diese Gebühr auch an die Privatkunden weiterzureichen. Es ist durchaus möglich, dass auch private Sparguthaben ab einer gewissen Höhe mit dem Negativzins belastet werden», erläutert Chefökonom Junius. Denkbar wäre etwa eine Gebühr für Vermögen ab 100'000 Franken.

Die UBS gibt den Negativzins bislang nur an Unternehmen weiter. Das könnte sich ändern, sagt der Chef der Grossbank, Sergio Ermotti, im Interview der «SonntagsZeitung»: Wenn die Nationalbank «ihren Kurs massiv verschärft», könnten vermögende Privatpersonen für ihr bei der Bank deponiertes Geld zahlen müssen. Ermotti hatte dies zwar schon einmal im Mai in Aussicht gestellt. Nach dem Brexit-Votum ist dieser Schritt nun aber noch näher gerückt.

Chefökonom Junius warnt jedoch vor den Konsequenzen eines Negativzinses für Private: «Die logische Folge wird dann sein, dass Aktien und Immobilien dann noch gesuchter sein werden.» Vor allem aber werde die Flucht in Bargeld dann ein Thema. «Zum Teil auch für Pensionskassen.»

Auch der Chefökonom der Credit Suisse, Oliver Adler, betont gegenüber 20 Minuten, dass Negativzinsen für Sparkonten politisch und gesellschaftlich kaum gewollt sein können. Eine Flucht in Bargeld wäre auch weder im Interesse der SNB noch der Banken. «Aber letztlich wäre die Weitergabe von Negativzinsen ein geschäftspolitischer Entscheid der Banken», so Adler. «Im Moment sieht es nicht danach aus, dass die Profitabilität der Banken durch den Negativzins stark in Mitleidenschaft gezogen wird.» Die Banken fangen die Zinsgebühr nämlich bislang durch höhere Hypothekensätze auf.

Brexit verschärft die Situation

Die Zeichen stehen nun allerdings auf Sturm: Der Brexit schüttelt die Konjunkturaussichten und damit auch das Geschäftsmodell der Banken unerwartet durcheinander. Die Krise in der EU könne über Jahre eine lähmende Unsicherheit bringen, warnt Ermotti im aktuellen Interview: «Die heutige Lage hat eine andere Dimension als die Finanzkrise, eine systemische Dimension.»

Die Finanzkrise 2008 war vom Handel mit faulen Krediten-Papieren ausgegangen, das das Vertrauen in den Geldmarkt und die Banken untergrub. Der Kurssturz der Bank-Aktien in den letzten Wochen ist laut Ermotti aber nicht im mangelnden Vertrauen in die Banken begründet, sondern in ernsten Konjunktursorgen, die auch die Finanzinstitute trifft.

Derzeit müssen Banken in der Schweiz der Notenbank für Einlagen ab einem gewissen Freibetrag derzeit einen Zins von 0,75 Prozent bezahlen. In der Eurozone liegt der Einlagenzins derzeit bei minus 0,4 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni am 11.07.2016 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Sklave

    Dann habe ich Schuldzins Auf Hyphotek und Schuldzins auf Vermögen zahle Hohe Steuern Hohe Abzüge für Pensionskassen Krankenkassenprämie die in den Himmel steigt. Moderne Sklaverei finde ich.

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  • Taifunny am 11.07.2016 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts da

    Sobald ich als Kleinstsparer etwas zahlen muss damit ich ein Konto habe, kaufe ich mir einen Safe und sage Adieu zur Bank. So einen Unsinn mit den Banken mach ich nicht mit. Was arbeiten da eigentlich für Leute weltweit? Haben die irgendwas gelernt?

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  • Gustavo am 11.07.2016 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elite sahnt ab

    So wird die Mittelklasse zerstört. Die Reichen werden reicher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • I.O. am 12.07.2016 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Negativzinsen

    Ich hätte lieber Negativzinsen in der Höhe der heutigen Zinsens (-0.05%) und dafür keine Gebühren. Dan käme ich viel günstiger.

    • Supermario am 12.07.2016 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      So einfach ginge es!

      Wie kommst Du auf -0.05%; bei der SNB zahlt man für Einlagen bereits ca. -0.75% - -1.10%??? Und als Bank müsste man dann noch was draufschlagen (denke dann so ca. -1.50%) um kostendeckend sein zu können! Dann allerdings könnten die Banken auch ihre Hypos nochmals deutlich billiger anbieten.

    • Trebla am 12.07.2016 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      die Lösung

      naja, stelle fest alle 20 Sekunden Leser haben Millionen, somit ist die Aufregung zum Thema Negativzinsen verständlich. Leider vergessen, Aktien unterliegen keinem Negativzins aber bergen auch Risiken. Wer es kann und will get ht in Aktien!!

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  • Normalo am 12.07.2016 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur vorwaerts

    Bitte sofort einfuehren und eine dementsorechende Reaktion provoziren. Quinteszenz: Massenflucht von den Banken und nach dem die Banken sonst schon vom Image her angrschlagen dastehen Sturz ins Bodenlose. Dieser Schaden wird dann aber lange brauchen bis er wieder repariert ist.

    • Supermario am 12.07.2016 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      Echt?

      Ach was, sobald die erste Bank wieder 3% auf Spareinlagen zahlt, geht es Nullkommaplötzlich bis es wieder zurückfliesst. Im Safe ist und bleibt es immer bei 0%!

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  • Bunker am 12.07.2016 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Safe

    Als Kunde kann man ja einen Safe mieten und das Geld dort aufbewahren. Je nach Höhe der Negativzinsen lohnt sich das.

    • Heino am 12.07.2016 13:55 Report Diesen Beitrag melden

      Gut verstecken !

      Wenn es kracht, dann hat der Staat auch darauf Zugriff. Besser Geld vergraben und Stelle merken !

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  • aare manndli am 12.07.2016 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geld den reichen

    gebt den reichen immer mehr . neustes beispiel unternehmer steuerreform 3. der kleine tahlt immer mehr. der grosse immer weniger. aber wir haben ja so gewählt. arbeitsplätze verschwinden auch ohne steuerreform. da wir alle firmen ins ausland veekaufen und selber nichts mehr zu sagen haben, nur das die aktien steigen und die manager mehr boni bekommen und die reichen anleger mehr dividenden. solange das so weiterläuft muss man nicht erstaunt sein. wieso das ein grossteil der bevöllkerung das noch mitmacht da staune ich.

    • Supermario am 12.07.2016 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      Genau "das Geld der Reichen" :-)

      Komischerweise sollen ja eben die "Reichen" (Guthabensaldi über 100'000 sind wohl eher bei diesen zu finden) zuerst mit Negativzinsen belastet werden? Wie geht das denn argumentativ auf?

    • smartsuisse am 12.07.2016 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @aare manndli

      Sie können auch Dividenden kassieren, wenn Sie nicht reich sind. Die durchschnittliche Dividendenrendite im SMI liegt über 3%. Dir Raiffeisenbanken bieten beispielsweise Sparpläne an ab 50 Franken im Monat. So profitieren sie auch als Büezer vom Kapitalmarkt.

    • Logiker am 12.07.2016 20:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario

      Kann das Gejammere wegen der Negativzinsen nicht wirklich so nachvollziehen. Die Reichen können ihre Guthaben ja so verteilen, dass sie bei keiner Bank mehr als CHF 100'000.-- parkiert haben. Und schon werden sie als Kleinsparer wahrgenommen und die Negativzinsen schaden ihnen nicht mehr.

    • trebla am 12.07.2016 20:29 Report Diesen Beitrag melden

      tahlen oder nicht tahlen

      tahlen an die reichen ist, ja ich denke das ist eine frage des intellekts. der kleine hat vielleicht vergessen, dass der reiche mehr eintahlt. darum kann es sein, dass intellekt auch eine frage der möglichen eintahlung ist. alle tahlen etwas und andere weniger

    • Intellektueller am 12.07.2016 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      @trebla

      Die Frage von wo nach wohin sich er Reichtum verlagert, kann mit dem Nettovergleich zwischen Einnahmen und Ausgaben verschiedener Bevölkerungsschichten geklärt werden.

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  • Reto am 12.07.2016 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politikerversagen

    Wirklich kaum mehr zu glauben. Eine wirkliche Unverschämtheit - weniger der Banken, sondern ein Totalversagen der Politiker. Mobility Pricing, Steuern auf Fleisch, Negativzinsen auf Guthaben, immer höhere Krankenkassenbeiträge. ES REICHT!!!

    • M. Sigrist am 12.07.2016 20:44 Report Diesen Beitrag melden

      Politikerversagen?

      Das ist kein Versagen der Politik, sondern ein Systemfehler! Wer hat versagt? - Die Gesellschaft. Sprich: Du, ich, die Kommentarprüfer und alle anderen... Wir Schweizer sind nicht der Politik ausgeliefert, wie unsere Nachbaren (sollte man meinen).

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