Wegen Bankgeheimnis?

21. Februar 2011 17:04; Akt: 21.02.2011 17:31 Print

Ausländer holen Vermögen aus der Schweiz

von Balz Bruppacher - Gegenläufige Entwicklung in den Kundendepots der Schweizer Banken: Die Vermögen aus dem Ausland sind 2010 geschrumpft, dafür legen Inländer immer mehr Gelder an.

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In den Kundendepots der Schweizer Banken lagen Ende 2010 weniger Wertschriften als ein Jahr zuvor. (Bild: Keystone)

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In den Kundendepots der Schweizer Banken lagen Ende 2010 Wertschriftenbestände in der Höhe von 4,3 Billionen Franken. Das waren 45 Milliarden Franken oder 1,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Wie dem Monatsheft der Schweizerischen Nationalbank (SNB) weiter zu entnehmen ist, ist der leichte Rückgang ausschliesslich auf die schrumpfenden Vermögen ausländischer Kunden zurückzuführen. Diese sanken um 91 Milliarden Franken oder 3,8 Prozent auf rund 2,3 Billionen Franken. Die Depots inländischer Kunden verzeichneten demgegenüber einen Wertzuwachs von 46 Milliarden Franken oder 2,4 Prozent auf 1,99 Billionen Franken.

Die weitere Aufschlüsselung der Statistik zeigt, dass die Kundendepots der Privatkunden innert Jahresfrist um 83 Milliarden Franken oder 7,1 Prozent auf rund 1 Billionen Franken schrumpften. Auch hier ist ein deutlicher Unterschied zwischen den Depots in- und ausländischer Bankkunden zu beobachten. Der Wert der Privatkundendepots aus dem Ausland sank überdurchschnittlich, und zwar um 64 Milliarden Franken oder 9,4 Prozent auf 617 Milliarden Franken. Bei den Depots inländischer Privatkunden machte der Rückgang 19 Milliarden Franken oder 4 Prozent auf 461 Milliarden Franken aus.

Ist das Bankgeheimnis schuld?

Bei der Interpretation dieser Zahlen ist insofern Vorsicht am Platz, als die Statistik der Nationalbank den Kursveränderungen an Börsen und bei Währungen nicht Rechnung trägt. Die Abgrenzung zwischen Privatkunden sowie kommerziellen und institutionellen Kunden ist zudem fliessend. Schliesslich ist bei den Privatkunden zu berücksichtigen, dass die Depots in- und ausländischer Kunden traditionellerweise unterschiedlich strukturiert sind. Die ausländischen Depots weisen einen höheren Aktienanteil und einen höheren Fremdwährungsanteil als die einheimischen auf.

In welchem Umfang es wegen der Aufweichung des Bankgeheimnisses gegenüber dem Ausland zu Abzügen vom Finanzplatz Schweiz gekommen ist, lässt sich mit der SNB-Statistik deshalb nicht belegen. Die Schweizerische Bankiervereinigung vermutet in einer kürzlich veröffentlichten Publikation, dass der Rückgang der Wertschriftenbestände ausländischer Privatkunden in erster Linie auf die Aufwertung des Frankens zurückzuführen sei. Laut dem Bankendachverband hat der Finanzplatz Schweiz seine dominierende Stellung in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung auf dem Weltmarkt mit einem Anteil von 27 Prozent behauptet.

Chancen für Schweizer Banken

Trotz des Paradigmenwechsels beim Bankgeheimnis sind die Chancen des Finanzplatzes Schweiz im Vermögensverwaltungsgeschäft nach Darstellung der Bankiervereinigung intakt. «Dabei kommt der Schweiz zugute, dass in diesen Zeiten der Schweizer Finanzplatz wieder verstärkt als sicherer Hafen für anlagesuchende Gelder gesehen wird», heisst es in der Broschüre. Sie setzt übrigens auch einen Kontrapunkt zu den in letzter Zeit zunehmenden Klagen aus dem Finanzsektor über den zu weit gehenden Swiss Finish in der Regulierung. «Mit deutlich über internationale Standards hinausgehenden Vorschriftensollen die Schweizer Volkswirtschaft und allen voran die Steuerzahler in Zukunft vor einer möglichen Schieflage eines der als systemrelevant geltenden Institute geschützt werden», schreibt der Dachverband der Banken.