Finanzplatz Schweiz

24. März 2011 16:04; Akt: 24.03.2011 16:04 Print

Auslandbanken liegen auf der Lauer

von V. Beck/G. Moinat - Während Schweizer Finanzinstitute drohen, ihre Aktivitäten ins Ausland zu verlegen, halten zahlreiche Auslandbanken an der Schweiz fest. Bald könnten es sogar noch mehr werden.

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Will ihre Präsenz in der Schweiz ausbauen: J.P. Morgan. (Bild: Keystone)

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Der Schweizer Finanzplatz bleibt trotz Querelen um das bröckelnde Bankgeheimnis populär bei internationalen Finanzinstituten. Gemäss dem Verband für Auslandsbanken in der Schweiz sind 151 ausländische Institute in der Schweiz präsent. Sie haben ihre Büros vorwiegend in Zürich und Genf. Die Auslandsbanken verwalten derzeit laut Geschäftsführer Martin Maurer rund 900 Milliarden Franken an ihren Schweizer Standorten. Und bereits heute ist jeder fünfte Banker in der Schweiz bei einem dieser Institute tätig.

Die internationalen Angriffe aufs Schweizer Bankgeheimnis haben allerdings auch in den Bilanzen der Auslandsbanken Spuren hinterlassen. 2009 brach der Jahresgewinn der ausländischen Geldinstitute um knapp 40 Prozent ein auf 1,95 Milliarden Franken. Und wie viele inländische Institute mussten auch die ausländischen Neugeldabflüsse in Milliardenhöhe hinnehmen.

Allzu optimistisch zeigt sich Verbandschef Maurer auch für das Jahr 2010 nicht. Die Auslandsbanken hätten nicht von den Abflüssen aus den Grossbanken profitiert wie andere Schweizer Privatbanken. «Ich erwarte daher eine eher gedämpfte Ertragslage. Und auch die Kundenvermögen werden geringer ausfallen», sagt er. 2010 werden sich die Jahresgewinne der Mitgliedbanken sogar erholen, aber nicht den Rückgag des Jahres 2009 wettmachen, prognostiziert er.

Anziehungskraft nicht verloren

Trotz gedämpfter Erwartungshaltung hat die Schweiz aber ihre Anziehungskraft auf die Auslandsbanken nicht verloren. Ein Beispiel dafür, dass die Schweiz immer noch als attraktives Pflaster gilt, ist die US-Bank J. P. Morgan. Sie hat seit den 1960er-Jahren Ableger in der Schweiz und will ihre Präsenz in den nächsten Jahren massiv ausbauen.

«Im Private Banking in Genf soll der Personalbestand von derzeit 650 Vollzeitstellen bis Ende 2013 jeweils zwischen 15 und 20 Prozent pro Jahr wachsen», bestätigt Martin Schütz, Leiter Corporate- und Investementbanking bei J. P. Morgan. Am Zürcher Standort sei zudem eine Verdoppelung des Personalbestandes auf 120 Vollzeitstellen geplant.

Die Bank habe gute Gründe für ihre massiven Ausbaupläne in der Schweiz, sagt Schütz. Und: «Wir expandieren überall dort, wo wir vielversprechende Wachstumschancen und interessante Rahmenbedingungen sehen.» Die Schweiz sei für J. P. Morgan «nicht zuletzt dank der tiefen Steuern und der stabilen Rahmenbedingungen» attraktiv.

Attraktiv wegen Unternehmensfinanzierung und Rohstoffhandel

Ein weiterer Vorteil sei, dass viele internationale Konzerne ihre europäischen Hauptsitze in der Schweiz ansiedeln und sich Genf und Zug zu starken Zentren im Rohstoffhandel und dessen Finanzierung entwickelten. «Neben der Vermögensverwaltung sind die Betreuung von multinationalen Konzernen und der Rohstoffhandel genau die Geschäftsbereiche, die wir ausbauen möchten», so Schütz.

Die Attacken auf das Schweizer Bankgeheimnis erachtet der Bankmanager nicht als dramatisch. «Sie tangieren die Geschäftsbereiche, in denen wir von Zürich aus tätig sind, nur marginal», sagt er. Ähnlich gelassen sehen es auch andere ausländische Finanzinstitute.

In zwei bis drei Jahren Neuzugänge

Zu einem Massenexodus ist es daher bisher nicht gekommen. Und Verbandschef Maurer verneint zudem, dass die Auslandsbanken ihr Engagement in der Schweiz während der Steuerdebatte angezweifelt hätten.

«Der Schutz der Privatsphäre der Kunden gilt ja immer noch. Nur im steuerlichen Bereich ist er nicht mehr absolut», sagt Maurer. Auch die rechtliche und wirtschaftliche Sicherheit sowie die Qualität der Dienstleistungen seien essenzielle Punkte, die den Schweizer Finanzplatz fit für die Zukunft machten.

Wegen der Unsicherheiten über die Rahmenbedingungen — insbesondere die Abgeltungssteuer im Private Banking oder die Eigenmittelanforderungen für Kapitalmarktgeschäften — würden zwar Standortentscheide derzeit noch aufgeschoben. «Doch in spätestens zwei bis drei Jahren werden wir neue Zugänge verzeichnen», schätzt Maurer.