Drohender Exodus

08. Juni 2011 16:06; Akt: 08.06.2011 17:15 Print

Auslandbanken wollen ins Ausland

Es tönt wie ein Witz, ist aber keiner. Die ausländischen Banken in der Schweiz überlegen sich Teile ihrer Administration ins Ausland zu verlegen.

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Die grössten Auslandbanken sind die HSBC Private Bank (Suisse), die Bank Sarasin und die Generali-Tochter BSI. (Bild: Keystone)

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Die ausländischen Banken in der Schweiz haben die Trendwende geschafft. Trotzdem überlegen sie sich eine teilweise Auslagerung ins Ausland. Grund ist der starke Franken. Denn die meisten Kosten fallen in Franken an, die Einkommen aber werden vornehmlich in Euro und Dollar erzielt. Einige Auslagerungen von Stellen ins Ausland, insbesondere in Funktionen ausserhalb Kundenbetreuung, stehen deshalb zur Debatte, wie der Verband der Auslandsbanken in der Schweiz am Dienstag mitteilte.

Die 153 Institute steigerten den Jahresgewinn 2010 gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent auf 1,965 Milliarden Franken. 2009 waren die Gewinne noch um 38 Prozent eingebrochen.

Mehr Beschäftigte

Die Zahl der Institute nahm zwar um 3 ab. 2010 nahm die Zahl der Beschäftigten aber um 3 Prozent auf 26 800 zu, davon sind rund 20 000 in der Schweiz angestellt.

Der Exodus und das grosse Kleinbanken-Sterben seien aber ausgeblieben, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Martin Maurer, vor den Medien in Zürich. Die Nettoneugelder entwickelten sich ziemlich stabil: Die Abflüsse überstiegen die Zuflüsse noch um 0,2 Mrd. Franken, nachdem der Rückgang im Vorjahr 14 Milliarden Franken betragen hatte.

Verwaltete Vermögen schrumpften

Die verwalteten Vermögen schrumpften auf 910 Milliarden Franken. Der Rückgang um 6 Prozent entspricht aber ungefähr dem Wechselkurseffekt, also dem Wertverlust von Fremdwährungsanlagen gegenüber dem starken Franken.

Rund ein Fünftel der Banker in der Schweiz arbeiten bei einer Auslandsbank. Die grössten Institute sind die HSBC Private Bank (Suisse), die Bank Sarasin und die Generali-Tochter BSI.

Bei Abgeltungssteuer zuversichtlich

Auf politischer Ebene wartet der Verband auf die von ihm unterstützten Verträge mit Deutschland und dem Vereinigten Königreich zur Abgeltungssteuer, die im Gegenzug den Marktzugang ermöglichen sollen. Er sei zuversichtlich, dass die Unterzeichnung bald erfolge, sagte Verbandspräsident Alfredo Gysi.

Er kämpft dafür, dass trotz des Drucks der OECD die Amtshilfe bei ausländischen Anfragen im Rahmen der Doppelbesteuerungsabkommen nur erfolgen kann, wenn ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen untersuchter Person und Steuervergehen bestehe. Ansonsten sei eine Anfrage auch mit Nennung von Namen oder Kontonummer zurückzuweisen.

Angesichts der Schuldenkrise in Euro-Ländern besteht aber auch ein Trend zu Geldanlagen in der Schweiz. Gysi, der auch Chef der Tessiner BSI ist, sagte, 90 Prozent der reichsten Kunden, die ihre Vermögen im Rahmen der italienischen Steueramnestie deklarierten, seien in der Schweiz geblieben.

(sda)

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