Starker Franken

15. Juni 2011 22:30; Akt: 15.06.2011 19:22 Print

Auslandsbanken nagen an Eurotief

von Elisabeth Rizzi und Gerard moinat - Auslandsbanken in der Schweiz denken laut darüber nach, ob sie fürs Kerngeschäft nötige Aufgaben ins Ausland verlagern. Schuld ist der starke Schweizer Franken.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unter dem starken Franken leidet nicht nur die Exportindustrie. Zunehmend stöhnen auch die 150 Auslandsbanken. Und diese sind nicht zu unterschätzen: Jeder fünfte Banker in der Schweiz arbeitet in einer Auslandsbank. «Heikel ist der Wertzerfall von Euro und Dollar für die Auslandsbanken gerade deshalb, weil die Erträge vor allem in Fremdwährungen, Aufwände aber in Franken anfallen», so Alfredo Gysi, Präsident des Verbandes der Auslandsbanken in der Schweiz und Chef der BSI.

Bei der BSI fielen die verwalteten Vermögen wegen des schwachen Euros und Dollars schon per Ende Jahr um 2,4% auf 76,2 Milliarden Dollar. Würde man nur in Euro rechnen, hätte das Vermögen dagegen um 16,6% zugenommen. Die HSBC Private Bank verliert laut ihrem Chef Alexandre Zeller für jeden Cent, den der Dollar gegenüber dem Franken fällt, 6 Millionen Franken. Der Effekt des Euros dürfte in derselben Grössenordnung sein. Gemäss dem Verband schrumpften die verwalteten Vermögen aller Auslandsbanken in der Schweiz 2010 um 6% auf 910 Milliarden Franken. Das entspricht dem Wertverlust der Fremdwährungsanlagen gegenüber dem Franken. Deshalb wird inzwischen laut über mögliche Gegenstrategien nachgedacht. Zeller von HSBC warnt: «Sollte der negative Währungstrend andauern, werden wir gewisse Aufgaben, etwa in der Back Office Administration, in andere Länder verlagern müssen.»