Im dümmsten Moment

16. Mai 2012 10:45; Akt: 16.05.2012 12:18 Print

Autogigant GM stoppt Werbung auf Facebook

Die Marketingleute des US-Autobauers General Motors glauben nicht mehr an die Wirkung ihrer Anzeigen auf dem sozialen Netzwerk. Ein Schlag ins Gesicht von Facebook – zwei Tage vor dem Börsengang.

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Der Facebook-Gründer hielt bisher 533,8 Millionen Aktien, wird sich aber von 30 Millionen trennen, um Steuern zu bezahlen. Sein verbliebener Anteil ist zum Startpreis von 38 Dollar je Aktie rund 19,1 Milliarden Dollar wert. Zudem wird er auch nach dem Börsengang fast 60 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Dieser junge Mann hatte das Glück, sich das Zimmer im Harvard-Studentenwohnheim mit Mark Zuckerberg zu teilen. Er wurde zu einem Mitstreiter in der Anfangszeit von Facebook. 2008 verliess er das Unternehmen, behielt aber seinen Anteil und will sich auch beim Börsengang nicht davon trennen. Die 133,7 Millionen Aktien sind zum Börsenstart knapp 5,1 Milliarden Dollar wert. Einst war er an der Musiktauschbörse Napster beteiligt und galt als «Bad Boy» des Silicon Valley. Doch Parker bewies ein ums andere Mal ein Gespür für gute Internet- Geschäftsideen, was ihn zum Milliardär machte. Bei Facebook war er der erste Präsident und half Zuckerberg, aus der Netzwerk-Idee ein Geschäft zu machen. Seine gut 69,6 Millionen Aktien sind zum Börsengang über 2,6 Milliarden Dollar wert. Er behält sie alle. Die Managerin, die von Zuckerberg persönlich bei Google abgeworben wurde, gilt als die Architektin von Facebooks Milliardenumsätzen. Der Börsengang wird sie zur Milliardärin machen: Zusammen mit bald fällig werdenden Optionen kommt sie auf rund 41,2 Millionen Aktien im Wert von über 1,56 Milliarden Dollar allein zum Ausgabepreis. Die Investmentfirma war durch ihren Partner, James Breyer (im Bild ganz rechts anlässlich einer Veranstaltung am WEF), unter den ganz frühen Facebook-Geldgebern - und das zahlt sich jetzt aus. 2005 steckte Accel 12,7 Millionen Dollar in das damals noch winzige Online-Netzwerk. Zuletzt hielten Breyer und Accel knapp 201,38 Millionen Aktien, die zum Börsenstart 7,65 Milliarden Dollar wert sind. Davon versilbern sie 49 Millionen Aktien beim Börsengang - das sind immerhin 1,86 Milliarden Dollar. Der russische Internet-Investor kam mit seiner Firma DST relativ spät bei Facebook an Bord und musste entsprechend einige hundert Millionen Dollar lockermachen. Er kann sich trotzdem auf einen fetten Gewinn freuen. Seine 131,3 Millionen Aktien sind knapp 5 Milliarden Dollar wert. Der Russe macht beim Börsengang ordentlich Kasse: Über 45,6 Millionen Aktien im Wert von 1,73 Milliarden Dollar werden verkauft - fast 20 Millionen Papiere mehr als Milner zunächst loswerden wollte. In einem Jahr darf er weitere Aktien abstossen. 2006 kaufte sich der Software-Konzern mit 1,6 Prozent bei Facebook ein und zahlte dafür 240 Millionen Dollar. Nun will Microsoft-Chef Steve Ballmer beim Börsengang 6,56 Millionen Aktien verkaufen. Dadurch bekommt er in etwa den Einstandspreis zurück. Die restlichen 26,2 Millionen Facebook-Aktien behält Microsoft im Wert zwischen Er soll einst Zuckerbergs bester Freund gewesen sein, und hatte viel Zeit und Geld in Facebook investiert. Doch dann wurde der brasilianisch-stämmige Eduardo Saverin von Zuckerberg und Sean Parker ausgetrickst. Savarin klagte zwar, doch ist unklar, wieviel Geld er herausholen konnte. Gemäss Forbes ist Saverin mit weniger als 5 Prozent der Aktien an Facebook beteiligt. Seit Januar 2009 steht er als «Mitbegründer» im Impressum von Facebook. Ihnen soll Mark Zuckerberg die Idee für Facebook gestohlen haben: Die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss hatten zu Studienzeiten ihren Kommilitonen Zuckerberg als Programmierer für eine soziale Website engagiert. Die beiden Parteien prozessierten, 2008 schien der Streit mit einem Vergleich abgeschlossen zu sein. Die Brüder versuchen aber weiter, Zuckerberg vor Gericht zu ziehen. Beim Börsengang von Facebook werden sie leer ausgehen. Es bleiben ihnen lediglich die aus dem Vergleich.

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Der grösste US-Autobauer General Motors (GM) ist auch einer der grössten Werbetreibenden in den Vereinigten Staaten. Nun hat ausgerechnet der Gigant seine Werbeaktivitäten auf Facebook überprüft und kommt zum Schluss: Die bezahlten Anzeigen haben nur wenig Einfluss auf die Konsumenten. Dies schreibt das «Wall Street Journal» (WSJ).

GM werde seine Präsenz auf Facebook zwar weiter ausbauen - jedoch über die normale Facebookseite des Unternehmens, über die es Inhalte ohne zusätzliche Kosten verbreiten könne, sagten die Marketingverantwortlichen. GM betreibt, wie viele andere Firmen auch, eine eigene Facebook-Seite unabhängig von den klassischen Anzeigen. Joel Ewanick, GM-Marketigchef, sagte, für den Autobauer seien diese Inhalte «effektiv und wichtig».

Werber werden zunehmend kritisch

Die Ankündigung von GM kommt für Zuckerbergs Netzwerk zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Facebook will bekanntlich am Freitag an die Börse gehen. Weil Werbung dessen Haupteinnahmequelle ist, dürften die Anleger auf die Nachricht entsprechend sensibel reagieren, glaubt der «Spiegel».

Generell könnte aber die Angelegenheit unter den Marketingexperten etwas auslösen. Gemäss WSJ hinterfragen die Werbefachleute zunehmend die Effizienz von bezahlter Werbung auf dem sozialen Netzwerk. Ein Problem ist, dass die Wirkung der Anzeigen nur schwer messbar ist. «Viele Firmen von Elektronik- bis hin zu Finanzdienstleistern sagen uns, dass sie nicht mehr sicher sind, ob Facebook der beste Ort ist, um ihr Budget für Social Marketing auszugeben», schrieb Nate Elliott, Analyst bei der Research-Firma Forrester, in einem Firmenblog.

Marketing will Messbares

Facebook müsse nun beweisen, dass es das weiche «Fan»-Modell in klar messbare und erfolgreiche Ergebnisse für die Marketing-Abteilungen konvertieren könne, sagte Craig Atkinson, Chief Digital Officer bei PHD, einer Media-Agentur. «Es geht darum, den Finanzleuten, die die Schecks für die Werbeausgaben unterschreiben, zu beweisen, dass die Werbeanzeigen funktionieren.»

Dennoch stehen die Chancen für Facebook, am Werbemarkt weiterhin kräftig abzusahnen, nicht schlecht: Viele Werber sind ebenfalls der Meinung, das soziale Netzwerk sei zu gross, um ignoriert werden zu können. «Solange Facebook das Nonplusultra bei den Nutzern ist, können es die Marketingverantwortlichen nicht ignorieren», fügte auch Atkinson hinzu.

Unternehmenswert über 100 Milliarden

Am Freitag soll Facebook an die Börse gehen. Das Unternehmen hat in den letzten Tagen die Angebotsspanne für die Papiere hochgeschraubt, weil die Nachfrage so gross war. Gemessen an der neuen Preisspanne von 34 bis 38 Dollar je Aktie liegt der Unternehmenswert nun zwischen 93 und 104 Milliarden Dollar.

Die Entwicklung der aktiven Facebook-Nutzer seit dem Gründungsjahr 2004.
Quelle: AP/Facebook

(egg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jan B. am 16.05.2012 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung Ende

    Ich hab mich noch die auf die Werbung konzentriert von Facebook. Blende ich schon automatisch aus.

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  • Mike am 16.05.2012 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Modeerscheinung

    Für mich persönlich ist Facebook eine Modeerscheinung, es macht(e) Spass und man konnte "alte" Leute wieder finden. Aber in der zwischen Zeit nutze ich Facebook kaum mehr und überlege mir den Account zu löschen.

  • Thomas Sweller am 16.05.2012 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schon vor 2 Jahren

    Unser Unternehmen hat alle Verindungen zu Facebook bereits schon vor 2 Jahren wegen Ineffektivität gekappt.Wir sind im Management zu dem Entschluss gekommen dass es sich bei FB mehr um einen Kinderspielplatz handelt als um eine ernstzunehmende Plattform um Kunden zu gewinnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascale am 16.05.2012 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Also ich klicke NIE auf die Werbung bei FB & nehme sie auch NICHT zur Kenntnis ;)

  • Ernst am 16.05.2012 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mal im Ernst

    90% aller Netzmenschen motzen zur Zeit über facebook. Davon konsultieren gemäss einer Studie 100% regelmässig ihr eigenes FB-Profil. Für den Rest ist FB lebensgrundlage, das sind die Teenies. Das Ganze ist ein riesen Theater und ihr alle seid in der Hauptrolle, weil ihr nicht mit dem Quatsch aufhören und einfach euren Account löschen könnt. Schluss mit Facebook, es geht auch ohne. Löscht euer Profil, es ist so einfach.

    • justus j. am 16.05.2012 17:35 Report Diesen Beitrag melden

      löschen geht eben nicht ;-)

      man kann sein konto eben nicht wirklich löschen nur deaktivieren. grund hierfür ist, dass facebook auf der einen seite weiterhin mit hohen nutzerzahlen angeben will und zum anderen wollen sie natürlich mit den weiterhin vorhandenen daten handel treiben bei der werbeindustrie. das wissen viele kiddies eben nicht.

    • C B aus L am 16.05.2012 18:02 Report Diesen Beitrag melden

      Weiter so

      Ich bin 21, ein sehr sozialer Student, und komme bestens ohne diese schwache Plattform aus. Das einzige Argument, welches ich höre: "Aber ich habe doch viele Kontakte nur über Facebook!" . Dann sage ich nur: Die sind es in keiner Weise wert. : )

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  • joschi aus zug am 16.05.2012 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiter so!!!

    facebook wird es bald nicht mehr geben,denn diese sind nur an eurem Geld interresiert! das hat mit socialem nichts zu tun. google+ ist viel besser.

    • Paladin am 16.05.2012 20:07 Report Diesen Beitrag melden

      Am Geld?

      Ich meine doch mehr an den Benutzerdaten. Wie war das nun mit dem CIA und Facebook? Was besser oder schlechter ist hängt doch bloss vom Stand des Lebenszyklusses ab. Google war mal cool, heute ist die Firma ein Gigant und bloss noch Mainstream. Ich bin gespannt auf den kleinen findigen Herausforderer, wie es einst Firefox beim Internetexplorer war, ebenso gespannt bin ich auf dessen Untergang, weil er zu gross und Kundenmissachtend wird. Kommt die Gier verschwindet der Idealismus.

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  • Aschi am 16.05.2012 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    je aggresiver und frecher, desto

    besser ist Werbung. Es ist eine Frechheit, wie heute Werbung an den Frau/Mann gebracht wird. Fernsehen automatisch lauter und nichts kann man dagegen tun. Werbung in Briefkasten rund um die Uhr. Handel mit Bettelbriefen bei Spenden.

  • Thomas am 16.05.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ende der Werbung bei FB

    Wir haben auch sämtliche Werbung bei FB gestoppt, weil man deren Prüderie nicht mehr aushält, nur weil wir einen Mann mit Bauch bei einer Kampagne zeigen wollten. Da ist mehr Erotik in jeder anderen Plattform zu sehen. Ist zwar nicht so viel wie bei GM aber immerhin auch ein paar Tausend im Monat. Ausserdem merken wir auch keinen Nutzen mehr an FB-Werbung, weil die Conversation nicht mehr stimmt.