Schlechtere Konditionen

27. September 2019 04:50; Akt: 27.09.2019 04:50 Print

Avec-Shops wehren sich gegen Valora-Kündigung

von Sandro Spaeth - Der Kiosk-Konzern hat die Verträge mit den selbstständigen Avec-Filialen gekündigt. Nun steigen die Betreiber auf die Barrikaden. Valora lasse sie ausbluten.

Bildstrecke im Grossformat »
Franchisenehmer von Valora wehren sich gegen den Kioskkonzern. Ihnen wurde der Franchisevertrag gekündigt. Der neue Agenturvertrag sei massiv schlechter, finden die betroffenen Unternehmer. Valora verzichtet künftig aufs Franchisesystem und setzt aufs Agenturmodell. Die Verträge mit den selbstständigen Unternehmern wurden im Juli gekündigt. Valora diktiert den Avec-Läden im Rahmen des Agenturmodells die Preise. Im Bild: Valora-CEO Michael Mueller (r.) und der Retail-Chef Roger Vogt. Die bisherigen Franchisenehmer sind unzufrieden: «Während Jahren habe ich selbstständig einen Avec-Shop aufgebaut. Mit dem Agenturmodell habe ich beinahe das gleiche Risiko, darf aber fast nichts mehr selbst bestimmen», sagt ein Avec-Shop-Betreiber zu 20 Minuten. Laut Valora können die Avec-Agenturpartner weiterhin als selbstständige Unternehmer im Valora-Netzwerk agieren, dabei Arbeitgeber ihres eigenen Personals sein und von unternehmerischen Freiräumen profitieren. Valora testet laufende neue Konzepte: Am 6. April 2019 gab es einen ersten Augenschein des kassenlosen Ladens von Valora in der grossen Halle des Zürcher Hauptbahnhofs. Die Avec Box besteht aus drei Containern und hat eine Fläche von 53 Quadratmetern. Hinzu kommt ein weiterer Container, der als Lager dient. Im neuen Ladenformat müssen Kunden künftig nicht mehr an der Kasse anstehen. (Im Bild: Visualisierung des Ladenkonzepts) Ziel von Valora ist es nach wie vor, im Laufe des Frühjahrs die Avec Box am Bahnhof Wetzikon zu eröffnen. Danach ist laut Valora ein Roll-out in weiteren Regionen der Schweiz angedacht. Migros-Tochter Migrolino zieht nun nach und plant, sogenannte Minishops nach dem gleichen Konzept zu eröffnen. Laut Migrolino-Chef Markus Laenzlinger soll das Konzept in Städten oder auch Shell-Tankstellen umgesetzt werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Noch im Februar hatten die selbständigen Avec-Betreiber Grund zur Hoffnung: Auf einer Veranstaltung für Franchisenehmer, Agenturleiter und Geschäftsführer im Berner Kursaal betonten die Valora-Topmanager, wie wichtig die Franchisenehmer als Partner für den Kioskkonzern seien. Bei den Avec-Shops setzte Valora nämlich während Jahren auch aufs Franchisesystem. So zahlten 30 eigenständige Unternehmer monatlich eine Franchisegebühr und führten über 50 Läden auf eigenes Risiko.

Umfrage
Kaufen Sie bei Avec ein?

Der Schock kam im Sommer: Valora kündigte den Franchisenehmern die Verträge per Ende Jahr und stellte ihnen einen Agenturvertrag in Aussicht. Das Problem: Die neuen Konditionen sind laut den Avec-Betreibern massiv schlechter. 20 Minuten weiss von fünf Fällen, in denen sich Avec-Unternehmer mit Hilfe von Anwälten gegen Valora wehren. Sie monieren, die Kündigung sei missbräuchlich, da es sich um eine Änderungskündigung zur Durchsetzung schlechterer Vertragsbedingungen handle.

Bleibt am Ende ein Verlust?

Die Franchise-Nehmer führen etwa zu tiefe Provisionssätze ins Feld und argumentieren, der erzielbare Ertrag liege beim Agenturvertrag massiv tiefer. Und das, obwohl das wirtschaftliche Risiko fürs Personal allein bei der Avec-Agentur sei. Nehme man den budgetierten Umsatz für ein mässiges Geschäftsjahr 2019 als Vergleichsgrundlage, bleibe gar ein Verlust von mehreren zehntausend Franken.

Eine Valora-Sprecherin sagt auf Anfrage: «Uns ist bekannt, dass einzelne Franchise-Nehmer die Kündigung in Frage stellen.» Das Ziel ist laut Valora eine für beide Seiten langfristig erfolgreiche Geschäftsbeziehung. Zudem betont das Unternehmen, dass Valora nicht die Franchise-Verträge ändere, sondern das Franchising-System aufgrund einer Neuausrichtung ganz aufgebe.

«Die Konditionen sind zugunsten von Valora»

Die bisher selbstständigen Avec-Betreiber sind von den neuen Konditionen enttäuscht: «Valora lässt uns ausbluten. Die offerierten Konditionen sind teils willkürlich und immer zugunsten von Valora», sagt einer, der mehrere Avec-Läden im Franchise-System führt. Laut 20 Minuten vorliegenden internen Informationen haben schon bei den aktuellen Konditionen viele selbständige Avec-Filialen Probleme: Demnach hätten 2018 23 der rund 50 Franchise-Verkaufsstellen Verlust geschrieben, drei waren sogar überschuldet und gingen in Konkurs.

Die kolportierten Zahlen will Valora nicht kommentieren, wehrt sich aber gegen den Vorwurf der laut Kritikern willkürlichen Konditionen: «Das offerierte Provisionsmodell stützt sich auf unsere langjährigen Erfahrungswerte und ermöglicht erfolgreiches Unternehmertum», so eine Sprecherin. Valora betreibe in der Schweiz seit 2010 erfolgreich das Agentursystem, darunter etwa mit den K-Kiosken und den Brezelkönig-Ständen.

Welchen Einfluss hatte der SBB-Deal?

Die Avec-Betreiber vermuten als Grund für die Änderung der Konditionen den Sieg von Valora bei einer grossen SBB-Ausschreibung. Valora hat Ende April den Zuschlag für 262 Kiosk- und Convenience-Flächen an Bahnhöfen erhalten. Valora habe ein extrem offensives Angebot gemacht und etwa die Mietpreise zugunsten der SBB um rund 5 Prozent erhöht, so ein Franchisenehmer. «Dafür müssen wir nun büssen. Valora muss nun über die Agenturverträge zusätzliches Geld reinholen.»

Bei Valora heisst es dazu lediglich: Die Umstellung auf ein Partnersystem habe sich bei einem Verhältnis von rund 800 Agenturen zu rund 50 im Franchising geführten Verkaufsstellen nur schon aufgedrängt, um die Komplexität zu reduzieren.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Migu am 27.09.2019 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal Valora

    Natürlich wieder Valora die unteren Arbeiter zuwenig bezahlen dass die Aktionäre und die hohen Chefs noch mehr verdienen. Ist aber nicht nur bei Valora so auch bei anderen Konzernen

    einklappen einklappen
  • Alex am 27.09.2019 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Win to win

    Wegen solchen "Konzernen" oder Zwischenhändler sind Preise in der Schweiz so absurd hoch. So wie bei Taxis. Wir zahlen Unsummen für Taxifahrt . Taxifahrer muss aber Unsummen für diverse Abgaben an den Staat und " Taxikonzerne" zahlen. Wenn man diese Ausbeutung drosseln könnte würden wir alle davon profitieren. Bezahlbare Preise bedeutet mehr Konsum, mehr Kunden und letztendlich mehr Gewinn für den Betreiber.

    einklappen einklappen
  • Markus Zurfluh am 27.09.2019 05:40 Report Diesen Beitrag melden

    Never Franchise-Nehmer

    da ist man nur der Dumme mit $klaven Vertrag.. Es braucht keiner Franchise für eine gute Geschäfts Idee. Ich kaufe aus Prinzip nichts bei Valora das sind Firmen die Ihr Risiko dem kleinen abdrücken.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • James am 28.09.2019 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1x genötigt für Zusatzverkäufe

    Wer einen Knebelvertrag unterschreibt und auf ein wirtschaftliches Klumpenrisiko eingeht, ist selber Schuld. Ich hoffe die Sache geht im Sinne der Unterdrückten aus und Valora muss blechen. Ausser Zigaretten kaufe ich da sowieso nichts. Aber jedesmal, wenn ich in einen Kiosk oder Avec rein gehe, tun mir die dort arbeitenden Menschen leid. Das läuft einfach nicht und ist viel zu teuer.

  • Langschläfer am 27.09.2019 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Wein in alten Schläuchen

    Werden wir jetzt ein ähnliches Drama miterleben dürfen wie bei Swiss Life /Manor? Bringt das doch als neues Reality-Format live im TV.

  • Rebib am 27.09.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Suoer

    Habe mal in einem AVEC Shop gearbeitet. War die schlechteste Zeit. Hoffe durch die neuen Bedingungen werden die Arbeitsverträge und Verhältnisse besser für Angestellte

    • rutirina am 28.09.2019 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rebib

      Leider werden für alle die Bedingungen schlechter mit den neuen Verträgen! ValoraAG, die Unternehmung mit dem schlechtesten Ruf der Nation und dem ganzen Umfeld wo es sich bewegt!

    einklappen einklappen
  • Beobachter-In am 27.09.2019 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unter aller Würde

    In unserer Familie hst ebenfalls jemand für Valora gearbeitet. Unter aller Würde: schlechter Lohn, faire Mitarbeiterführung ein Fremdwort, Schikanen, unfähige Regionalleiter usw. Jedem sei gegönnt, dort nicht zu arbeiten!!!!

    • Robin am 28.09.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beobachter-In

      Danke für deine Offenheit im Kampf gegen diese unnötige Valora AG. Die Schweiz braucht eine solche unfaire, kriminell orientierte und nur auf sich bedachte Firma nicht.

    einklappen einklappen
  • michealeBodmer am 27.09.2019 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missbräuchliche Kündigung

    Liebe Franchisingsnehmer, die Kündigung ist offensichtlich missbräuchlich, nämlich dann, wenn es zu einer Verschlechterung der Bedingungen kommt. Also wehrt Euch und zeigt diesen Herrschaften der Valora AG die Stirn.

    • rosig seiler am 28.09.2019 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @michealeBodmer

      Korrekt. Ich als Betroffener werde nun diesen Ratschlag befolgen. Danke ich werde zu meinem Recht kommen. Eine solche Bude Namens Valora AG muss nun vor Gericht und dem Richter vorgeführt werden!

    einklappen einklappen