Falsche Lehrstellen

24. November 2010 23:00; Akt: 24.11.2010 21:11 Print

Avenir Suisse appelliert an Betriebe

von Alex Hämmerli - Es gibt nicht zu wenig Lehrstellen in der Schweiz, sondern die falschen. Avenir Suisse will das ändern.

storybild

Zwei Drittel der Jugendlichen machen eine Berufslehre. (Symbolbild: colourbox.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweiz ist ein Land der Berufslehre. Zwei von drei Jugendlichen entscheiden sich für diesen Weg. Im kommenden Jahr werden 65 000 ihre neue Lehre antreten. Im System ist aber der Wurm drin: «Es werden nicht die Leute ausgebildet, die die Wirtschaft braucht», sagt Patrick Schellenbauer, Ökonom bei der Denkfabrik Avenir Suisse. Das Problem liege in der Kosten-Nutzen-Rechnung. Für die meisten Betriebe lohnt es sich, Lehrlinge auszubilden. Im Schnitt verdienen die Unternehmen pro Auszubildendem 6200 Franken. In manchen Bereichen ist es deutlich mehr. Maurer bringen über die gesamte Lehrdauer beispielsweise einen Ertrag von 16 000 Franken, Elektromonteure sogar einen von 45 000 Franken. Die Folge: Es werden zu viele Lehrlinge ausgebildet. «Besonders schwierig ist deshalb der Berufseinstieg für Coiffeure, Bäcker und Metzger», weiss Bildungsforscher Emil Wettstein. In anderen Branchen ist das Gegenteil der Fall: «Bei den Informatikern und Telekom-Fachleuten, im Biotech- und im Gesundheitsbereich wächst das Nachwuchsproblem», warnt Schellenbauer. Denn: Die Lehrlinge kosten teils tausende von Franken.

Obwohl der Handlungsbedarf gross ist, sind die Lösungsansätze rar. Avenir Suisse appelliert an die Betriebe, mehr Lehrstellen anzubieten. Dass man defizitäre Ausbildungen querfinanziere, könne man dagegen kaum durchsetzen.