99 Prozent Zustimmung

03. Mai 2012 14:56; Akt: 03.05.2012 16:56 Print

Axel Weber mit Glanzresultat UBS-Boss

Das Resultat erinnert an Wahlen in der Sowjetunion, doch es kam bei der UBS zu Stande. 99 Prozent der Aktionäre wählten Axel Weber zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Grossbank.

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Stabsübergabe bei der UBS: Der abtretende Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger (links) erhält von seinem Nachfolger Axel Weber Zigarren als Abschiedsgeschenk. (Bild: Reuters/Arnd Wiegmann)

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Axel Weber kann auf das Vertrauen von knapp 99 Prozent der Aktionäre zählen. «Ich bin fest überzeugt, die UBS ist eine Institution, die eine hervorragende Zukunft hat», sagte der ehemalige Präsident der deutschen Bundesbank nach seiner Wahl in den Verwaltungsrat. Er wolle der UBS den Rest seines Berufslebens widmen, erklärte der 55-jährige am Donnerstag an der Generalversammlung, wo er das Glanzresultat bei der Wahl in den Verwaltungsrat erhielt. Im Anschluss an die Aktionärsversammlung wählte in das Gremium zum Präsidenten und Nachfolger von Kaspar Villiger.

Er betrachte sein Wirken als langfristige Verpflichtung für eine frühere Schweizer Ikone, sagte Weber. Er will der UBS wieder zu Glanz und Ansehen verhelfen: «Die Bank muss wieder dahinkommen.» Er sei bereits nach Zürich gezogen und habe die letzten Monate in der Schweiz genossen, sagte der Deutsche. Die Aktionäre spendeten daraufhin Applaus.

Weber würdigte die Leistung Villigers, der das Vertrauen in die UBS wiederaufzubauen half, und des ehemaligen Konzernchefs Oswald Grübel ausdrücklich und mehrfach. Sie seien in der Krise der UBS die Feuerwehr gewesen, nicht die Brandstifter und hätten eine sehr schwierige Aufgabe gemeistert.

Nicht nur Begeisterung

Zuvor wurde über die Gehälter der UBS-Manager abgestimmt. Diese stossen vielen Anteilseignern sauer auf. Die Zustimmung zum Vergütungsbericht erreichte an der diesjährigen Generalversammlung der Grossbank in Zürich nur gut 60 Prozent. Im Vorjahr hatten 64 Prozent der mehrseitigen Dokumentation über die Gehälter von Verwaltungsratsmitgliedern und Top-Managern zugestimmt. Die Abstimmung hat keinen bindenden Charakter.

Knapp 37 Prozent Nein-Stimmen bei rund 3 Prozent Enthaltungen dürften laut Kaspar Villiger für Axel Weber ein Grund sein, über die Gehälter nachzudenken. Gleichzeitig verteidigte Villiger die Lohnsysteme der Grossbank: Die Bank habe das ungute Anreizverhältnis zwischen hohen Löhnen und hohen Boni abgeschafft. Im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit seien gewisse Gehalts-Levels auch notwendig.

Ethos gegen Bericht

Höchstbezahltes Konzernleitungsmitglied war 2011 der Chef des Amerikageschäfts, Robert McCann mit 9,2 Mio. Fr. Gesamtvergütung aus Fixlohn und teils später ausbezahlten Boni. Seine Kollegen in der UBS-Führung erhielten im Schnitt über 5 Mio. Franken.

Zur Ablehnung des Vergütungsberichts hatten auch grosse Aktionärsverbände aufgerufen. Die Genfer Anlagestiftung Ethos gehörte dazu. Deren Direktor Dominique Biedermann monierte, dass der UBS-Aktienkurs innert Jahresfrist um 27 Prozent gesunken sei.

«Es stellt sich die Frage, wie hoch die variablen Vergütungen ausgefallen wären, hätte die UBS ein erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich gehabt», sagte er. Ablehnend hatten sich zuvor auch viele weitere Aktionäre geäussert, die sich an der GV in grosser Zahl zu Wort gemeldet hatten.

Widerstand bei Décharge

Knapp wurde es auch bei der Décharge: knapp 53 Prozent der vertretenen Stimmen sprachen sich für eine Entlastung der obersten UBS-Führung aus für das Jahr 2011 aus. Knapp 40 Prozent waren dagegen.

Verwaltungsratspräsident Villiger erklärte die vergleichsweise tiefe Zustimmung mit dem Händlerskandal in London, der im September 2011 die Bank erschüttert hatte. Grosse Aktionäre hatten sich offenbar kritisch zu den Massnahmen der UBS gestellt, welche einen Vorfall wie den damaligen 2,3-Mrd-Dollar-Verlust verhindern sollen.

Villigers letzter Auftritt

Schwächen im Kontrollsystem seien behoben worden, sagte Villiger. Dies habe die Bank erst am Vortag mitgeteilt - grosse Aktionäre hätten aber ihr Abstimmungsverhalten aber schon vorher festgelegt.

An der Generalversammlung der UBS, die dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert, hat der seit 2009 amtierende Verwaltungsratspräsident und ehemalige FDP-Bundesrat Kaspar Villiger seinen letzten Auftritt.

(sda)