Rekordverlust

21. Dezember 2016 21:29; Akt: 21.12.2016 21:29 Print

Axpo spaltet ihre Atomkraftwerke ab

von F. Lindegger - Der Stromkonzern Axpo machte im vergangenen Jahr 1,25 Milliarden Verlust. Nun organisiert der Konzern seine Geschäftsbereiche neu und sucht Investoren.

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Mit Atomkraftwerken lässt sich zurzeit kein Geld verdienen. Die Axpo blickt auch deshalb auf ein schlechtes Geschäftsjahr zurück. Grund sind vor allem die tiefen Strompreise im Grosshandel. Dieselben Probleme kennt auch der Stromkonzern Alpiq. Die Firma plant nun einen Anteil an ihrem Wasserkraftportfolio zu verkaufen. Im Bild: Jasmin Staiblin, CEO von Alpiq. Andrew Walo, CEO der Axpo, stellte am Mittwoch ebenfalls eine Umstrukturierung vor. Die Axpo spaltet erneuerbare Energien und Dienstleistungen in eine neue Firma mit dem Projektnamen Axpo Solutions ab. Neben den Atomkraftwerken verbleibt auch das neue Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern in der bisherigen Gesellschaft Axpo Power. Erst im September wurde das Mega-Kraftwerk eröffnet. Geld lässt sich damit vorläufig aber nicht verdienen. So sah die Baustelle auf der Muttalp im Sommer 2012 aus. Der auf rund 2500 Metern über Meer gelegene Muttsee ist Teil des neuen Pumpspeicherwerks Linth-Limmern. Im Bild: Bau der Staumauer im September 2013. Der neue Muttsee wurde dabei mit dem bereits bestehenden Limmernsee (Bild) verbunden. Damit lässt sich künftig Wasser vom tiefer gelegenen Limmernsee in den Muttsee pumpen. Anschliessend kann das Wasser wieder durch die Turbinen zur Stromgewinnung geschickt werden. Im Bild: Die neue Kaverne im Berg, wo später die Turbinen eingebaut wurden. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2013. Arbeiten in der Generatoren-Kaverne im Juni 2015. Mehrere kilometerlange Stollen wurden ausgebrochen, um die beiden Stauseen miteinander zu verbinden. Für den Bau des neuen Kraftwerks musste auch eine neue Transportseilbahn erstellt werden. Blick auf den Bauplatz Linthal in Tierfehd im Talboden im April 2014. Insgesamt kostete das neue Kraftwerk rund 2 Milliarden Franken.

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Die grossen Schweizer Energiekonzerne stecken in der Krise. Am Mittwoch gab Axpo einen Rekordverlust von 1,25 Milliarden Franken bekannt. Grund dafür sind vor allem Abschreiber und Rückstellungen in Höhe von 1,6 Milliarden Franken.

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Was sind die Gründe für den Riesenverlust?
Der Axpo setzen vor allem die tiefen Grosshandelspreise auf dem europäischen Strommarkt zu. Das hängt einerseits mit den tiefen Preisen für Kohle, Gas und CO2-Zertifikaten zusammen, andererseits aber auch mit den Subventionen für die erneuerbaren Energien. Vom rentablen Geschäft mit den Endkunden in der Schweiz kann die Axpo nicht profitieren. Dieses läuft in der Regel über kantonale und städtische Elektrizitätswerke, wobei die Konsumenten einen staatlich regulierten Strompreis bezahlen.

Alpiq will Anteile an seinen Stauseen verkaufen. Was macht die Axpo?
Laut einem Bericht der «Handelszeitung» wollte die Axpo ebenfalls Wasserkraftwerke verkaufen. Doch das Vorhaben ist offenbar gescheitert. Stattdessen plant Axpo sich aufzuspalten und gründet unter dem Arbeitstitel Axpo Solutions eine neue Unternehmenseinheit. Darin werden die erneuerbare Energie, das internationale Kundengeschäft sowie die Netz- und Asset-Vermarktung zusammengefasst. Ab 2019 sollen dann Investoren mit einem Minderheitsanteil an der neuen Firma beteiligt werden und der Axpo so neues Geld verschaffen. Mit diesem Geld will der Stromkonzern in jene Bereiche investieren, die weiterhin profitabel sind.

Was passiert mit den Atomkraftwerken?
Die Axpo ist Eigentümerin des AKW Beznau, zudem ist das Unternehmen an den AKW Leibstadt und Gösgen beteiligt. Die AKW-Sparte ist nicht Teil der neuen Axpo Solutions. Gleiches gilt auch für das erst im Herbst eröffnete Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern. Mit diesen Grosskraftwerken verdient die Axpo zurzeit kein Geld – und das dürfte vorläufig auch so bleiben. «Investoren können nun in Axpo Solutions investieren, ohne das Risiko der AKW tragen zu müssen», erklärt Felix Nipkow von der atomkritischen Schweizerischen Energie-Stiftung.

Bereitet die Axpo damit die Übergabe ihrer Atomkraftwerke an den Staat vor?
Bundesrat und Parlament wollen aus der Atomkraft aussteigen. Im Frühling gelangte ein Lobby-Papier der Alpiq an die Öffentlichkeit, das aufzeigte, wie die Firma ihre AKW-Beteiligungen einer staatlichen Auffanggesellschaft übergeben könnte. Nipkow kann sich «sehr gut vorstellen», dass das auch die Strategie der Axpo ist und die Abspaltung der AKW in eine eigene Firma ein erster Schritt dazu ist. Die Axpo verneint auf Anfrage solche Pläne.

Was, wenn die neue Strategie der Axpo nicht aufgeht?
Die Kantone Zürich (gut 36 Prozent) und der Kanton Aargau (28 Prozent) besitzen direkt oder über ihre kantonalen Elektrizitätswerke die grössten Anteile an der Axpo. Ebenfalls beteiligt sind die Kantone St. Gallen, die beiden Appenzell, Thurgau, Schaffhausen, Glarus und Zug. Sie müssten einspringen, falls die finanzielle Misere bei der Axpo weitergeht. Der Bundesrat hielt zwar vor gut zwei Jahren fest, dass die Axpo nicht «too big to fail» sei, laut Vontobel-Analyst Dominik Meyer könnten die Kosten eines Nichteingreifens der Eigentümer die Kosten einer Rettung aber schnell übertreffen: «Gerät die Axpo in massive Schwierigkeiten, kann das je nach Marktverfassung schnell weitere Kreise ziehen.» Denn die Axpo sei nicht nur mit anderen Stromkonzernen eng verflochten, sondern über Handelsgeschäfte auch etwa mit Firmen aus der Industrie.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anti Lobiisten am 21.12.2016 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Der Bürger zahlt...

    Sieh mir ganz danach aus, dass hier auf das Schiff der Zukunft gesetzt wird. Wir Steuerzahler dürfen dann neben den Netzgebühren auch noch Atomausstiegsgebühren zahlen. Der alte marode Tanker mit den AKW usw. wird dann auch noch dem Steuerzahler zugemutet. Jahre lang wurde viel Geld verdient und wir dürfen immer alles zahlen. Den Lobiisten sein dank...

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  • Waterpolo1s am 21.12.2016 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konkurs und dann oh weh !! :-((

    Dann können sie diesen Bereich in Kinkurs gehen lassen und dann sind wir Steuerzahler dran !!!! :-(((

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  • Martin am 21.12.2016 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    schön formuliert

    .... aber eigentlich meinen sie mit "neuen Investoren suchen" grundsätzlich "veräussern" ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kari Schütz am 22.12.2016 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern zahlen für Axpo-Verdiener

    Wie typisch: den Gewinn streichen private ein, den Verlust tragen wir Steuerzahler. Toll!

  • RolfLeiser am 22.12.2016 22:10 Report Diesen Beitrag melden

    Stilllegen

    Sollen doch die AKWs einfach abstellen, es sei ja genug Geld im Stilllegungs Fond. Oder ist das eine grosse Lüge?

  • Jwanovic am 22.12.2016 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Beznau I

    Beznau I steht seit bald 2 Jahren still. Die Strompreise sind im Keller. KKW rentieren nicht mehr. Trotzdem wird versucht den Reaktor wieder in Betrieb zu nehmen. Kosten alle Tage mehrere Millionen. Wäre gescheiter man würde mit dem Abbruch beginnen, wäre billiger.

    • citoyen am 22.12.2016 22:01 Report Diesen Beitrag melden

      Sie sind ein schlechter Unternehmer

      Sie würden also Ihre Firma abwracken und die Leute entlassen, nur weil das Geschäft nicht grad so läuft wie früher? Wenn beide Beznau produzieren, werden sie wieder 1,5 Millionen Haushalte mit Strom versorgen wie jahrzehntelang zuvor. Um diesen Strom zu ersetzen, müssten Sie 1240 grosse Solarkraftwerke vom Typ Neuendorf (grösstes Solarkraftwerk der CH) bauen. Da Sie gut rechnen können, dürfen Sie uns den Preis verraten.

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  • Barbara Sägesser am 22.12.2016 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit, dass ...

    die unrentablen und alten AKWs abgeschaltet und erneuerbare, saubere Energie gepusht wird. Aber eben -> Privatisierung, Gesetzgebung, Aktionärsmehr etc. etc. etc. Die nächsten Wahlen/Abstimmungen kommen. Wie diese Wohl ausgehen werden, wenn man dies alles einbezieht?

    • Dinu Probst am 22.12.2016 19:01 Report Diesen Beitrag melden

      Schon von der Umweltverschmutzung gehört

      In China wird bei der Solarzellenproduktion die Umwelt verschmutzt. In der Schweiz sterben Zugvögel und Fledermäuse wegen Windrädern. Und da die neuen Erneuerbaren keinen Bandstrom liefern braucht es noch Kohlekraftwerke dazu (genügend Speicher fehlen ja noch). Soo viel mehr CO2 ist nicht verantwortbar, auch wenn die in Deutschland ihre Kohlekraftwerke abschalten wollen. Aber auch so werden die ihre Klimaziele aus Paris nicht erreichen. AKW wären rentabel ohne die marktverzerrenden Subventionen der nEE in Deutschland.

    • Thomas J. am 22.12.2016 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dinu Probst

      Na dann google doch mal nach Yellow Cake, Ranger Mines und Wismut (ex DDR)! Alles sauber im Zusammenhang mit den AKW, denn das ist ja weeeit weg...

    • Df am 22.12.2016 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dinu Probst

      Ja da gebe ich ihnen teils recht. Aber was ist schlechter ein paar tote Zugvögel pro Jahr oder jedes Jahr atomar verseuchtesr Abfall. Und die Fische im Fluss neben dem AKW haben hitzestau.

    • Dinu Probst am 22.12.2016 20:41 Report Diesen Beitrag melden

      Die Fische können sich anpassen

      Die Fische können sich anpassen; kommen halt andere Arten. Ein Windrad-toter Vogel kann sich aber nicht mehr anpassen. Atomar verseuchter Abfall gibt es nicht. Das heisst Atommüll. Thomas J: Das würde im Wallis bestimmt sauberer gehen. Da haben wir auch Gesteine, die sich vom Urangehalt her zum Abbau lohnen würden. Hey Uran aus der Schweiz in neuen AKW, wir wären vollständig unabhängig. Erzminen für den Stahl der Reaktoren hätten wir auch in der Schweiz. Die ollen Solarpanels muss man ja aus China importieren. Wir Schweizer können's eben besser, weisst Du. Neue AKW ganz Swiss-Made :-)

    • Thomas J. am 22.12.2016 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dinu Probst

      Jaja klar, die Schweiz macht immer alles besser... Kölliken z.B.? Neue AKW? EPR z.B. welche schon seit über 10 Jahren im Bau sind und schon eine dreifache Kostenüberschreitung haben? Hoher Urangehalt? Ja, nur steig dadurch der CO2-Ausstoss zur Gewinnung jenseits der jetzigen 60mg/kWh Atomstrom einfach noch weiter an! Sehr clever...

    • Dinu Probst am 22.12.2016 22:01 Report Diesen Beitrag melden

      Sieh es positiv Thomas J.

      Egal welche Variante die Schweiz wählt. Viel schlimmer als mit den neuen Erneuerbaren in Deutschland kann es ja nicht werden. Somit bin ich zuversichtlich.

    • Thomas J. am 23.12.2016 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dinu Probst

      Hä? Deutschland hat bis jetzt schon 30% NEE aus dem Boden gestampft und es geht weiter! Am Schluss haben sie aber dank den Strombaronen und den Kohlegewerkschaftler immer noch 20% Kohlestrom und das können wir in der Schweiz ja locker besser machen!

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  • Realist am 22.12.2016 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Erneuerbare zu teuer für Schweiz

    Die Schweiz kann sich die neuen Erneuerbaren gar nie leisten. Da müssen nicht ein paar wenige CEO durchgefüttert werden sondern tausende von Sloar und Windlobbyisten. Das können wir uns garantiert nie leisten. Und dann noch der verschwindend kleine Ertrag aus Photovoltaik und Windkraft. Absolut nicht der Rede Wert. Die Energiestrategie 2050 wird wie die Energiewende in Deutschland scheitern. Am Schluss bauen wir dann wieder neue AKW. Dies ist einfach am sinnvollsten.