Konjunktur

17. Dezember 2015 07:52; Akt: 17.12.2015 10:50 Print

BIP-Prognose nach unten korrigiert

Die Schweizer Wirtschaft wächst schwächer als angenommen. Das Seco und die KOF haben ihre Prognosen gesenkt. Ganz neu ist die Voraussage für das Jahr 2017.

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Die Wirtschaft in der Schweiz wächst etwas weniger als prognostiziert: Wirtschaftsstandort Zug. (Archivbild) (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

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Der Frankenschock von Mitte Januar wirkt noch immer nach. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erwartet im laufenden Jahr ein Wachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,8 Prozent. Bisher war das Seco von 0,9 Prozent ausgegangen.

Die Schweizer Wirtschaft habe noch nicht wieder Tritt gefasst. In den vergangenen Quartalen hätten wichtige Konjunkturstützen, insbesondere die Bauwirtschaft, an Schwung eingebüsst, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Zwischen Januar und September stagnierte das BIP denn auch.

Arbeitslosenquote soll weiter steigen

Trotz der leichten Entspannung der Wechselkurssituation geht die Expertengruppe des Bundes davon aus, dass sich die hiesige Konjunktur nur langsam erholen wird. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr liegt unverändert bei 1,5 Prozent. Neu gibt das Seco auch eine Prognose für 2017 ab. Demnach soll das BIP um 1,9 Prozent zulegen.

Das langsame Tempo der konjunkturellen Erholung dürfte den Arbeitsmarkt auch in den kommenden Quartalen weiter belasten, heisst es im Kommentar des Seco. Für das laufende Jahr gehen die Ökonomen von einer Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent aus. Im kommenden Jahr werde die Quote durchschnittlich bei 3,6 Prozent liegen und erst 2017 wieder auf 3,4 Prozent zurückgehen.

US-Geldpolitik als erheblicher Risikofaktor

Im Kommentar zur vierteljährlichen Konjunkturprognose benennt das Seco verschiedene Risiken für die Schweizer Wirtschaft. Insbesondere die Straffung der Zinsen in den USA könnte sich negativ auswirken.

Die erwartete Normalisierung der US-Geldpolitik stelle einen erheblichen Risikofaktor für die konjunkturellen Aussichten in den Schwellenländern und damit indirekt der Weltwirtschaft dar, schreibt das Seco.

Erhebliche Turbulenzen in Schwellenländern?

Wichtige Schwellenländer könnten infolge der Zinswende in den USA - angesichts ihrer ohnehin schon fragilen Verfassung - von erheblichen Turbulenzen und Kapitalabflüssen betroffen sein. Sollten daraus wiederum starke negative Effekte für die Industrieländer resultieren, hätte die Schweizer Wirtschaft nur noch geringe Wachstumschancen heisst es.

Grosse Risiken gehen gemäss den Experten des Bundes auch von der noch unklaren künftigen Regelung der Zuwanderung aus. Eine restriktive Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative mit einer starken Beschränkung der Zuwanderung könnte sich demzufolge negativ auf die Inlandnachfrage auswirken.

Auch KOF korrigiert Prognose

Auch die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich hat ihre Wachstumsprognose für das laufende und kommende Jahr nach unten korrigiert. 2015 gehen die Ökonomen noch von einem BIP-Wachstum von 0,7 Prozent und 2016 von 1,1 Prozent aus.

Die neuen Zahlen decken sich mit dem vor einer Woche publizierten KOF Consensus Forecast, der die durchschnittliche Konjunkturerwartung von 20 befragten Experten abbildet. Die Werte liegen etwas unter den Zahlen, die das KOF Anfang Oktober errechnet hatte (2015: 0,9 Prozent / 2016: 1,4 Prozent) und auch unter den Erwartungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) (2015: 0,8 Prozent / 2016: 1,5 Prozent).

Der durch die Aufhebung des Euromindestkurses ausgelöste Schock dürfte gemäss KOF erst ab Mitte 2016 mehr oder weniger verkraftet sein. Zwar seien die Auswirkungen der Frankenaufwertung weniger stark ausgefallen als befürchtet. Dennoch seien die Warenexporte nach einem deutlichen Rückgänge im ersten Halbjahr im dritten Quartal stagniert. Die Exporteure hätten dabei wiederholt ihre Preise senken müssen.

(ofi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernt Nemar am 17.12.2015 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bis morgen.....

    Morgen steht sicher in allen Zeitungen wie toll die CH Wirtschaft wächst und dass wir die Besten sind!

  • Godi am 17.12.2015 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    abwarten

    Mit zunehmender Deindustrallisierung wird in der Schweiz in den nächsten Jahren die Arbeitslosenquote über 5% steigen.

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  • ohne Ende am 17.12.2015 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ratespiel

    Das SECO kennt zwei 100 %ige, immer wiederkehrende Hochrechnungen: a) wir korrigieren nach OBEN b) wir korrigieren nach UNTEN und liegen damit meistens daneben........ aber keiner interessiert das! Die Wetterfrösche in der Innerschweiz raten viel besser als das SECO, nur viel günstiger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • David Krejci am 17.12.2015 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Augenwischerei

    Ums kurz und bündig zu sagen: wir sind mit unserem System am Ende!

    • Cartman1993 am 17.12.2015 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David Krejci

      Nein, wieso auch? Den Kapitalismus hat es immer gegeben und wird es immer geben, weil er die wandlungsfähigste Wirtschaftsform unter den Wirtschaftssystem darstellt.

    • Studiosus am 18.12.2015 01:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cartman1993: Falsch!

      Der Kapitalismus ist sehr neu in der Wirtschaftsgeschichte und entwickelte sich so ab Ende 18. Jh. Die vier Millionen Jahre vorher kannten keinen Kapitalismus. Auch heute sind grosse Teile der Schweizer Wirtschaft völlig frei von Kapitalismus: Landwirtschaft, Armee, öffentlicher Verkehr, Bildungswesen etc.

    • M.G. am 18.12.2015 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      Kapitalismus ist älter

      Das Wort Börse leitet sich vom Namen des Kaufmanns van der Burse ab vor dessen Haus in Brügge erstmalig im 15. Jahrhundert Wertpapiere gehandelt wurden. Da war die Hanse als erster globaler Konzern schon 150 Jahre alt. Nachdem die Fürsten unabhängige Städte gründeten generierten die hohe Steuererträge und von da an gingen der Ausbau der Handelsbeziehungen und die Gründung der Territorialstaaten Hand in Hand denn die Kaufleute wollten am Anfang und Ende ihrer Handelsreisen gleiche Rechtssysteme.

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  • Korega Tabs am 17.12.2015 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Dies Prognosen - erstellt von überbezahlten Akademikern - sind nichts wert. Man könnte eben so gut einfach ein paar Zahlen auf ein Blatt schreiben und Schimpansen die Auswahl überlassen... und wenn's dann nicht so ist, halt anpassen - genau so wie's jetzt auch gemacht wird. Würde Millionen für nichtssagende "Studien" sparen. Aber ja... wohin dann mit diesen "Hochstudierten Spezialisten"... Im Zoo machen sie weniger her als Schimpansen. Oder doch eine Option?

    • Eidgenosse am 17.12.2015 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Korega Tabs

      Ah ja? Und Sie wissen es alles besser als gut bezahlte Akademiker? Woher wissen Sie alles so gut? Sind Sie auch gut für Ihr Wissen bezahlt?

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  • Leser am 17.12.2015 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    die Leute desinformieren

    und wieviel davon ist Tatsache und wieviel arrangiertes und zweckgebundenes Getue der Finanzwelt?

    • Supermario am 17.12.2015 17:59 Report Diesen Beitrag melden

      So einfach

      Seco und SNB sind öffentliche (sprich von der Regierung eingesetzte) Institutionen und bilanzieren diesbezüglich (auch für die Wirtschaft und die Allgemeinheit) die Entwicklung. Wenn sie DICH nicht interessiert zwingt Dich niemand, das zu lesen!

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  • Angestellte am 17.12.2015 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    teures Blabla

    Hört mal auf "bippen" und meldet nur Fakten und Tatsachen und nicht jeden Tag was anderes, nützt eure kostbare Zeit für wichtigere Dinge, es ist auch so vieles nicht beeinflussbar!

    • Supermario am 17.12.2015 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      Vielleicht..

      aber messbar; mit irgendeinem Benchmark muss die Entwicklung ja gemessen werden. Ansonsten würde relativ schnell und aus der gleichen Ecke der Vorwurf kommen, dass die Regierung blind in den Tag hineinlebt!

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  • Samuel Schmidt am 17.12.2015 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung ist einfach

    Um den BIP zu erhöhen muss die CH-Wirtschaft billiger produzieren. Das kann man nicht mit den CH-Löhnen! Die Lösung ist einfach: Personal entlassen und ausländische Fachkräfte einstellen.