PR-Desaster

10. Juni 2010 18:10; Akt: 10.06.2010 18:10 Print

BP kauft das Internet

von Werner Grundlehner - Die Kommunikationspolitik von BP ist eine Serie von Fehlschlägen. Jetzt kauft der Erdölmulti die Resultate von Suchmaschinen. Die Meinung der Experten geht dazu diametral auseinander.

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BP gerät wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexico immer mehr in die öffentliche Kritik. Ob sich BP-Chef Toni Hayward noch lange halten kann ist höchst ungewiss. Doch anstatt das effektive Problem zu lösen, nämlich das Leck abzudichten und die Betroffenen zu entschädigen, flüchtet der Grosskonzern in eine wenig überzeugende Medienkampagne. Der neuste Coup: Die Briten kaufen die Suchresultate von Google, Yahoo und Microsoft (Bing).

Gibt man in den Internet-Suchmaschinen den Ausdruck «BP Ölkatastrophe» ein, sind 95 Prozent der Resultate sehr nachteilig für den Ölkonzern. Das will die britische Gesellschaft ändern. Aber nicht, indem sie für eine Flut von positiven Meldungen sorgt, sondern indem die Firma in die Suchresultate von Google und Co. investiert.

BP-Werbung statt sterbende Pelikane

Und so soll’s funktionieren: Bei Google kann ein Sonnenschirm-Hersteller beispielsweise Suchresultate zum Suchausdruck «Sonnenschirm» erwerben. Jedes Mal wenn ein Anwender über Google den Ausdruck «Sonnenschirm» eingibt, erscheint als erstes dieser «Sponsored Link» des Sonnenschirmherstellers.

Der Vorteil gegenüber herkömmlicher Werbung: Nur wer sich bereits für das Produkt interessiert, bekommt dazu Informationen und Angebote. BP hat nun Ausdrücke wie «Ölkatastrophe» und ähnliche erworben. Statt Youtube-Filme über sterbende ölverschmierte Pelikane, kommt man nun zuerst auf BP-Seiten, welche die Katastrophe aus Sicht des Konzerns darlegen.

Hurra von Kampagnen-Agentur

Die britische Greenlight Search ist begeistert. «Das ist der beste Schachzug, den BP im Moment machen konnte, um sein Image zu schützen», sagt Matthew Whiteway, Direktor für Unternehmenskampagnen in der Research-Firma. So könne der Konzern seinen Standpunkt in der Flut von Negativmeldungen klar machen. «Es ist ja niemand verpflichtet, die bezahlten Links anzuklicken», soh Whiteway. Er räumt ein, gewisse Kreise würden dies als verzweifelten Versuch interpretieren, die öffentliche Meinung vom Desaster abzulenken.

Pure, tödliche Verweiflung

Genau so sieht es Roger Huber, Präsident des Schweizerischen Verbandes für Krisenkommunikation: «Verzweiflung scheint mir in diesem Zusammenhang ein korrektes Wort zu sein. BP geht davon aus, dass man mit dem Kaufen von Search-Plätzen helfen kann, dass die Reputation nicht ganz kaputt geht». Zum jetzigen Zeitpunkt, also mehr als sechs Wochen nach dem Unfall im Golf von Mexiko, seien solche Manöver gänzlich ohne Wirkung.

Solche Manöver könnten höchsten gleich bei einem Ausbruch einen Reputationsschaden verzögern – aber auch das nur kurz. «Der mündige User lässt sich von solchen Störmanövern nicht blenden. Im Gegenteil, hier wird der User herausgefordert», so Huber. Das Vorgehen erwecke den Eindruck BP habe etwas zu verbergen: «Solche Signale sind für die Reputation tödlich».