Hausarrest in Athen

22. November 2018 22:26; Akt: 22.11.2018 22:26 Print

Banker befreit sich von Fussfessel und flieht

Banker Jean-Claude Oswald hat seine Fussfessel zerstört und ist aus dem Hausarrest in Athen getürmt. Er soll im Siemens-Skandal eine zentrale Rolle gespielt haben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der ehemalige Banker Jean-Claude Oswald steht seit knapp zwei Jahren in Athen unter Hausarrest. Die griechische Justiz wirft dem Franzosen, der im Tessin aufgewachsen ist, vor, in mehrere Schmiergeldskandale verwickelt zu sein. Oswald arbeitete für verschiedene Geldhäuser in der Westschweiz, darunter die UBS, BNP Paribas und die Schweizer Niederlassung der deutschen Dresdner Bank.

Jetzt hat sich Oswald abgesetzt. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, soll er nach einem Gerichtstermin in Athen seine Fussfessel zerstört haben und geflüchtet sein. Wie genau er das geschafft hat, ist nicht bekannt. Gemäss griechischen Medien habe die Polizei die Fahndung aufgenommen – bislang ohne Erfolg.

Vor Oswalds Flucht wurde sein Hausarrest mehrmals verlängert – ohne dass jemals eine Strafe gegen ihn verhängt wurde. Für seinen Lebensunterhalt habe er gemäss «Tages-Anzeiger» selber aufkommen müssen. Sogar seine elektronische Fussfessel habe er selber bezahlen müssen. 15 Euro pro Tag habe diese gekostet. Auch die medizinische Versorgung sei nur notdürftig gewesen.

Zuerst Gefängnis, dann Hausarrest

Oswalds Gefangenschaft zog sich in die Länge: Ein Jahr und 7 Monate sass er in seiner Wohnung in Athen unter Hausarrest. Zuvor war er für 18 Monate in einem griechischen Gefängnis in Untersuchungshaft. Davor war er auf der Rückreise aus Thailand festgenommen worden und musste für sechs Wochen in einem Gefängnis in Abu Dhabi ausharren.

Oswald soll im milliardenschweren Schmiergeld-Skandal des Elektrokonzern Siemens eine wichtige Rolle gespielt haben.
In diesem sollen Mitarbeiter des Konzerns weltweit Beamte und Politiker geschmiert haben. Allein 70 Millionen Euro sollen 1997 an die griechische Telekommunikationsgesellschaft OTE gezahlt worden sein, damit der deutsche Konzern den Auftrag für die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes erhalten würde. Das Geld floss über Schweizer Konten von zahlreichen Schattenfirmen auf der ganzen Welt.

Ein Kunde Oswalds soll für Siemens Schmiergelder an Staatsbetriebe und die Politik verteilt haben. Die griechische Justiz glaubt, dass der Banker mehr war als nur der Kundenberater des Griechen. Das Verfahren in diesem Fall ist noch nicht abgeschlossen. Oswald selbst sagte vor einem Jahr gegenüber dem «Tages-Anzeiger», er habe nicht gewusst, was sein Kunde für Geschäfte machte.

(20 Minuten)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien