Job-Wahl

08. November 2016 07:44; Akt: 08.11.2016 07:44 Print

Banker raten von ihrem Beruf ab

Die Bankbranche verliert an Attraktivität. Ein Drittel der Banker würde heute nicht mehr in die Finanzwelt einsteigen. Sie beklagen sich über zu viel administrative Arbeiten.

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Viele Banker sind unzufrieden mit ihrem Job. Gemäss einer Umfrage von Finews.ch und Communicators wird das traditionelle Geschäft mit Kunden neuerdings durch rechtliche, administrative und technische Arbeiten verdrängt. Über 40 Prozent der befragten Bankangestellten raten heute sogar Schul- oder Studienabgängern von einem Einstieg in die Finanzwelt ab. Die Berufsaussichten in der Schweizer Finanzbranche haben sich gemäss den Ergebnissen verschlechtert. Zudem sinken die Löhne und Boni. Wie aus der Erhebung weiter hervorgeht, erhielt ein Drittel der Befragten im vergangenen Jahr einen tieferen Bonus. Was verdienen andere Berufsgruppen? : Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken. Letztes Jahr waren es 4400 Franken. Sie verdienen gemäss Lohnbuch 7436 Franken. Berufsoffiziere der Armee verdienen 8142 Franken. Voraussetzung ist ein Bachelor-Abschluss. : Ab dem 6. Berufsjahr verdienen Bierbrauer laut GAV mit dem Brauereiverband 4771 Franken pro Monat. Das Salär eines Chefarztes beträgt laut Lohnbuch 12'824 Franken. Die Mediziner kommen in den Genuss von 13 Monatslöhnen. Laut GAV für das Coiffeurgewerbe sollen Coiffeure mindestens 3712 Franken verdienen. Das sind genau 12 Franken mehr als 2015. : Die Zahnarztgehilfinnen verdienen mindestens 3700 Franken. Diplomaten verdienen als Missionschef 13'474 Franken pro Monat. Im Bild Ex-Botschafter Tim Guldimann, der heute als Nationalrat für die SP in Bern politisiert. : Ein Elektromonteur verdient laut GAV ab dem 2. Berufsjahr mindestens 4550 Franken pro Monat. In diesem Beruf verdient man ab dem 2. Berufsjahr 3500 Franken im Monat (Brutto-Mindestlohn für Gelernte mit Berufslehre). Laut dem Lohnbuch verdienen Flugverkehrsleiter ab dem 15. Lizenzjahr 13'106Franken. Ein Förster verdient laut dem Lohnbuch mindestens 7574 Franken. : Mitarbeiter mit Berufslehre erhalten laut GAV 4108 Franken. : Ein Journalist verdient nach Lohnempfehlung ab dem 3. Berufsjahr 6434 Franken. Auf dem Bild die Redaktion des «Landboten» in Winterthur (Archivbild). : Köche verdienen 4108 Franken ab dem 1. Berufsjahr. : Mindestens 3186 Franken gibt es für den Job. : Verkäufer an Kiosken verdienen laut Lohnbuch 2016 3712 Franken für ein 100-Prozent-Pensum. : Lastwagenchauffeure verdienen 4500 Franken laut Astag-Vereinbarung. Lehrerinnen und Lehrer für die 1. bis 3. Klasse verdienen im Kanton Zürich laut dem Lohnbuch mindestens 6981 Franken. Ein Pensum beinhaltet 29 Wochenlektionen. Ein Captain verdient bei der Swiss auf der Langstrecke mindestens 8898 Franken. Ein Pfarrer verdient laut dem jüngsten Lohnbuch 9084 Franken. : Ein Polizeigefreiter verdient 5512 Franken pro Monat (Mindestansatz ab Beförderung zum Gefreiten). verdienen 3855 Franken pro Monat. Die Mindestlohnempfehlung für Sozialarbeiter beträgt für Leiter eines dreiköpfigen Teams 7285 Franken. Auf dem Bild von 2003: Der blinde Beat Herren kontrolliert mit seinen Fingerspitzen Braillezeilen, die er am PC mit dem Screenreader als Hilfsmittel geschrieben hat. Herren arbeitet als Sozialarbeiter im Haus Felsenau in Bern. Die Mindestlohnempfehlung für Tierpfleger mit fünfjähriger Erfahrung liegt bei 4000 Franken. : Detailhandelsangestellte verdienen bei Coop und Migros ungefähr 4000 Franken im Monat. Die Einstiegslöhne liegen allerdings leicht darunter. : Sie verdienen als Brutto-Mindestlohn 3686 Schweizer Franken.

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Gemäss einer Umfrage würden viele Bankangestellte ihren Beruf nicht mehr wählen. Für die meisten kommt das traditionelle Bankengeschäft heutzutage zu kurz. Im Vordergrund stehen gemäss den Bankern neuerdings rechtliche, administrative und technische Arbeiten, die das traditionelle Geschäft mit Kunden verdrängen. Zudem sinken die Löhne und Boni laut der Umfrage.

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Insgesamt 703 Teilnehmer

Über 40 Prozent raten heute sogar Schul- oder Studienabgängern von einem Einstieg in die Finanzwelt ab, wie aus der 5. Online-Umfrage des Branchenportals Finews.ch und der Kommunikationsagentur Communicators hervorgeht. Noch vor wenigen Monaten waren es erst knapp 30 Prozent.

Jobangebote werden drastisch sinken

Die Berufsaussichten in der Schweizer Finanzbranche haben sich gemäss den Ergebnissen verschlechtert. 30 Prozent werten sie als «intakt», fast 50 Prozent als «mittelmässig» und nur gerade mal 2,6 Prozent betrachten sie als «sehr gut».

Der Grossteil der Umfrageteilnehmer rechnet damit, dass die Jobangebote in den nächsten fünf Jahren sinken. Ein Fünftel erwartet sogar einen drastischen Rückgang.

Das hat auch Einfluss auf den Prestigewert der Finanzberufe. Fast die Hälfte der Befragten vermutet, dass er sich in den nächsten fünf Jahren verschlechtert. Vor allem die Bereiche Backoffice, Abwicklung und Investment Banking würden an Bedeutung verlieren, da sie kostengünstiger im Ausland betrieben werden.

Bessere Chancen in Rechtsabteilung oder IT

Wer trotzdem in die Bankenwelt will, sollte gemäss der Umfrage in die Rechtsabteilung oder in die IT. Rund 35 Prozent der befragten Banker sehen in den Bereichen Hedgefonds, Private Equity und Asset Management allenfalls noch bessere Karrierechancen.

Dabei hilfreich seien spezialisiertes Fachwissen sowie Networking-Fähigkeiten und permanente Weiterbildungen. Weniger gefragt seien hingegen eine militärische Offiziersausbildung und Social-Media-Kompetenzen.

Auch bei den Boni ist die Tendenz rückläufig. Bei rund 30 Prozent der Befragten blieb die Vergütung unverändert, während sich knapp die Hälfte mit einem tieferen oder gar keinem Bonus zufrieden geben musste.

Gemäss Finews.ch wurden in der repräsentativen Umfrage 430 Personen befragt, wovon 19 Prozent zwischen 20 und 30 Jahre alt, 44 Prozent zwischen 30 und 45 Jahre alt, 33 Prozent zwischen 45 und 60 Jahre alt sowie 4 Prozent über 60 Jahre alt sind. Von den Befragten verfügen 41 Prozent über einen Master-Abschluss.

(nvi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bankino am 08.11.2016 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Leider wahr

    Ich konnte zum Glück noch die schönen Seiten des Bankings erleben, aber seit 2008 und vorallem seit 2011 gehts echt den Bach runter mit Regelungen etc. Nur weil sich einige Leute nicht an Gesetze halten können, müssen nun alle dafür büssen.

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  • Mona L. am 08.11.2016 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da gäbe es noch mehr Berufe...

    ... von denen abzuraten wäre. Gründe: Veränderungen in den Arbeitszeiten, längere Präsenzzeiten, sinkende Akzeptanz der Berufsgruppen in der Bevölkerung, stagnierende oder sinkende Löhne, Verlagerung von Arbeitsplätzen in das Ausland ... Diese Liste ist nicht vollständig, bitte ergänzen!

  • Marco Schneuwly am 08.11.2016 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flughöhe

    Es kommt immer auf die "Flughöhe" an. Wenn sich Banker Jahressaläre von 300k bis 700k gewöhnt sind, dann ist klar, dass sie mit 150k nicht zufrieden sind. Für viele Schweizer-Büezer wären jedoch schon die 150k im Jahr ein riesen Salär...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 09.11.2016 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Ratschlag

    Dieser Erkenntnis kann ich zustimmen, es gibt bei den Banken fast nichts das man nicht per Computerprogramm erledigen könnte. Die Belegschaft der Banken wird sich in den nächsten 5 Jahren halbieren.

  • Dr.Spock am 08.11.2016 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht normal

    Ich kenne einen der ist Banker 26jahre alt und verdient 11800fr. und ein Boni zwischen 5000fr.- 8000fr. das ist schon krass jung und schon so ein Verdienst. Der lebt wie ein König. Und ich arbeite härter und verdiene 4100fr.

  • Dr.Spock am 08.11.2016 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu verwöhnt

    Die verwöhnten Banker, man kann nicht immer so viel verdienen. Alle andern haben auch nicht immer so viel Lohn und Bonus!

  • Freier Mensch am 08.11.2016 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Very, very hot NEWS: Indien schafft

    1.000 und 500 Rupien-Geldscheine ab. Die Geldscheine verlieren am Mittwoch ihre Gültigkeit, das heisst also mit sofortiger Wirkung. (Soviel zum wertvollen Papiergeld. Die Inder sind als Einzige der Welt einiges klüger als der Rest und sparen in Gold).

  • Anton Keller am 08.11.2016 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Personenfreizügigkeit

    Seit es die Personenfreizügigkeit gibt ist es ziemlich egal wo man arbeitet, es geht überall bergab, sei es finanziell, sei es menschlich.