Coco-Bonds

15. Februar 2011 08:12; Akt: 07.04.2011 16:38 Print

Banker sollen für Verluste geradestehen

von Gérard Moinat - Als erste Schweizer Bank will die Credit Suisse jetzt Krisen-Obligationen herausgeben. Diese Papiere eignen sich bestens zur fairen Entlöhnung.

storybild

Könnte auch bald auf Cocos setzen: UBS. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Montag gab die CS bekannt, im Jahr 2013 Contingent Convertible Bonds (kurz Coco-Bonds) für sechs Milliarden Franken herausgeben zu wollen. Diese Papiere werden im Krisenfall automatisch in Eigenkapital gewandelt, wenn Verluste zu stark am Eigenkapital einer Bank nagen.

CS-Chef Brady Dougan sagte vor kurzem, dass er sich gut vorstellen könnte, einen Teil der Boni seiner Banker in Cocos auszuzahlen. Diese Wandelanleihen mit grosszügiger Verzinsung haben gegenüber bisherigen Boni folgende Eigenart: Die Besitzer müssen allfällige Verluste der Bank auf die eigene Kappe nehmen.

Deshalb sollten sie ihrem Unternehmen mehr Sorge tragen. Anders als bei Aktien oder Optionen wäre auch der Risiko-Appetit gezügelt, da sich risikoreiche Wetten bis zum Ablauf einer Sperrfrist nicht lohnen.

«Sinnvolles Instrument»

Die Herausgabe von Coco-Bonds steht im Zusammenhang mit den neuen Eigenkapitalvorschriften, die als Folge der Finanzkrise und der milliardenschweren Staatshilfen für Banken erlassen wurden. Die schärferen Vorschriften sollen verhindern, dass der Staat Steuergelder einsetzen muss, um grosse systemrelevante Finanzinstitute zu retten.

«Zusammen mit der Expertenkommission haben wir diese Form von Kapital letztes Jahr als ein sinnvolles Instrument erkannt», sagt CS-Sprecher Marc Dosch. Mit der heutigen Emission sei die CS nun eine der ersten Banken, die dieses Papier auch in der Praxis validiert – «und damit die Umsetzung der regulatorischen Vorgaben frühzeitig an die Hand nimmt», erklärt Dosch.

Bankenexperte Manuel Ammann von der Universität St. Gallen sieht das ähnlich: «Was wir nun sehen, ist ein Markttest der CS. Denn der Coco-Markt muss sich erst noch entwickeln.» Für die Banken seien Coco-Bonds jedoch mehr ein Dürfen als ein Müssen, denn gegenüber klassischem Eigenkapital hätten sie verschiedene Vorteile.

Cocos für alle

Trotzdem äusserten sich bislang andere Bankinstitute, unter ihnen auch die UBS, gegenüber Coco-Bonds eher negativ. Und gemäss einer von 20 Minuten Online durchgeführten Umfrage unter Schweizer Top-Bankern kann sich nur Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz Coco-Bonds als Bonus-Bestandteil vorstellen. Allerdings würden ihn Cocos nicht betreffen, da er eine Genossenschaft und keine Aktiengesellschaft leitet.

Damit Coco-Bonds künftig aber zur Boni-Zahlung eingesetzt werden können, ist für ihn Voraussetzung, dass Coco-Bonds allen Instituten zur Verfügung stehen. «Und nicht nur – wie im aktuellen Gesetzesvorschlag vorgesehen – den Aktiengesellschaften und den Too-Big-to-Fail-Banken», so Vincenz.

Bald auch die UBS?

Ob sich mit den jetzigen Emissionabsichten der CS in der Branche ein Denkwandel abzeichnet, will man beim Konkurrenten UBS nicht kommentieren. UBS-Sprecher Serge Steiner sagt lediglich: «Wir verfolgen die Entwicklung in diesem Bereich aufmerksam.»

Doch Ammann ist zuversichtlich: «Stimmt das Parlament der Gesetzesänderung zugunsten der Coco-Bonds zu, werden auch andere Banken Cocos ausgeben — sprich: die UBS. Denn nur die beiden Grossbanken fallen unter die verschärften Too-Big-to-Fail-Eigenkapitalvorschriften.»

Die beiden Grossbanken verfolgten bezüglich Cocos lediglich unterschiedliche Strategien. Die CS wolle mit der Emission bereits im Vorfeld der Gesetzesänderung möglichst früh den Markt testen; die UBS hingegen warte die politische Entwicklung ab, so Ammann.

«Eine dritte denkbare Variante wäre aber, dass am Schluss gar keine Coco-Bonds als Kapitalpolster zum Einsatz kommen, sondern wie bisher gewöhnliches Aktienkapital», sagt Ammann.

Auf Regulatorenseite ist man zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt: «Die Ausgabe der CoCos zeigt einerseits, dass sich die Bank zu den Vorschlägen der Expertenkommission bekennt und bereits konkrete Vorkehrungen trifft. Und andererseits, dass CoCos am Markt platziert werden können», so Tobias Lux, Mediensprecher der Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra Heinz am 15.02.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Raben picken sich gegenseitig nicht die Augen aus

    aber hallo, wer "bestraft" sich schon selbst? Es würde auch reichen wenn Leute kein Bonus bekommen wenn sie dazu beigetragen haben, das die Firma schlecht dasteht... Aber es wird keine grosse veränderung geben, wenn man mal hatte oder hat dann gibt man es nicht mehr her, Fett Geschäftsessen und Reisen die man als Spesen verbucht, wärend der Normalbürger knapp ma am Tag 0-15.- Spesen bekommt, oder sogar zuhause essen muss...

  • Wolf am 15.02.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schade - Demokratie ist anders oder ?

    Wenn man die letzten 8 Monate anaschaut, dann muss man kein Ökonom sein, um die Manipulation an den Aktienmärkten zu erkennen. Fast alle Rohstoffpreise haben sich verdoppelt und die Weltbevölkerung zahlt frisch und fröhlich die Zeche - welche über die Banken erzeugt worden sind. Es ist sowieso verwunderlich, dass die Banken ihre Schulden an eine sog. Badbank auslagern können, kann das eine KMU auch ? Diese ganzen Bankenlobby geht über Leichen des Volkes, aber die Bevölkerung will es ja so.

  • Tom Berger am 15.02.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee von Brady!

    Vor allem wenn es nur die Boni-Bezüger von Management und Investment Banking betrifft. Diese beziehen schliesslich die grossen Beträge und haben die Verlust zu verantworten. Das sollte ab 49'999 Bonus oder so eingeführt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ubis am 18.02.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    wieder mal typisch...

    Ich arbeite zwar nicht in einer Bank, aber ich weiss, dass die meisten nicht einfach ihre 8.5 Stunden von 8 - 17.30 durchackern und dann ihre Arbeit liegen lassen und nach hause gehen! Die Bänker arbeiten meistens 9 - 10 Stunden am Tag! Und bitte liebe Bürger, vergesst nicht, dass die Bänker diejenigen sind, auf euer Geld aufpassen müssen und nur ein paar lausige Franken dafür verlangen..

  • Marcel am 15.02.2011 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die CS soll ihre Boni in Krisen-

    Obligationen anlegen - aber sicher nicht der Kunde oder Mann von der Strasse.

  • Jose Miranda am 15.02.2011 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus ausser Kontrolle

    Ein unbegrenzter System wie der Kapitalismus in einer Erde mit begrenzter Ressourcen wird keine Zukunft haben..Früher oder später wird man begreifen müssen, dass es so nicht weitergehen kann! Je früher desto besser! Der Kapitalismus kennt als einzige Regulierungsmassnahme den Krieg (1. WK u. 2. WK)!!!

  • Paul Brunner am 15.02.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen-Chef Vinzenz's Kommentar

    Raiffeisen-Chef Vincenz kann sich eine Bonus-Zahlung in Form von Coco-Bonds vorstellen, ist aber wahrscheinlich froh, dass er eine Genossenschaft leitet und damit davon nicht betroffen ist. Bares ist halt doch sicherer. Warum äussert er sich überhaupt zu diesem Thema? Schuldgefühle? Ablenkung vom Abzocker-Thema?

  • Sandra Heinz am 15.02.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Raben picken sich gegenseitig nicht die Augen aus

    aber hallo, wer "bestraft" sich schon selbst? Es würde auch reichen wenn Leute kein Bonus bekommen wenn sie dazu beigetragen haben, das die Firma schlecht dasteht... Aber es wird keine grosse veränderung geben, wenn man mal hatte oder hat dann gibt man es nicht mehr her, Fett Geschäftsessen und Reisen die man als Spesen verbucht, wärend der Normalbürger knapp ma am Tag 0-15.- Spesen bekommt, oder sogar zuhause essen muss...