1 Franken pro Liter

18. September 2019 10:08; Akt: 18.09.2019 10:08 Print

Bauern fordern 40 Prozent mehr Geld für die Milch

1 Franken soll A-Milch künftig kosten. Und die Branchenorganisation Milch müsse reorganisiert oder gar abgeschafft werden.

Die Bauern demonstrierten vor dem Hauptsitz von Emmi. (Video: SDA/RKN)
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Rund ein Dutzend Personen waren dem Aufruf der Bauerngewerkschaft Uniterre und vier weiterer Organisationen aus dem Schweizer Milchmarkt gefolgt. Symbolisch rollten sie vor dem Hauptsitz des grössten Schweizer Milchverarbeiters Emmi einen grünen Teppich aus, der den seit September geltenden Preiszuschlag aus dem Nachhaltigkeitsprogramm symbolisierte.

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Mit den zusätzlichen 3 Rappen pro Liter Milch beträgt der Richtpreis nun zwar 71 Rappen. Allerdings, so kritisiert Rudi Berli von Uniterre gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, werde dieser faktisch nicht eingehalten. Deshalb präsentierten die Milchbauern einen Katalog mit fünf Forderungen.

Dabei zielt ihre Kritik insbesondere auf die Branchenorganisation Milch (BOM), die den Richtpreis veröffentlicht. Die Plattform mit 37 regionalen und nationalen Organisationen der Milchproduzenten und der Milchverarbeiter sowie Einzelfirmen der Industrie und des Detailhandels sei zu reorganisieren oder gar abzuschaffen, fordern die Demonstranten.

Stimmrecht gefordert

Die BOM sei seit jeher von Milchverarbeitern und Grossverteilern dominiert, sagte Berli. Es müsse ein Kräftegleichgewicht hergestellt werden, etwa durch die Einführung eines Stimmrechts für Milchproduzenten.

Weiter forderten die Unterzeichnenden der Erklärung, der Richtpreis müsse ab Hof gelten und nicht ab Rampe, denn nur so wüssten die Produzenten, zu welchem Preis die Milch den Hof verlasse. Das würde Transparenz schaffen. In der Praxis würden die Verarbeiter den Preis diktieren unter anderem auf Basis der verschiedenen Milchsegmente und Abzüge.

Die Milch in den Segmenten A bis C wird unterschiedlich hoch bezahlt. Die sogenannte A-Milch, die mit 71 Rappen entschädigt wird, ergebe im Vergleich eine gute Wertschöpfung. Die B- und C-Milch, die etwa zu Butter oder Milchpulver verarbeitet und exportiert wird, decke dagegen mit 51 respektive 26,7 Rappen nicht einmal die Fremdkosten von 67 Rappen.

Motion hängig

Eine Lieferung unter dem A-Milchpreis, so die Forderung, müsse für die Produzenten freiwillig sein. Zudem verlangen sie einen A-Milchpreis von mindestens 1 Franken, um die Produktionskosten zu decken. Das wäre ein Aufschlag von 40 Prozent.

Ein solcher Preis sei schliesslich vor 20 Jahren auch Realität gewesen, sagte Berli. Im Anschluss an die Aktion wurden die Demonstranten von der Standortleitung des Milchverarbeiters Emmi zu einem Gespräch eingeladen.

Im Ständerat ist eine Motion hängig mit dem Titel «Verlässlichkeit des Standardvertrags der Branchenorganisation Milch». Sie fordert im Landwirtschaftsgesetz einen Standardvertrag für den Milchhandel. Auf mindestens drei Monate soll der Preis pro Kilogramm festgelegt werden, damit die Produzenten Planungssicherheit erhielten. Der Bundesrat ist gegen die Motion.

(rkn/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 18.09.2019 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forderung o.k.

    Den Bauern würde ich es gönnen für ihre Arbeit und für's Tierwohl. Allerdings müssten die 40 Rp. auf Kosten der abzockenden Milchverarbeiter gehen und nicht zu lasten des Konsumenten!

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  • Baffes am 18.09.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    19% sagen die Milch sei zu teuer? Wie billig soll sie denn noch werden? Kostenlos aus dem Wasserhahn?

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  • Kevin Meier am 18.09.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    1 & 1 macht 3

    Billiger als Cola. Aber mir Lebewesen, Steuergeldern und auf dem Buckel des Tierwohles und der Natur. Verlangt 3.- und stellt endlich die Subventionen ab.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schwartenmagen am 19.09.2019 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hans

    Die schweizer bauern sind nicht nur arrogant und sueffisant! Nein, sind sind derart unprofessionell und derart anfaengerhaft, dass sie trotz subventionen, marktinterventionen und auch viel duenger und pestiziden KEIN EINZIGES produkt herstellen, das man zu marktpreisen verkaufen kann!

  • Fredy am 19.09.2019 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Ökoinsel

    Viele Konsumenten sind gegen Massentierhaltung aber für freien Markt. In Dänemark braucht ein Milchbauer mindestens 600 Kühe um von der Milchwirtschaft leben zu können. Die liefern die Milch schon in die Schweiz wenn die Produktion hier zu teuer und zu stark reglementiert ist.

  • ruru am 19.09.2019 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einverstande, aber....

    Einverstanden. Aber nur für Biomilch und ohne Soja oder ähnliches aus dem Ausland.

  • igor am 19.09.2019 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern und grosser Traktor fahren?

    salut... Zum Glück muss man kein Kalzium-Räuber trinken... Bauern die nicht jammern verstehen Ihr Handwerk.

  • Entweder so..... am 19.09.2019 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....oder gar nicht

    Gerne. Aaaber ich habe da noch Ansprüche: 1/2 der produzierten Milch ist für die Mutterkuhhaltung reserviert und die Milchkühe tragen Hörner! Dann bezahle ich auch gerne 2Fr. für einen Liter Milch.