Avenir-Suisse-Analyse

09. Januar 2020 11:42; Akt: 09.01.2020 15:39 Print

Bauern erhalten dreimal mehr Geld als Schulkinder

Schweizer Haushalte zahlen jedes Jahr 2269 Franken für die Landwirtschaft. Eine Grenzöffnung würde die Kosten stark senken. Das wäre laut Bauernverband aber das Ende der Landwirte.

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20,7 Milliarden Franken kostet die Landwirtschaft die Schweiz pro Jahr. Für diese Kosten kommen etwa die Konsumenten und die Steuerzahler auf. So muss jeder Schweizer Haushalt jährlich 2269 Franken in die Finanzierung der Bauern stecken, wie die Denkfabrik Avenir Suisse im neuen Privilegienregister der Schweizer Landwirtschaft schreibt.

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Erhalten Schweizer Bauern zu viel Geld?

Damit zahlt der Staat für einen Vollzeitbeschäftigten auf einem Bauernbetrieb dreimal so viel Geld, wie für einen Schüler in der obligatorischen Schule. Auch kostet ein Beschäftigter auf einem Landwirtschaftsbetrieb den Staat pro Tag 16 Franken mehr als ein Arbeitsloser.

Die Agrarpolitik kostet die Schweiz viel Geld. Um die Kosten zu senken schlägt Avenir Suisse darum umfassende Reformen vor. Das sind die zwei wichtigsten:

Grenzöffnung für Agrargüter

Das sagt Avenir Suisse:
«Im Moment zahlen Konsumenten aufgrund des Grenzschutzes 89 Prozent mehr für Lebensmittel in der Schweiz als in der EU», erklärt Patrick Dümmler, Forschungsleiter für Agrarthemen bei Avenir Suisse. Ein Schweizer Haushalt blättert pro Jahr alleine für den Konsum von Lebensmittel 1011 Franken hin.

Mit einer Grenzöffnung würden sich die Preise reduzieren. «Es gäbe dann mehr Produkte in verschiedenen Preissegmenten», sagt Dümmler. Damit könnten sich auch schlecht verdienende Haushalte alle Lebensmittel in der Schweiz leisten. «Das würde wiederum den Einkaufstourismus reduzieren.»

Durch eine Grenzöffnung müssten wohl einige Bauernhöfe ihre Tore aus finanziellen Gründen schliessen. Um im internationalen Markt zu bestehen, müssten die Schweizer Bauern halt innovativer werden. Doch es gebe bereits junge Bauernbetriebe, die mit neuen Konzepten ihre Produkte auf der ganzen Welt verkaufen können, so Dümmler. «Ein Käser aus Bern verkauft einzigartige Produkte bis nach London.»

Das sagt der Bauernverband:
Ohne den Grenzschutz würde sich die Lebensmittelproduktion in der Schweiz nicht rentieren, erklärt Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands. Das Kostenumfeld sei schlicht zu hoch in der Schweiz: «Wir haben in der Schweiz 50 Prozent höhere Kosten für Maschinen, Gebäude oder Arbeitskräfte als in Baden-Württemberg oder Bayern», so Ritter.

Gäbe es eine Grenzöffnung, würden noch mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert. Heute kommen bereits 40 Prozent der Nahrungsmittel aus anderen Ländern.

Mehr Import um die Umweltkosten zu senken

Das sagt Avenir Suisse:
Mehr Importe sind laut Avenir Suisse wünschenswert: Weil Bauernbetriebe in der Schweiz oft auf engem Raum produzieren müssen, verschmutzen sie die Region oft stark. Das sorgt für hohe Umweltkosten. «Die Viehmästereien in Luzern sorgen beispielsweise dafür, dass vielen umliegenden Seen künstlich Sauerstoff zugeführt werden muss», so Dümmler.

In anderen Ländern könne oft ökologischer produziert werden. Der Import wäre also umweltfreundlicher, trotz längerer Transportwege. «Bezogen auf die ökologische Gesamtrechnung, fällt der Transport kaum ins Gewicht.»

Das sagt der Bauernverband:
Bei importierten Lebensmitteln könne die Schweiz gemäss der Welthandelsorganisation keinerlei Einfluss auf die Produktionsbedingungen nehmen, oder Kontrollen durchführen: «Dies gilt sowohl für den Umweltschutz als auch für das Tierwohl und die Arbeitsbedingungen», sagt Markus Ritter.

Dabei sei die Schweiz, gerade wenn es um den Tierschutz gehe, eine Vorreiterin: «Hierzulande gelten die strengsten Regeln zum Wohl der Tiere weltweit.»

(bsc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P Portmann am 09.01.2020 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Wenn ihr alle Preise wie im Ausland wollt, seit ihr auch bereit tiefe Löhne wie im Ausland zu beziehen?

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  • Swissdream97 am 09.01.2020 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht es noch???

    @Avenir_Suisse Ist das wirklich euer Ernst? Es soll ökologischer sein, die Lebensmittel einfach zu importieren und in der Schweiz einfach keine Landwirtschaft mehr zu betreiben weil das zu teuer ist? Die schweizer Landwirtschaft schaut mehr zur Umwelt als die im Ausland zudem können wir sie hierzulande kontrollieren, was im Ausland unmöglich wäre...

    einklappen einklappen
  • hoa am 09.01.2020 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    "16.- mehr wie ein Arbeitsloser". Aber wir wissen schon alle, dass der Bauer auch einen 18h Job jeden Tag hat und keine 4 Wochen Ferien im Jahr beziehen kann?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • carlos am 17.01.2020 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Vision Schrebergärten für alle anstatt

    Wofür braucht der Bauer die schweren und teuren Traktoren und Maschinen? Um dem kaputtvergifteten Land doch noch einen kleinen Kunstdünger-Ertrag zu entlocken. Verteilt doch das Land der Grossbauern wieder an alle und lasst Schrebergärten entstehen, wo dann nur noch ohne Chemie gegärtnert werden dürfte. Wir werden mit den Jahren eh immer weniger Arbeit in Fabriken und Verwaltungen haben, wegen der Digitalisierung. Also lasst uns zur Scholle zurück-kehren und selber das anpflanzen, was wir essen wollen. Die einen lieben dann das Gift, die andern, eher Gesunden den etwas aufwändigeren Arbeits

  • Peter am 16.01.2020 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bauern sind auch 3mal grösser als Kinder

    Wenn schon ein doofer vergleich, dann auch eine doofe Begründung.

  • reto müller am 15.01.2020 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    warum überhaupt Subventionen?

    ursprünglich waren die Subventionen dafür gedacht im Krisenfall selbst genügend Nahrungsmittel zu produzieren um unsern Hungertod zu vermeiden. Nur ist heut der Feind nicht eine Armee sondern eher eine Krise... Machen Subventionen also noch Sinn oder nicht ???

  • Schnitzer am 13.01.2020 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Land unterstützt die Bauern

    Jedes Land hat eine Landwirtschaft, ist ganz normal. Was viele nicht wissen: sogar die Farmer in den Staaten erhalten Direktzahlungen.

  • Sebomir am 12.01.2020 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kein Wissen hat schreibe nichts!

    Kommentarschreiberinnen und Schreiber gehen sie einen Bauernbetrieb im In sowie im Ausland besuchen! Das Tierwohl in der Schweiz ist bei weitem nicht zu vergleichen mit dem Ausland. Ich hatte Metzger erlernt und jahrelang in dem Sektor gearbeitet und hatte das Unbehagen auch im Ausland gesehen. Im Ausland aufgedruckte "Artgerechte Tierhaltung" ist ein Schein davon ist mehrheitlich nichts zu sehen. Gehen sie auf einen schweizer Bio als auch konventionellen Bauernbetrieb und schauen sie sich das Paradies der Tiere an. Kein besseres Leben könnten sie haben und schwarze Schafe gibt es überall.