Baubranche

07. März 2011 08:29; Akt: 07.03.2011 16:04 Print

Bauriese Strabag geht in Schweiz auf Einkaufstour

Der österreichische Baukonzern Strabag kauft in der Schweiz die beiden Unternehmen Brunner Erben und Astrada. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, schrieb Strabag.

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Strabag kommt in die Schweiz. (Bild: Keystone)

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Die Strabag kauft die beiden renommierten Bauunternehmen Brunner Erben und Astrada. Der österreichische Konzern wird damit zur neuen Nummer drei der Schweizer Baubranche. Der Wachstumshunger des international tätigen Bauriesen ist damit aber noch nicht gestillt.

Mit Brunner Erben und Astrada erwirbt Strabag zwei Traditionsunternehmen, die zusammen rund 1000 Mitarbeitende beschäftigen und einen Umsatz von 320 Mio. Franken erzielen. Brunner Erben ist hauptsächlich in Zürich und der Ostschweiz, Astrada in den Kantonen Solothurn und Bern tätig. Beide Unternehmen sind auf den Tief- und Strassenbau spezialisiert.

Coup von Strabag

Mit dem Kauf ist Strabag in der Schweiz ein Coup gelungen. Dass die beiden mittelgrossen Unternehmen Brunner Erben und Astrada zeitgleich einen Käufer suchten, bezeichnete eine Strabag-Sprecherin auf Anfrage als optimal. Statt einzelne kleinere Betriebe habe Strabag gleich auf einen Schlag zwei umsatzstarke Unternehmen übernehmen können. Alle Angestellten werden weiter beschäftigt.

Strabag geht davon aus, mit den Akquisitionen in diesem Jahr den Umsatz in der Schweiz auf 800 Mio. Fr. beinahe verdoppeln zu können. Damit wären die Österreicher auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten Losinger, der dem französischen Baukonzern Bouygues Construction gehört. Einzig Implenia mit einem Umsatz von fast 2,3 Mrd. Fr. im Jahr 2009 ist noch deutlich grösser. Wieviel Strabag die Übernahmen kostet, wurde am Montag nicht bekannt gegeben.

In der Schweiz ist der österreichische Konzern seit 1995 tätig. Er ist unter anderem mit Bauarbeiten am NEAT-Basistunnel am Gotthard betraut. In Europa gehört Strabag bereits seit längerer Zeit zu den ganz Grossen der Branche. Der Konzern beschäftigt total über 73 000 Angestellte und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 12,8 Mrd. Euro. Neben den Kernmärkten Österreich und Deutschland ist Strabag in allen ost- und südosteuropäischen Ländern, in Teilen von Westeuropa sowie auf der arabischen Halbinsel präsent.

Unsichtbare Strabag-Übernahmen

Strabag will seine Marktpräsenz in der Schweiz aber noch weiter ausbauen. Das mittelfristige Umsatzziel liege bei 1,3 Mrd. Franken, hiess es bei Strabag. Weitere Übernahmen seien vorerst aber nicht geplant. Das Unternehmen wolle organisch wachsen.

Brunner Erben und Astrada werden mit ihren bisherigen Namen weitergeführt. Die Marken seien in der Schweiz stark verankert und stellten einen Mehrwert dar. Das Strabag-Logo wird mit den Übernahmen also nicht häufiger auf den Baustellen zu sehen sein als bisher.

Von Branchenkennern wird die Übernahme als Win-win-Situation bezeichnet. Gemäss Daniel Lehmann, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV), stärkt der österreichische Konzern damit seine Marktposition und die beiden übernommenen Familienunternehmen haben eine Nachfolgelösung gefunden.

Übernahme als logische Konsequenz

Für SBV-Präsident Werner Messmer kommen die Übernahmen nicht überraschend. Sie seien Abbild der gegenwärtigen Marktsituation in der Schweiz. Trotz guter Baukonjunktur sei die Branche unter Druck und die Margen gering. Dies führe dazu, dass selbst renommierte Bauunternehmen zu Übernahmekandidaten würden.

(sda)