Strictly for women

08. März 2010 16:15; Akt: 08.03.2010 16:15 Print

Bei MSC ist das ganze Jahr über Frauentag

Die «Mannschaft» der Basler Reederei besteht ausschliesslich aus Frauen. Dabei ist das Unternehmen nicht etwa ein Mauerblümchen aus dem Binnenland, sondern eine der Marktführerinnen auf den sieben Weltmeeren.

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Im Basler Büro der MSC, einer der grössten Frachtschiff-Reedereien der Welt, arbeiten ausschliesslich Frauen. Zeitweise waren es über 100, nach dem Verkauf der Kreuzfahrts-Sparte sind es aktuell 79 Frauen, die hier am Rhein mit Kakao und Kaffee, Zucker und Baumwolle, aber auch mit Pneus, Möbel und Konsumgütern von internationalen Konzernen handeln. Das sorgt international für Aufsehen: «Vor kurzem war das russische Fernsehen hier», berichtet der einzige Mann an Bord: René Mägli – der Chef.

Trotz aller Medienaufmerksamkeit ist es nicht Selbstzweck, dass die Basler MSC auf die Kraft der Frauen setzt, sondern in erster Linie zweckdienlich. Der Chef dazu lapidar: «Unser Ziel ist es, im internationalen Wettbewerb die beste Dienstleistung zu erbringen. Und das schaffe ich mit meinen Damen.»

Die Krise elegant umschifft

Das Geschäftsmodell hat sich bewährt. Denn obwohl im Zuge der Wirtschaftsflaute die Schifffahrt eine der grössten Krisen der Geschichte durchgemacht hat, ist die MSC ohne Entlassungen und ohne Lohnkürzungen ausgekommen - «als grosse Ausnahme in der Branche», betont der Chef. Ein Verdienst der Frauen?

«Die Frauen arbeiten kostenbewusst und können Prioritäten setzen», sagt Mägli. Schliesslich seien die Frauen quasi von Haus aus gewohnt, neben der Versorgung der Kinder und der Verköstigung des Ehemanns auch das Haushaltsbudget zu überwachen, so der Reederei-Chef. Mägli sieht jedoch den Hauptvorteil nicht in den im traditionellen Rollenmodell antrainierten Eigenschaften, sondern im weniger kompetitiven Naturell der Frau. «Die Frauen dienen der Sache», sagt Mägli, «anders als bei Männern gibt es unter Frauen kaum Machtkämpfe». Dies mache die Zusammenarbeit viel angenehmer, es herrsche ein besserer Teamgeist, und die Fluktuation sei sehr tief.

Auch Teilzeiterinnen schaffen es auf die Brücke

Der MSC-Chef führt das gute Betriebsklima allerdings nicht allein auf die weibliche Atmosphäre zurück, sondern auch auf unternehmerische Grundsätze: «Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt», wirbt er für seine Reederei. So werde beispielsweise viel in die (weiblichen) Lehrlinge investiert, und diese würden nach der Ausbildung weiter beschäftigt.

Ausserdem können die «Ladies» bei MSC auch im Teilzeitpensum in eine Kaderposition aufsteigen. Und wenn sie Kinder kriegen, steigen sie nach dem Urlaub mit reduziertem Pensum wieder ein, «zu einem Prozentsatz ihrer Wahl», so Mägli.

(oba/scc)

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