Gefahr von «Bank Run»

18. November 2019 03:36; Akt: 18.11.2019 03:39 Print

Bei Raiffeisen sind Negativzinsen vorerst tabu

Während andere Banken auf Sparkonti Negativzinsen einführen oder bereits eingeführt haben, zeigt sich Guy Lachappelle von der Raiffeisen noch zurückhaltend.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Raiffeisen-Verwaltungsratspräsident hält vorerst nichts von Negativzinsen: Guy Lachappelle an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. (1. März 2019) «Ich kann mir das nicht vorstellen», sagte er in einem Interview. Anders UBS und CS: Wer hier mehr als zwei Millionen Franken lagert, muss Negativzinsen von 0,75 Prozent bezahlen. Nur schon bei der minimalen Summe von zwei Millionen sind dies 15'000 Franken. Doch keine Bank vergrault ihre reichen Kunden gerne – deshalb bietet die UBS ihren wohlhabenden Klienten jetzt ein Schlupfloch an. Und zwar auf der Insel Jersey im Ärmelkanal. Um die Negativzinsen zu umgehen, können die Reichen ihr Geld bei der dortigen UBS-Filiale parkieren. Ein UBS-Kunde erzählt, wie ihm genau dieses Angebot unterbreitet worden ist: Vor ein paar Wochen habe ihn ein Banker der UBS angerufen und ihm vorgeschlagen, den Bargeld-Anteil jenseits der 2-Millionen-Franken-Schwelle auf die kleine britische Insel zu transferieren. Der Berater erklärte dem Klienten, dass ihm von diesem Treuhand-Konto in Jersey keine Negativzinsen abgezogen werden. Wie funktioniert dieses Schlupfloch? Das Konto auf der Insel Jersey verwaltet nicht mehr die UBS Switzerland AG, sondern die UBS AG. Letztere muss ihre Einlagen nicht bei der Schweizer Nationalbank deponieren, da sie weniger Depositen als Kredite aufweist. Es müssen hier also keine Negativzinsen auf den Klienten abgewälzt werden. Indem die Kunden die Gelder nun aber von der UBS Switzerland AG zur UBS AG verschieben und so die anfallenden Negativzinsen umgehen, schlagen sie der Nationalbank und ihrer Geldpolitik schliesslich ein legales Schnippchen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Raiffeisen-Banken werden ihre Kunden auch künftig von Negativzinsen verschonen. Dies sagte der Verwaltungsratspräsident der drittgrösste Bankengruppe der Schweiz, Guy Lachappelle, in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen vom Montag.

Auf die Frage, ob auch die Raiffeisen-Gruppe künftig Strafzinsen verrechnen will, erklärte der 58-jährige Lachappelle: «Ich kann mir das nicht vorstellen.» Wenn bei Sparkonti Negativzinsen eingeführt würden, sei die Gefahr gross, dass es zu einem «Bank Run» komme - also dass die Sparer ihr Geld von den Banken abziehen.

SNB habe Druck entschärft

Im Privatkundengeschäft erhebt unter anderem die UBS Negativzinsen für Sparer ab zwei Millionen Franken. Die Credit Suisse will per Anfang 2020 nachziehen. Bei der Raiffeisen-Gruppe hingegen gibt es keine solche Schwelle für Privatkunden. «Aber wir achten darauf, dass Kunden nicht einfach ihr Geld von anderen Banken mit Negativzinsen zu uns bringen», sagte Raiffeisen-Präsident Lachappelle weiter.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte im September den Leitzins unverändert bei -0.75 Prozent belassen. Allerdings erhöhte sie per Anfang November die Freibeträge, ab denen Banken für ihr bei der SNB geparktes Geld Negativzinsen bezahlen müssen. Bei der Raiffeisen-Gruppe hiess es im September, der Druck auf die Banken, die Negativzinsen an Kleinsparer weiterzugeben, sei damit fürs Erste entschärft. Eine generelle Entwarnung wollte die Bank damals nicht geben. Sollten die Zinsen weltweit weiter fallen, so sei eine weitere Zinssenkung auch in der Schweiz nicht ausgeschlossen.

(roy/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cris am 18.11.2019 05:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    (Hinter)Gründe

    Und all die neg. Leitzinsen, damit Geld in die REALwirtschaft kommt. Weil ca. 80% des Geldes direkt ins Finanzcasino gepumpt wird und dort auch bleibt (mehr+schnellerer Gewinn). Weil unser Geld nicht etwa von unserer Nationalbank, sondern von privaten Banken hergestellt wird. Und das auch noch bei Kreditvergabe also durch Schulden. Würden alle Schulden getilgt werden, wäre also kein Geld mehr da. Für die Zinsen bleibt eh kein Geld zum Bezahlen übrig, dafür muss man dann sein Haus geben oder sich noch mehr verschulden. Einzige Gewinner dieses Systems: die Banken. Der Schweizer findets gut: Vollgeld-Initiative abgelehnt.

    einklappen einklappen
  • Vale46 am 18.11.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie werden kommen

    Aha.... jetzt schon vorerst.... ! Die Negativ Zinsen werden kommen auch bei der Raiffeisenbank.

    einklappen einklappen
  • Working Poor am 18.11.2019 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht betroffen

    Da zum Sparen eh nix bleibt, kann mir das egal sein.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 18.11.2019 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gebühren

    Es gibt ja schon die Negativzinsen in Form von Gebühren.

  • Frisi am 18.11.2019 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzes Loch EZB

    Mit den Tief-, Null- und Negativzinsen finanzieren wir jene Banken und Staaten, die schon längstens gecrasht wären.

  • Lukas T am 18.11.2019 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    stimmt nicht ...

    Also mir hat die Raiffeisenbank durchaus Negativzinsen angedroht und das bei einem Betrag ab CHF 100k... bzw. die Bank hat sich geweigert mir ein zusätzliches Konto zu eröffnen obwohl meine Familie dort schon lange Kunde ist....

  • Supermario am 18.11.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Muss schnell weg

    Hallo Leute, habe Termin bei meiner IV-Eingliederunsberaterin, um 15.00 h erteile ich wieder meine hochgeschätzten Analysen und Auskünfte.

    • Corinna am 18.11.2019 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      @ Supermario

      Kein Problem, wussten wir doch schon alle, ob IV, RAV oder Sozialamt, spielt da keine Rolle mehr.

    • M.A. am 18.11.2019 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario

      Du schätzt Deine Meinung am höchsten ein Auf deine trollige Desinfo kann man hier gut verzichten!

    • Der Echte am 18.11.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ihr seid ja gut informiert, wie immer

      Wenn das Thema nicht so ernst wäre, ist dieser Kommentar nur zum Lachen.

    • Kopfschüttler am 19.11.2019 07:12 Report Diesen Beitrag melden

      @ Der Echte

      Deine überaus zahlreichen Kommentare sind mehr als nur zum Lachen:-)

    einklappen einklappen
  • Sonntag am 18.11.2019 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wir stecken unser Geld ins Haus

    So müssen wir uns nicht über Negativzinsen ärgern, bezahlen weniger Hypothek und sind bereit, wenn der Eigenmietwert abgeschafft wird. Stück für Stück gehört uns unser Haus mehr und wir werden im Alter mit unseren Renten und gut leben können. Erst, leben wir gut bis sehr gut, brauchen das restliche Gesparte auf und dann beziehen wir EL bis wir ins Heim müssen. Dann können wir das Haus verkaufen und dem Staat die EL zurück zahlen. Das Ziel ist uns einen schönen Lebensabend zu machen und mit möglichst wenig Geld in die Grube zu springen.

    • Karl am 18.11.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      EL trotz Eigenheim

      Eigenheimbesitzer können neben den 25'000 bis 40'000 Franken zusätzlich einen Freibetrag von 112'500 Franken geltend machen, sofern sie noch in den eigenen vier Wänden wohnen. Da lässt sich einfach ausrechnen, dass man sehr wohl EL beantragen kann, auch wenn man in Form von Wohneigentum über ein ansehnliches Vermögen verfügt. Freilich gilt diese Vorzugsbehandlung nur so lange, als der EL-Bezüger in den eigenen vier Wänden wohnt. Nach dem Umzug ins Alters- oder Pflegeheim kann der höhere Freibetrag nicht mehr geltend gemacht werden.

    • Malo am 18.11.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

      Einfamilienhäuser sind Gold wert

      Momentan sehr gefährlich, was wenn die Immobilienblase platzt? Wenn ich so im Internet schaue, wieviel Einfamilienhäuser kosten, dann nicht unter 1 Million. Das könnte sich aber wieder schnell ändern. Klar haben wir den lieben Gesetzgeber der die Preise von Einfamilienhäuser hält, aber auch der ist nie fix. Eine Eigentumswohnung würde ich sowieso niemals kaufen. Dort ist ein Crash am grössten. Vielleicht kommt eine Zeit indem man Mehrfamilienhäuser wieder abreisst um Einfamilienhäuser zu bauen. Tönt jetzt grotesk aber kann sich lohnen.

    einklappen einklappen