Studie

23. Juli 2015 21:10; Akt: 23.07.2015 21:35 Print

Bei mieser Stimmung kündigen Junge schneller

von Valeska Blank - Stimmt die Chemie in der Firma nicht, zaudern junge Mitarbeiter nicht mehr lange und kündigen. Das liegt unter anderem am Elternhaus, sagt eine Expertin.

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Fühlen sich junge Angestellte am Arbeitsplatz nicht wohl, kündigen sie rascher als früher. (Bild: Erwin Wodicka)

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Schlechte Stimmung im Team ist für viele Angestellte ein Grund, die Stelle schnell wieder aufzugeben – besonders für junge Berufseinsteiger und Fachkräfte. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Personalberatung Page Personnel.

Demnach ist eine schlechte Unternehmenskultur für 17 Prozent der Befragten ein Kündigungsgrund. 12 Prozent wären bereit, den Job hinzuschmeissen, wenn das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten schwierig ist. Über ein Viertel gab an, wegen mangelnder Wertschätzung innerhalb der nächsten zwölf Monate die Stelle wechseln zu wollen. Auf der Suche nach einem neuen Job ist denn auch die zwischenmenschliche Chemie im Unternehmen ein zentraler Faktor: Für 62 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer spielt das beim zukünftigen Arbeitgeber eine wichtige Rolle.

Zu viel Nestwärme ist schuld

Dass die Stimmung im Job gerade für junge Angestellte entscheidend dafür ist, ob sie im Unternehmen bleiben wollen oder nicht, bestätigt Karriereberaterin Anne Forster. «Das wird in meinen Beratungen sehr häufig thematisiert», sagt sie zu 20 Minuten. Die Arbeitstage von Berufseinsteigern seien etwa in der Beratungs- oder Bankbranche lang – «da muss neben dem Lohn auch die Stimmung passen, um Young Professionals längerfristig im Unternehmen zu halten», so Forster.

Dass Junge empfindlich auf schlechte Chemie im Team reagieren, komme auch von der Art des Aufwachsens: «Die Millenials sind behüteter und mit mehr Nestwärme aufgewachsen als die Generationen davor», sagt die Karriereberaterin. Was sie vom Elternhaus gewohnt seien, wünschten sie sich später auch im Arbeitsleben. «Wohlfühlen ist für sie ein grosses Thema.»

Ein weiterer Gründ für die frühe Kündigungsbereitschaft ist die Erwartungshaltung. Unternehmen werben etwa an Absolventen- und Jobmessen mit einem Hochglanz-Image um junge Berufseinsteiger. «Diese Werbung wirkt wie ein Versprechen», sagt Forster, «wenn es dann nicht eingehalten wird, sind junge Angestellte oft enttäuscht und sehen sich rascher nach einer Alternative um.»

«Jeder will wichtig sein»

Junge Bewerber hätten heute ein feines Gespür für eine gute Unternehmenskultur, heisst es in der Studie von Page Personnel – und zwar schon, bevor sie überhaupt angestellt worden seien. Im Kampf um die besten Bewerber setzt sich der Arbeitgeber durch, der Kandidaten schon in der Recruiting-Phase glaubwürdig vermittelt, dass sie ernst genommen werden und das Unternehmen an ihnen persönlich interessiert ist.

«Eine gute Unternehmenskultur braucht vor allem eine gute Führung, die positives Verhalten vorlebt», so Ricardo Corominas, Managing Director bei Page Personnel. Dazu gehöre zum Beispiel, dass Erfolge gewürdigt werden. Wichtig sei zudem eine offene und faire Feedback-Kultur zwischen Mitarbeitern und Führungskräften: «Jeder Einzelne muss das Gefühl haben, wichtig zu sein und seine Meinung sagen zu dürfen», so Corominas.

Sind Sie ein junger Berufseinsteiger und haben wegen schlechter Stimmung im Team den Job gekündigt? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 23.07.2015 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Expertin irrt 

    Wer als Arbeitnehmer den Job nicht kündigt weil das Klima in der Firma nicht stimmt ist entweder zu ängstlich oder vernachlässigt sich selbst zugunsten des Geldes. Ich möchte nicht wissen wieviele Menschen in Jobs arbeiten die nicht ihrem Charakter entsprechen. Das dürften einige sein.

  • Donald am 23.07.2015 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Recht haben sie

    Ich bin 45 und hätte eigentlich vor 2 Jahren kündigen müssen. Wenn es im Team nicht mehr stimmt, ist es Zeit zu gehen. Bei den Jungen soll angeblich zuviel Nestwärme Schuld sein. Aber vielleicht herrschte früher mehr Respekt voreinander und man musste nicht dasselbe erdulden wie heute. Es gibt einfach Sprüche am Arbeitspaltz, die können eine empfindliche Person fertig machen.

  • Johannes Schütze am 23.07.2015 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Fortschritt

    Das liegt nicht am Elternhaus...das liegt in dem Wesen der heutigen jungen Menschen veranlagt, sie lassen sich einfach nicht mehr unterdrücken ! Und dies ist 100% positiv so!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hil Billi am 24.07.2015 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    NORMAL

    Viele Junge haben absolut kein Durchhaltevermögen. Kaum passt etwas nicht wird davongelaufen. Aber es gibt auch andere die man gut brauchen kann.

  • Aladin Burger am 23.07.2015 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    Experten

    Ohne Experten würde die Welt gundsätzlich besser funktionieren.

  • b.l am 23.07.2015 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmmm

    sollte man jeden tag mit leuten arbeiten die man nicht mag oder die chemie einfach nicht passt und unter diesen umständen auch die arbeitsqualität leidet oder soltte man weiterziehen und ein betrieb finden der zu einem passt und die chemie im team stimmt??? dann bringt man auch mehr leistung. beispiel: ich kündigte meinen job in der verherigen firma genau aus disen gründen. die chemie passte nicht. ich hatte dann für ca 1 1/2 monate kein job. beim rav sagte man mir. besser ein job und nicht zufrieden als gar kein job. sprich es wurde zum teil recht negativ gesprochen. als gäbe es genau nur den einen job... hallooo

  • Adrian am 23.07.2015 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Aus Fehlern lernen

    Es gab eine Zeit, da wollte ich in einer Firma unbedingt weiter arbeiten. Klar der Chef war in Sachen Sozialer Kompetenz eher ein Diktator und Pharao, aber das Team hat es erträglich gemacht. Trotzdem hätte ich kündigen sollen. Ich hab es nicht getan und das Ergebnis war dann 6 Monate später: Medikamente, Psychologische Betreuung und Depression/Burnout... der Chef hatte ganze Arbeit geleistet... Kurzfassung: Es geht mir nicht um "Nestwärme", sondern um meine Gesundheit und bei schlechtem Arbeitsklima ist das schnell ein Thema.

  • online am 23.07.2015 23:48 Report Diesen Beitrag melden

    noch etwa 3 Monate

    noch ein Kündigungsgrund ist der Lohn, ich weiss schon jetzt, dass ich da nicht mehr lange bleiben werde. Die Lebenskosten steigen, man braucht eine sichere Zukunft.