Rabattschlacht

27. April 2019 10:20; Akt: 27.04.2019 10:34 Print

Beim Essen werden Schweizer immer geiziger

Bei Lebensmitteln und Elektronikprodukten achten Konsumenten stark auf Aktionen. Der Handel züchte Schnäppchenjäger heran, so ein Experte.

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Geiz ist geil: Nach diesem Motto kaufen auch zunehmend Schweizer Konsumenten ein. 58 Prozent achten bei Lebensmitteln stark auf Sonderangebote, wie eine repräsentative Studie des Beratungsunternehmens «Fuhrer&Hotz» zeigt, aus der die «Schweiz am Wochenende» zitiert. 2017 lag der Wert noch um 11 Prozentpunkte tiefer.

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Ebenfalls scharf auf Aktionen sind die Konsumenten laut der Studie bei Elektronik- sowie Mode- und Sportartikeln. Am wenigsten spielen Rabatte bei Büchern, CDs, Uhren und Schmuck eine Rolle.

«Black-Friday» befeuert den Trend

Die Händler selbst befeuern den Trend zu Sonderangeboten. Hatten 2017 erst 20 Prozent angegeben, beim amerikanischen «Black Friday» mitzumachen, sind es heute bereits über 40 Prozent.

«Alle Händler haben Angst, auf Rabatte zu verzichten, sie befürchten, Kunden zu verlieren», sagt Marco Fuhrer von «Fuhrer&Hotz». Er spricht von einem Teufelskreis. Denn die Kunden würden immer mehr Aktionen erwarten und zu Schnäppchenjägern herangezüchtet.

Etwas Blöderes als Aktionen wie beim «Black Friday» gebe es nicht, sagt Ferdinand Hirsig, langjähriger Chef bei Volg, zur Zeitung. Kurz vor Weihnachten Rabatte zu gewähren, sei fatal. «Zudem können wir uns bei Volg derart grosse Abschläge gar nicht leisten, dafür sind unsere Margen viel zu dünn.» Volg habe nach wie vor die gleiche Strategie mit wöchentlichen Aktionen auf gewissen Artikeln mit maximal 33 Prozent Rabatt.

Leidet die Glaubwürdigkeit?

Für Marco Fuhrer kratzen die Aktionen der Händler auch an der Glaubwürdigkeit. «Der Kunde fragt sich dann, ob er durchs Jahr hindurch abgezockt wird, wenn plötzlich derart grosse Rabatte möglich sind an einzelnen Tagen.»

In Frankreich hat die Politik bereits auf Rabatte bei Lebensmitteln reagiert. Laut einem Gesetz, das seit Anfang Jahr in Kraft ist, dürfen Detailhändler beim Essen höchstens 34 Prozent Rabatt gewähren. Auch dürfen sie maximal 25 Prozent ihres Angebots als Aktionen bewerben. Ziel der Massnahme ist es, die Produzentenpreise für die Bauern zu verbessern.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elias Truttmann am 27.04.2019 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz?

    Schon mal daran gedacht, dass stagnierende Löhne und rasante Teuerung vor allem bei staatsnahen Dingen ein Problem sein könnten? Krankenkassenprämien z.b. lassen grüssen.

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  • mari am 27.04.2019 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gehts noch..

    geiz oder müssen aufs Geld achten!?!Eher das Zweite!

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  • Tycho am 27.04.2019 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    evtl. liegt's an den KK-Prämien

    vielleicht sind auch einfach nur die steigenden Krankenkassenprämien schuld, das die Konsumenten mehr auf den Preis schauen müssen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Béatrice Remund am 28.05.2019 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schnäppchenjagd

    Wenn man wie Ich IV Bezügerin bin, bleibt einem keine andere Wahl, als auf Aktionen zu achten. Bin jedoch keine, Die erst vor Ladenschluss auf Schnäppchensuche gehe, achte aber sehr auf Aktionen, wenn die Qualität trotzdem stimmt.

  • Nadja Aellen am 02.05.2019 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Armutsbetroffene CH Bürger

    Hilfsbedürftige Schweizer gibt es viele, zudem der Kanton Bern noch 8% kürzen will.... Und dies finde ich " bschämig", bei den armutsbetroffenen Menschen, welche eh schon zur Randgruppe gehören, ich auch seid knapp 2 Jahren, und dies mit 50-ig, bin sehr jung geblieben..

    • Fairplayer am 03.05.2019 21:10 Report Diesen Beitrag melden

      Arbeiten sollte sich finanziell lohnen

      Würden statt immer nur die Topverdiener und die Unternehmen, endlich auch mal der Mittelstand und die unteren Einkommensschichten steuerlich entlastet, wären die Stimmbürger auch eher bereit, höhere Sozialhilfeleistungen zu befürworten. Aber da zu viele Workingpoors nach Bezahlung ihrer Steuern und KK-Prämien kaum besser dran sind, als die nicht arbeitenden Sozialhilfebeziehenden, betrachten verständlicherweise halt viele von ihnen die Armenunterstützung als zu grosszügig.

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  • Ben am 01.05.2019 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufs-Tourismus

    Der Mittelstand wird in der Schweiz abgezockt, nicht zu vergessen alle ü45 welche in der CH-Arbeitswelt langsam aber stetig ausgestuhlt werden also wen wunderts???

  • Ingenieur am 01.05.2019 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Say no to Socialism

    Was mir Sorge bereitet, ist die Politik, spezielle Grüne/SP welche defakto eine De-Industrialisierung der Gesesellschaft bezwecken will. Gehen Sie Beispielsweise nach Frankreich, haben sie viele Gegenden in denen keine Industriegüter und technische Güter mehr Produziert werden (De-Industrialisierte Gegenden). Viele Menschen haben in solchen Gegenden wirklich KEIN Geld. Speziell die Arbeitenden. Und es gibt auch keine Möglichkeiten um an Geld zu kommen. Dort sind Essenskosten ein "reales" Thema. Dort will ich nicht hin, wir sind aber auf dem besten Weg dahin.

  • 807687 am 30.04.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will nur das Beste...

    ...zum halben Preis. Einmal pro Woche Fleisch aus Demeter-Produktion, herabgesetzt auf 50% - obwohl ich 500.-- unter dem Existenzminimum lebe, kann ich mir das leisten. Ich esse 2 Mahlzeiten pro Tag statt drei. Und ich kaufe nur, was ich gerade brauche. Dank Offenverkauf beim Gemüse/Obst kann ich in den Laden gehen und mit einem einzigen Apfel rauslaufen. So gibt es auch keine Abfälle der kostbaren Nahrungsmittel.