Die Konsum-Religion

03. Januar 2011 22:58; Akt: 03.01.2011 22:58 Print

Beim Shopping kommen religiöse Gefühle auf

von Alex Hämmerli - Shopping ist scheinbar nichts anderes als Religion: Bei beidem werden die gleichen Hirnregionen stimuliert.

Zum Thema
Fehler gesehen?

^Damit bekommt der Begriff Shopping-Tempel eine ganz neue Bedeutung. Je erfolgreicher eine Marke ist, desto intensiver stimuliert sie im Hirn bestimmte Areale – und zwar jene, die beim Anblick reli­giöser Bilder aktiv werden. Das hat der dänische Markenbe­rater Martin Lindstrom in einer aufwendigen Studie heraus­gefunden: 2000 Probanden hat er dazu einem Gehirn-Scan unterzogen.

Lindstroms Kunden aus der Shoppingindustrie haben grosses Interesse an den Erkenntnissen – schliesslich geht es um nichts weniger als die Wurzel aller Konsumentscheidungen. 7 Millionen Dollar hat die Studie gekostet; bezahlt haben Firmen rund um den Globus, darunter McDonald’s und Porsche.
«Ökonomisch gesehen ist Lindstroms Erkenntnis faszinierend», sagt Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe bei Kalaidos Research. Laut Fichter setzen immer mehr Geschäfte auf das Unterbewusstsein: «Mittlerweile versuchen zwei von drei Shoppingcentern und Detailhändlern gezielt, ihre Kundschaft mit dem Bauchgefühl zum Konsumieren zu verleiten.» Dabei setzen die Geschäfte insbesondere auf Düfte, Musik und eine spezielle Architektur. Schon länger sei zudem bekannt, dass Einkaufen eng mit fanatischen Gefühlen verbunden sei, die bis zur Sucht führen können. Trotzdem warnt Fichter davor, Shoppen mit Religion gleichzustellen. «Nur weil im Hirnscanner dieselbe Region aufleuchtet, heisst das noch lange nicht, dass es sich um die gleichen Aktivitäten handelt. Die meisten Hirnareale kommen nämlich bei den verschiedensten Tätigkeiten zum Einsatz.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinrich Zimmermann am 06.01.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist gemeinsam an Religion und Einkaufstempel

    Es muss nur die Frage gestellt werden, was bei beidem die gleiche Rolle spielt. Es ist die Geahnte Belohnung, also den erahnten Lustgewinn, was bei beidem der Fall ist. Aber vorsichtigerweise muss man Lust auch dann schon postulieren, wenn Unangenehmes ausbleibt. Zudem passt auch noch das gesellige Moment, wenn man unter vielen ist, zusammenkommt und gemeinsam "etwas vermeintlich sinnvolles" tut. Meistens noch so, dass andere es sehen und wuerdigen. Das steigert das Image, man ist wer, auch fuersorglich in der Oeffentlickeit, etc. Zudem kann man sich damit versichern, dass man dazugehoert

  • man na am 09.01.2011 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    selbsttäuschung

    eigentlich logisch, da kommt das - so tun als ob - ins Spiel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • man na am 09.01.2011 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    selbsttäuschung

    eigentlich logisch, da kommt das - so tun als ob - ins Spiel.

  • Heinrich Zimmermann am 06.01.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist gemeinsam an Religion und Einkaufstempel

    Es muss nur die Frage gestellt werden, was bei beidem die gleiche Rolle spielt. Es ist die Geahnte Belohnung, also den erahnten Lustgewinn, was bei beidem der Fall ist. Aber vorsichtigerweise muss man Lust auch dann schon postulieren, wenn Unangenehmes ausbleibt. Zudem passt auch noch das gesellige Moment, wenn man unter vielen ist, zusammenkommt und gemeinsam "etwas vermeintlich sinnvolles" tut. Meistens noch so, dass andere es sehen und wuerdigen. Das steigert das Image, man ist wer, auch fuersorglich in der Oeffentlickeit, etc. Zudem kann man sich damit versichern, dass man dazugehoert