Pleite des Reisegiganten

23. September 2019 16:26; Akt: 23.09.2019 17:03 Print

Berner CEO verdiente bei Thomas Cook 10 Millionen

von S. Spaeth - Kein Schweizer hat es in der Reisebranche so weit gebracht wie Peter Fankhauser. Doch nun ist sein Imperium am Boden. Wer ist der Manager, der mitten im Sturm stand?

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Die Krönung kam im Herbst 2014 überraschend. Der Schweizer Peter Fankhauser sah sich plötzlich auf dem CEO-Thron bei Thomas Cook, dem zweitgrössten Reisekonzern Europas. Der Verwaltungsrat entschied sich mit der Beförderung des Chief Operating Officer für einen Touristiker: Fankhauser sollte den bereits hoch verschuldeten Konzern auf Kurs bringen. Man traute dies dem Berner zu, weil er zuvor bereits die Thomas-Cook-Airline Condor und die Marke Neckermann Reisen auf Erfolg getrimmt hatte.

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Thomas-Cook-CEO Peter Fankhauser...

Knapp fünf Jahre später steht Fankhauser vor einem Scherbenhaufen. Für den 58-Jährigen war es etwas, wovon er hoffte, es nie machen zu müssen: Insolvenz anmelden. So sagt es der drahtige Manager in einem TV-Statement kurz nach der Pleite. Mit ernster Miene erzählte Fankhauser davon, dass es trotz enormer Anstrengungen in den vergangenen Monaten und Verhandlungen bis zuletzt nicht möglich gewesen sei, mit Investoren einen Deal zu machen und die Geschäfte zu retten.

«Fankhauser war kein Schickimicki-Manger»

Für seinen entbehrungsreichen Spitzenjob liess sich Fankhauser fürstlich entlöhnen: Seit seinem Amtsantritt im November 2014 bezog der CEO insgesamt Entschädigungen von 8,3 Millionen Pfund. Das sind umgerechnet über 10 Millionen Franken. Allein der Bonus fürs Jahr 2015 betrug 2,9 Millionen Pfund. Die hohen Löhne der Thomas-Cook-Manager sorgten regelmässig für Diskussionen. Erst auf Druck der Aktionäre wurde Fankhausers Bonus, der zuweilen bis 225 Prozent des Grundgehalts ausmachen durfte, begrenzt.

Peter Fankhauser galt als Manager mit grossen Ambitionen. Sein Name stand einst auch auf der Liste der Kuoni-Chef-Kandidaten: «Bei Kuoni gingen Fankhausers Ambitionen aber zu wenig schnell in Erfüllung», sagt jemand, der ihn kennt. Der Berner sei sehr karrierebewusst gewesen, aber nie auf eine provozierende Art.

HSG-Absolvent Fankhauser wird als sehr bodenständig beschrieben: So stieg er etwa jährlich mit Kollegen aus der Reisebranche in der Schweiz aufs Mountainbike. «Fankhauser war kein Schickimicki-Manager, kein Schwätzer und Blender», heisst es über den bestverdienenden Schweizer der Reisebranche. Er habe die Fähigkeit gehabt, Leute zu motivieren und positiv auf sie zuzugehen.

Der Herbst bringt die Pleite

Doch für Fankhauser und sein Crew taten sich immer neue Finanzlöcher auf. Noch im Sommer waren die Grossaktionäre bereit, über eine Kapitalerhöhung neues Geld einzuschiessen. Im Herbst waren sie es nicht mehr. «Die Firma war ein Fass ohne Boden», sagte ein Branchenkenner.

Dass die Pleite im Herbst gekommen sei, sei zu erwarten gewesen. Der Grund: Im ersten Halbjahr haben die Tourismuskonzerne genügend Liquidität, weil Kunden die Reisen vorauszahlen. Im Herbst ist dieses Geld alles weg. «Wenn jemand Pleite geht, dann im Herbst.»

«Ich entschuldige mich bei den 21'000 Kollegen. Ich weiss, dass sie ein gebrochenes Herz haben werden. Sie haben so hart gearbeitet, um mit Thomas Cook Erfolg zu haben», so Fankhauser in seinem Statement. Dann entschuldigt sich der Schweizer bei allen Reisenden, die derzeit in den Ferien weilen, und bei jenen, die für die kommenden Monaten gebucht haben. «Es war mir eine Ehre, Thomas Cook zu leiten. Es ist sehr schmerzlich, dass es mir nicht möglich war, eine der beliebtesten Marken im Reisebusiness zu retten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dani heiniger am 23.09.2019 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer wieder

    immer wieder spannens, konzern am boden, jedes jahr verlust, aber boni gibts trotzdem....

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  • ro sche am 23.09.2019 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    guter Chef

    ist das wirklich ein guter seriöser Chef. der aus einer sich in Schwierigkeiten befindlichen Firma 10 millionen Lohn BEZIEHT?

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  • Reini Beerli am 23.09.2019 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sherman

    So herr fankhauser und jetzt zahlen sie etwas zurueck von den 10 millionen zu gunsten der mitarbeiter wo den job verloren haben. Ganz sicher tut das ihnen nicht so weh wie den mitarbeiter von den unteren schichten. Zudem hsg sagt wieder mal alles!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • alessi am 24.09.2019 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewinnmaximierung in eigener Sache

    Unglaublich! Bin selbst Unternehmer und ich und mein Team sind bestrebt; Tag für Tag unsere Kunden mit Qualitativ hochwertiger Dienstleistungen zu begeistern. Ich selber beziehe ein Salär der maximal 4x über dem Minimal Lohn von Brutto CHF 3000.- liegt. Bei uns wird der Gewinn an die Belegschaft verteilt. Zudem übernehmen wir 100% der BVG. Uns gibt es seit über 40 Jahren. Ich schäme mich für alle Manager und Unternehmer die so Misswirtschaft betreiben. 10 Millionen plus viele Zulieferer die nun dazu auch in Mitleidenschaft gezogen werden ist ein no go!

  • Andreas am 24.09.2019 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peter Cook

    Falls Peter jemals eine andere Stelle als CEO in einem anderen Unternehmen bekommen würde, würden die Aktien gleich um mindestens 90% fallen.

  • Josef Gübeli am 24.09.2019 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fair

    Unfassbar ist eher der Titel dieser Geschichte! Die 10 Millionen hat er im ganzen Zeitraum seiner Tätigkeit bei TC, also für den Zeitraum von fast fünf Jahren bezogen. Ich bin auch ein Gegner der immer mehr ausufernden Entlohnung der Manager. Aber hier sieht es etwas anders aus, umal er ja bei Neckermann und Condor das Steuer erfolgreich herumreissen konnte. Der Mann kann etwas! Der Verwaltungsrat hat ihm wohl deshalb diesen Job und Lohn angeboten. Ob TC ohne ihn nicht schon vor Jahren den Handstand gemacht hätte, weiss niemand. Also bleibt etwas fairer mit euerem Urteil!

  • traurige Fakten unserer sogenannten Eli am 24.09.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie Karrer

    Alles in den Sand setzen und viel daran verdienen. Das ist ja unterdessen bei solchen Leuten normal. Unser immer-noch Economie Suisse Präsident Karrer hat das mit Kuoni auch gemacht. Sowas ist unhaltbar und unglaubwürdig.

  • Pit848 am 24.09.2019 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach schamlos!!

    Und sowas sieht man nicht kommen? Und verkauft bis zum letzten Tag tickets? Eine absolute frechheit und das nächste was geändert werden sollte!