CS-Beschattungsskandal

24. September 2019 09:35; Akt: 24.09.2019 09:35 Print

Khan hat «Todesangst» durchgestanden

Die Credit Suisse hat eine Untersuchung im Bespitzelungsskandal eingeleitet. Das engste Umfeld des Konzernchefs Thiam soll involviert gewesen sein.

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Der Beschattungsskandal um den einstige Chef der Vermögensverwaltung der Credit Suisse Iqbal Khan spitzt sich zu. Wie sich nun herausstellt, hat der CS-Präsident Urs Rohner eine interne Untersuchung eingeleitet, berichtet der «Tages-Anzeiger» (Bezahlartikel). Gemäss Recherchen der Zeitung sei das engste Umfeld von Konzernchef Tidjane Thiam in die Überwachungsaffäre involviert – unter anderem Pierre-Olivier Bouée, Chief Operating Officer von CS, und Sicherheitschef Remo Boccali.

Es ist allerdings nach wie vor unklar, was genau geschehen ist. Die Bank widerspricht der Version der Geschehnisse, wie Khan sie beschreibt. Dieser gibt an, bei einer Einkaufsfahrt beschattet worden zu sein. Er habe daraufhin versucht, seine Verfolger abzuschütteln, was ihm aber nicht gelungen sei. Also habe er ein Foto des Nummernschilds des Autos gemacht, aus dem er bespitzelt worden sei. Drei Personen sollen daraufhin versucht haben, ihm das Handy zu «entreissen». Einer von ihnen sei ein tätowierter Schlägertyp gewesen, berichtet CH Media.

Kahn hatte «Todesangst»

Die CS bestreitet dies. «Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma haben nie versucht, Khan das Handy zu entreissen, es hat keinerlei physische Aggression gegeben», sagt ein CS-Insider zum «Tages-Anzeiger». Kahn sei überwacht worden, um sicherzustellen, dass dieser nicht versuche, Leute für die UBS abzuwerben, bei welcher er selbst ab Oktober eine Stelle antritt. Die Überwachung habe aber niemals am Wochenende stattfinden oder sich auf Kahns Familie ausweiten sollen.

Khan gibt derweil an, «Todesangst» durchgestanden und um seine Familie gefürchtet zu haben. Nach dem Vorfall reichte er bei der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Nötigung ein. Zur Verhaftung ist es laut CH Media schliesslich aber nicht aufgrund der Fotos der Verfolger, sondern des Nummernschilds des Autos gekommen.

Die Beschattung hat auch innerhalb der CS Wellen geschlagen. So sollen sich mehrere frühere Mitarbeiter Kahns bei der Geschäftsleitung erkundigt haben, ob auch sie Ziel einer Überwachung gewesen seien.

Die Geschichte bisher

Iqbal Khan hatte seinen Posten bei der CS im Juli 2019 gekündigt. Ende August wurde klar, dass er zur Konkurrenz UBS wechselt. Normalerweise besteht in einer hohen Position, wie sie Khan bei der CS innehatte, eine einjährige Kündigungsfrist und ein entsprechend langes Konkurrenzverbot. Dass Khan also schon im Oktober die Vermögensverwaltung der UBS übernimmt, ist höchst unüblich.

Darüber, wie der Abgang Khans genau ablief und welche Vereinbarungen und Übereinkünfte getroffen wurden, wird derzeit spekuliert. Khan soll einen Teil seines Bonus verloren haben, den aber die UBS übernommen hat.

Diese vorteilhafte Ausgangslage für Khan sei dann auch der Grund eines wüsten Streits mit CS-Chef Tidjane Thiam gewesen. Verwaltungsratspäsident Urs Rohner hat anschliessend laut Bericht einen vorteilhaften Austrittsvertrag für Khan verhandelt. Es wird vermutet, dass Khan etwas gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber in der Hand hat, was ihm diese Vorteile verschafft hat.

Credit Suisse gibt Beschattung zu

Vergangene Woche wurde nun bekannt, dass Khan behauptet, von drei Männern beschattet worden sei. Nachdem Khan die Polizei alarmiert hatte, wurden die besagten drei Männer ausfindig gemacht und vorübergehend in Haft genommen. Ein Sprecher der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft bestätigte gegenüber «Inside Paradeplatz» die Eröffnung eines Strafverfahrens wegen Nötigung und Drohung.

Gegenüber der Polizei hat die Credit Suisse gemäss «SonntagsZeitung» nun zugegeben, dass sie Khan beschatten liess. Auch die E-Mails des ehemaligen Vermögensverwalters seien geprüft worden, offenbar, um herauszufinden, ob Khan Personal für die UBS abwerben will.

(doz/kat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 24.09.2019 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftkriminel

    Sorry, aber das was am Paradeplatz abgeht ist filmreif und nicht gerade vertrauenswürdig. Ein Haufen Wölfe in Schafspelzen.

  • Eva am 24.09.2019 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Unglaublich und das bei unseren einstigen stolzesten Schweizerbanken die man in fremde Hände abgab, laut Fachkräftemangel, zum heulen.

  • Think Deeper am 24.09.2019 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    corporate behaviour

    Nun in einer solchen Top Position ist das Klima rauher und dafür wird man ja fürstlich entschädigt. Auch für die Zeit des Konkurrenzverbotes. Offensichtlich kam es zum beidseitigen Vertrauensbruch und gegenseitiger Ent Täuschung mit anschliessender legitimer Kündigung. Wer Loyalität erwartet muss selber ein System und eine Kultur der Loyalität betreiben. Change it war wohl nicht möglich so blieb nur leave it. Das mit einer Kündigung ein Bonus gestrichen wird ist systemisches Nachtreten und eine Verweigerung der Honorierung vergangener Leistungen. Eine absichtliche zusätzliche Kränkung. Zu versuchen einen Mitarbeiter am beruflichen fortkommen zu hindern, finanziell abzustrafen, Gerüchte zu verbreiten und zu stalken eine weitere. Es ist legtim, dass sich ein Arbeitgeber zu schützten versucht, aber derart ist dilletantisch. Wenn andere Mitarbeiter gehen wollen, werden sie früher oder später ohne Abwerbung gehen. Ursache ist meist schlechte Führung, Druck und schlechte Kultur. Dazu gehören auch solche Bonysysteme. Das Vorgehen zeigt die verdorbene Denkweise der Branche, auf beiden Seiten, auf.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eva am 24.09.2019 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Unglaublich und das bei unseren einstigen stolzesten Schweizerbanken die man in fremde Hände abgab, laut Fachkräftemangel, zum heulen.

  • Anonym am 24.09.2019 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftkriminel

    Sorry, aber das was am Paradeplatz abgeht ist filmreif und nicht gerade vertrauenswürdig. Ein Haufen Wölfe in Schafspelzen.

  • Il am 24.09.2019 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Info zum verkaufen

    Was denken Banker? Wenn wenn Info zum Geld gemacht werden ist fast jeder Im Fokus der Justiz

  • Tamara Widmer am 24.09.2019 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    jedoch selber Leute in die Armut schicke

    und wieviele Leute hat er schon in die Arbeitslosigkeit getrieben und wird dies bei der UBS weiterhin tun? Die haben auch Totesangst um ihre Existenz aber dies ist dem Multimillionär in der Teppichetage so was von egal, Hauptsache selber garnieren und andere in die Armut treiben. Mein Mitleid hält sich in Genzen für solche assoziale Menschen wie Herr Kahn einer ist.

  • marko 34 am 24.09.2019 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenten

    Die CS muss bezahlen für das!